- 17.04.2013, 09:01:38
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Auf der Suche nach der verlorenen Nachfrage.
Weltweiter Branchenausblick: 1. Halbjahr 2013
Utl.: Weltweiter Branchenausblick: 1. Halbjahr 2013 =
Wien (OTS) - PRISMA Kreditversicherung und der weltweit führende
Kreditversicherer Euler Hermes veröffentlichen den aktuellen
Branchenausblick.
2013 werden die Überkapazitäten in China, die schwache
Rentabilität in Europa und der weltweite Schuldenabbau die Risiken im
Kreditmanagement beeinflussen.
"Mit einem echten Seufzer der Erleichterung sagen manche, dass die
Krise vorbei ist, die Eurozone weiter besteht und sich die Märkte
langsam erholen", erklärt Ludwig Mertes, Vorstand der PRISMA
Kreditversicherung. "So einfach ist es leider aus unserer Sicht
nicht. Rohstoff-, Finanz- und Staatsschuldenkrise drücken immer noch
auf die Dynamik vieler Industriebranchen und beschädigtes Vertrauen
ist nicht so schnell wett zu machen."
Dazu kommt etwas, das sich mangels Daten schwer nachweisen lässt
und trotzdem bereits das Weltwirtschaftsforum beschäftigt: Wo ist die
Nachfrage heute? Woher kommt sie und wonach sucht sie? Die Generation
Y will nicht unbedingt ein Auto und ein Haus kaufen, sondern setzt
auf Reisen und Kommunikation. Und was wünschen sich die neuen
Mittelschichten in den Schwellenländern? Potentiale und Märkte
verschieben sich und die passenden Unternehmensstrategien müssen erst
entwickelt werden.
In Europa hakt es in viel zu vielen Branchen. Der Rückgang der
Nachfrage von privaten Haushalten und Unternehmen in Südeuropa wirkt
sich nach und nach auf die Wirtschaft der ganzen Region aus.
Betroffen sind vor allem die Bauwirtschaft (insbesondere in Spanien,
Italien, Frankreich und Großbritannien), der Einzelhandel und die
Automobilindustrie. Folglich leidet auch die Stahlindustrie unter der
Schwäche der Hauptabnehmerbranchen Bauwirtschaft und Autoindustrie.
Im Gegensatz zu Unternehmen, die auf den Inlandsmarkt angewiesen
sind, profitieren internationale Konzerne vom Wachstum der
Weltwirtschaft und können die schwache Konjunktur in Europa
kompensieren. Positiv entwickeln sich derzeit die Chemiebranche und
weiterhin die Autozuliefererindustrie, die Pharmazie und die
Luftfahrtindustrie.
Die USA haben die Trendwende geschafft. Die Automobilbranche
verzeichnete 2012 einen Aufschwung von 12%, wovon die Stahlindustrie
und die Autozulieferer profitieren konnten. Positive Zahlen zeigen
sich auch im Elektroniksektor, im Einzelhandel und in der
Luftfahrtindustrie. Der einzige Wermutstropfen ist die zaghafte
Erholung der Bauwirtschaft.
Die Schwellenländer profitieren u.a. von der Nachfrage Chinas, der
Zinssenkung in Indien, den Infrastrukturprogrammen für die Fußball WM
2014 und den Olympischen Spielen 2016 in Brasilien. Vielversprechend
sind hier die Entwicklungen der Bauwirtschaft, der Infrastruktur und
des Einzelhandels. China leidet aber unter der Konkurrenz aus anderen
Entwicklungsländern im Textil- und Bekleidungssektor. Aus diesem
Grund konzentriert man sich hier auf eine Branche mit mehr
Wertschöpfung: die Luftfahrtindustrie.
Einzelne Branchen im Überblick
Lebensmittel: Anhaltende Turbulenzen
Während sich 2012 die steigenden Rohstoffpreise auf die
Produktionskosten und Margen ausgewirkt haben, wird 2013 die
Weltproduktion um 3% zunehmen. Unterstützt wird die Zunahme durch
Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum und stabile Rohstoffpreise.
Die US-Märkte werden mit Produktinnovationen und/oder
Optimierungen des Geschäftsmodells den mäßigen Wachstumsaussichten
entgegentreten. Die immer rascheren Veränderungen in der Nachfrage
werden fast mit Sicherheit zu Strukturverschiebungen in der gesamten
Branche führen. Der Expansionsdrang von Herstellern in Fernost
demonstriert die Wachstumsvorhaben der Schwellenländer. Sie wollen
sich ein immer größeres Stück vom Kuchen des weltweiten
Nahrungsmittel- und Getränkegeschäftes sichern.
