• 17.04.2013, 11:53:07
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Mikl-Leitner: Substitutionstherapie bundesweit evaluieren

Klärung des Einsatzes von retardierten Morphinen ist dringend notwendig

Utl.: Klärung des Einsatzes von retardierten Morphinen ist dringend
notwendig =

Wien (OTS) - Die Substitutionstherapie wird von Innenministerin Mag.a
Johanna Mikl-Leitner grundsätzlich befürwortet. Klärungsbedürftig ist
für die Innenministerin aber der Einsatz von retardierten Morphinen.

"Das Innenministerium ist sich der Verantwortung und Verpflichtung
auf dem Gebiet der Prävention, auch beim Suchtmittelmissbrauch, voll
und ganz bewusst", sagt Innenministerin Mag.a Johanna Mikl-Leitner.
"Es kann aber nicht sein, dass diese Verantwortung nur auf den
Schultern des Innenressorts lastet. Ich erwarte, dass sich auch die
anderen zuständigen Stellen ihrer Verantwortung und Verpflichtung
bewusst sind und diese auch wahrnehmen." Für Mikl-Leitner ist es
begrüßenswert, dass nach eineinhalbjährigen Bemühungen des
Innenministeriums endlich eine breite Diskussion mit dem
Gesundheitsministerium zustande gekommen ist und es ein
Expertengespräch von Vertretern beider Ministerien gab. Die
Innenministerin bedauert aber, dass seitens des
Gesundheitsministeriums kein Folgetermin in Aussicht gestellt wurde,
obwohl ein breiter Diskurs über den Einsatz retardierter Morphine in
der Substitutionstherapie dringend erforderlich ist.

Retardierte Morphine in den meisten europäischen Ländern nicht
zugelassen

In den meisten europäischen Ländern, sind retardierte Morphine nicht
zugelassen. Trotzdem gibt es in diesen Staaten bessere
Therapieergebnisse als Österreich. Beispielweise liegt in Deutschland
die Erfolgsquote bei 20 Prozent der Heroin-Süchtigen, in Österreich
(je nach Statistik) nur bei 5 bis 10 Prozent.
In Europa werden retardierte Morphine lediglich in Bulgarien,
Slowenien und Österreich angewendet. Auch hier ist Österreich mit
einer Anwendungsquote von 55 Prozent führend; in Bulgarien sind es 5
Prozent und in Slowenien 7 Prozent der Fälle.

Ost-Westgefälle bei der Abgabe von retardierten Morphinen

In Österreich wird die Abgabe von retardierten Morphinen
unterschiedlich gehandhabt. In Vorarlberg werden retardierte Morphine
in 16 Prozent der Fälle verabreicht, in Wien sind es 61 Prozent der
Therapien diese zum Einsatz kommen. Vorarlberg ist bei den
Drogentherapien auch erfolgreich, denn die Zahl der Heroinsüchtigen
sinkt.
Im Bericht zur Drogensituation 2012, der von der Europäischen
Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht und vom
Bundesministerium für Gesundheit in Auftrag gegeben wurde, heißt es
auf Seite 57: "Österreichweit stellt Morphin in Retardform (55 %) das
am häufigsten verschriebene Substitutionsmittel dar, gefolgt von
Methadon (21 %) und Buprenorphin (18 %). Auffällig ist, dass die
Verschreibungs-praxis bundeslandspezifisch sehr unterschiedlich ist.
Während beispielsweise in Vorarlberg nur bei 16 Prozent der
Behandelten Morphin in Retardform zum Einsatz kommt, ist dies in Wien
bei 61 Prozent der Behandelten der Fall."

"Für mich ergibt sich daraus eine ganz klare Frage: Wie kommt dieser
überproportional hohe Unterschied beim Einsatz von retardierten
Morphinen in der Substitutionsbehandlung zustande?", sagt
Mikl-Leitner. "Die Ergebnisse der Drogentherapie in Vorarlberg
sprechen eine klare Sprache. Aus diesem Grund ist es dringend
erforderlich, die Substitutionstherapie in Österreich bundesweit zu
evaluieren, um Klarheit über die Datenlage zu bekommen."

Schwarzmarkt für retardierte Morphine

Der überproportionale hohe Einsatz von retardierten Morphinen führt
in Österreich zu einem regen Handel auf dem Schwarzmarkt. "Es handelt
sich dabei um ein österreichisches Phänomen", betont die
Innenministerin. "Das ist aber hausgemacht und in Europa
einzigartig."

Bei ordnungsgemäßer Einnahme gibt retardiertes Morphin den Wirkstoff
verteilt über den Tag an den Körper ab und bremst das Verlangen nach
Opioiden. Wird diese Substanz aber missbräuchlich intravenös
verabreicht, erhält der Konsument einen "Kick" ähnlich wie beim
Heroinkonsum. Das macht retardierte Morphine gegenüber anderen
Drogenersatzstoffen besonders "attraktiv" für Süchtige und dadurch
entsteht auch ein Schwarzmarkt.

Die Aussage von Wiens Drogenkoordinator Michael Dressel, dass maximal
0,15 Prozent der in Wien verschriebenen Medikamente später von der
Polizei sichergestellt wurden und dass es daher keine Überschwemmung
des Marktes gibt, ist für den Direktor des Bundeskriminalamtes Franz
Lang nicht nachvollziehbar. "Ermittlern des Landeskriminalamts Wien
gelang es zum Beispiel, einem Substitolhändler das Handwerk zu legen,
der in den vergangenen zwei Jahren mindestens 5.000 Stück Substitol
verkauft hatte", sagt Lang. "Er hatte Abnehmer aus Niederösterreich,
der Steiermark, dem Burgenland und Wien. 2.500 bis 3.300
festgestellte Delikte jährlich in diesem spezifischen
Kriminalitätsfeld sind kein Anlass, die Augen in diesem Bereich zu
verschließen."

Für Innenministerin Mag.a Johanna Mikl-Leitner ist es jedenfalls von
besonderer Bedeutung, dass begleitend zur Substitution mehr
psychosoziale Betreuung benötigt wird. Laut dem Suchtmediziner Dr.
Reinhard Haller bekommen derzeit nur 10 Prozent der Substituierten
eine solche Begleitung. Mikl-Leitner: "Es besteht also dringender
Handlungsbedarf."

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