Pharmazie: Eine gesunde Branche
Der weltweite Pharmamarkt, der 2012 rund 930 Mrd. US-Dollar
umsetzte, hat sich auch in einem turbulenten wirtschaftlichen Umfeld
als widerstandsfähig erwiesen. Gründe sind die steigende Nachfrage
nach Pharmazeutika in den Schwellenländern und die steigende
Lebenserwartung in reichen Ländern. Problemzone ist die wachsende
Konkurrenz von Generika-Herstellern und den auslaufenden Patenten für
Kassenschlager (Medikamente mit jährlichem Umsatz von mehr als einer
Mrd. Dollar). Hinzu kommt noch, dass die Regulierungsbehörden jedes
Jahr die Kriterien für die Zulassung neuer Arzneimittel verschärfen.
In den USA konnten durch die Gesundheitsreform "Affordable Health"
zusätzlich 40 Millionen bisher unversicherter US-Bürger Zugang zur
Gesundheitsversorgung erhalten. Allerdings ist die Pharmabranche nun
zu umfangreichen Preissenkungen verpflichtet, die sich im Jahr 2013
auf drei Mrd. US-Dollar summieren werden. Die Rentabilität kann nur
durch Kostensenkungen, Fusionen oder Reduktionen des Verkaufsteams
für Medikamente aufrechterhalten werden. In den Schwellenländern
konzentriert sich die Pharmaindustrie weiterhin auf Absatzbemühungen.
Autozuliefererindustrie: Anpassung an regionale Trends
Die Veränderungen der PKW-Produktion in den Jahren 2007-2012 (-55%
in Italien, +145% in China) zeigen deutlich die Wichtigkeit der
raschen Kostenanpassung in den regionalen Märkten. Die Kosten müssen
in Gebieten mit rückläufigem Absatz reduziert werden. In Regionen mit
hohem Wachstum soll durch effektives Investitionsmanagement die
Expansion vorangetrieben werden. Auch die neuen Herausforderungen,
wie z.B. CO2-neutrale Produkte, wurden von den Herstellern
erfolgreich angenommen und stärken die Verhandlungsposition gegenüber
den Kunden.
Weltweit ist die Lage der Autozulieferindustrie ins Stocken
geraten. In Europa und Japan kämpft sie mit Absatzrückgängen. Auch in
den Schwellenländern geriet die starke Expansion des Sektors ins
Stottern, insbesondere in Indien. Der AMP (Automotive Mission Plan)
der indischen Regierung mit dem Ziel 2016 einen Umsatz von 145 Mrd.
US-Dollar oder 10% des BIP zu erwirtschaften, kann nach derzeitigen
Einschätzungen erst ein Jahrzehnt später erreicht werden. Anders
sieht die Lage in den USA aus. Hier gibt es einen signifikanten
Aufschwung im nordamerikanischen Automobilmarkt, welcher der gesamten
Branche nutzt. Dieser Aufwärtstrend bleibt auch 2013 bestehen. Aus
diesem Grund sind bereits neue Standorte geplant, die 44.000 neue
Arbeitsplätze schaffen.
Innovations- und Kommunikationstechnologien: Mobilgeschäft auf
Wolke sieben
2012 hatte der Weltmarkt für Informations- und
Kommunikationstechnologie (IKT) ein Volumen von 3.200 Mrd. US-Dollar
und setzt sich überwiegend aus Dienstleistungen zusammen (58%).
Hardware-Hersteller stehen an vorderster Front der Innovation und
bereiten fruchtbaren Boden für die Expansion von Dienstleistungen.
2013 ist die Einführung und Anwendung von 4G-Technologien das
Hauptereignis.
In Europa hatte die IKT-Branche ein Wachstum von 1,5%, verlor
jedoch weltweit an Marktanteil. Dieser Trend wird sich 2013
fortsetzen. Die Wachstumstreiber sind vor allem Smartphones und
Tablet-Computer. In Nordamerika hingegen beträgt die Wachstumsrate
4%, und liegt damit doppelt so hoch wie in Europa. 23% aller "Connect
Devices" (internetfähige Geräte) stammen aus dieser Region und 9 der
15 größten IKT Firmen der Welt sind US-Unternehmen. Die
Schwellenländer sind in der Produktion führend vertreten.
Chemie: Gerüstet für schwierige Zeiten
Mit einem geschätzten Umsatz von 3.000 Mrd. US-Dollar (ohne
Pharmaprodukte) verzeichnete die weltweite Chemieindustrie gemischte
Ergebnisse. Die Chemieproduktion litt unter der rückläufigen Dynamik
der Industrie in Asien, der Wirtschaftskrise im südlichen Europa und
den Marktentwicklungen in den USA. Die Nachfrage des expandierenden
globalen Agrarsektors sorgte hingegen für steigenden Absatz.
In Europa ist die Chemieindustrie auch von den Schwierigkeiten der
zwei wichtigsten Abnehmerbranchen (Bau und Automobil) betroffen.
Anders sieht es in den USA aus. Hier profitiert man von wachsender
Nachfrage seitens der Automobilbranche und von den indirekten
Effekten der "Schiefergas-Revolution". Durch eine neue Fördertechnik
ist Ethan heute nirgendwo so billig wie in den USA. Asien ist von
diesen Erfolgen weit entfernt, profitiert aber von der anhaltenden
Expansion ihrer Abnehmerbranchen.
Bauwirtschaft: Konjunkturabhängigkeit verursacht
Kettenreaktion
Die Entwicklung der Bauwirtschaft ist abhängig von der
gesamtwirtschaftlichen Konjunktur und demographischen Veränderungen.
Die Probleme des internationalen Handels haben die Bauwirtschaft in
einer Art Kettenreaktion stark belastet. In Summe konnte jedoch 2012
der weltweite Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 2,5% auf rund 9.100
Mrd. US-Dollar gesteigert werden. Die zukünftige Entwicklung wird
länderspezifisch unterschiedlich sein und davon abhängen, wie stark
die Impulse einer Krisenerholung sind.
Die Bauwirtschaft in Europa steckt nach wie vor in
Schwierigkeiten. Das Pulver der Konjunkturprogramme ist verschossen
und das Geschäftsvolumen mangels Investoren rückläufig. Besonders
Spanien hat es hart getroffen. Es gibt derzeit einen Bestand von
650.000 unverkauften Eigenheimen, obwohl die Preise um 30% gesunken
sind. In den USA hingegen, sind erste Anzeichen der Besserung zu
bemerken. Die Zahl der unverkauften Eigenheime hat das langfristige
Durchschnittsniveau erreicht und die Preise haben sich stabilisiert.
Diese Trendwende hat bereits zu einem Anstieg der Rohmaterialpreise,
insbesondere von Holz (+47% in 2012) geführt.
Luftverkehr: Gegenläufige Trends
Nach Angaben der IATA, der International Air Transport
Association, erzielte die weltweite Luftfahrt 2012 ein Umsatzplus von
6% (632 Mrd. US-Dollar). Die Gewinne der Branche hielten sich
aufgrund der hohen Treibstoffpreise, die nur wenig unter dem
Rekordniveau lagen, in Grenzen (6,7 Mrd. US-Dollar). Generell ist die
Entwicklung der Luftfahrt weiterhin stark von regionalen Faktoren
bestimmt.
In Europa wurden aufgrund der roten Zahlen 2012 signifikante
Initiativen zur Kosteneinsparung und Produktivitätssteigerung
umgesetzt, z.B. strategische Neuausrichtungen und eine verstärkte
Kooperation mit Fluglinien aus den Golfstaaten. Trotzdem stehen
mittelgroße Fluglinien noch immer vor der Entscheidung: Auflösung des
Unternehmens oder Übernahme durch einen Mitbewerber. In den USA wird
hingegen eine stabile Performance für 2013 erwartet und die
asiatischen etablierten Fluglinien erwarten sich eine Verbesserung
der Ergebnisse und weitere Fortschritte bei der Neuausrichtung der
Geschäftsmodelle (Ausbau von Billigangeboten, Zusammenarbeit mit
Golf-Linien).
PRISMA Kreditversicherungs-AG wurde 1989 gegründet. 2012 erzielte
PRISMA 69 Mio. Euro Umsatz und ist Marktführer in Österreich. PRISMA
ist zu 100% Tochter der OeKB EH Beteiligungs- und Management AG. Die
Oesterreichische Kontrollbank AG hält 51% der Managementholding, 49%
hält die Euler Hermes Deutschland AG, Hamburg. Die Euler Hermes
Gruppe, mit Sitz in Paris, ist Weltmarktführer in der
Kreditversicherung und gehört zum Allianz-Konzern.
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