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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Nicht Erwartungen erfüllen, sondern Hoffnung geben" (von Claus Albertani)
Ausgabe vom 30.03.2013
Utl.: Ausgabe vom 30.03.2013 =
Graz (OTS) - Guten Appetit wünschte der neue Papst Franziskus
seiner "Gemeinde" am Ende der ersten Rede kurz nach seiner Wahl.
Spontan brach Jubel aus, nachdem zuerst abwartender Applaus den neuen
Pontifex begrüßt hatte. Was gibt es zu jubeln, wenn einem jemand
guten Appetit wünscht? Natürlich nichts. Es war also nicht der
Inhalt, der die Menschen freudig erregte. Es war sein Zugang - einen
Papst, der öffentlich guten Appetit wünscht, das hat es bisher noch
nie gegeben.
So hat Franziskus weitergemacht. Es waren nicht die großen
theologischen Erklärungen, die die Menschen seither bewegten. Es
waren die kleinen Gesten, es waren die ersten Taten: wie er im Bus
und nicht in der Limousine vom Konklave zurück in seine bisherige
Unterkunft fuhr, wie er am nächsten Tag ganz einfach selbst im Hotel
auftauchte und seine Rechnung bezahlte usw.
Wichtig war ihm die Botschaft, dass er jetzt zwar Papst und somit
geistiges Oberhaupt von 1,3 Milliarden Christen ist, aber immer noch
der Mensch, der er auch bisher war. Der auch als Kardinal mit der
U-Bahn zu seinen Schäfchen fuhr und der täglich seine Zeitung beim
Zeitungskiosk holte.
Der Vergleich, dass auch Jesus Christus, der Sohn Gottes, ganz normal
unter den Menschen lebte und auch als solcher starb, liegt nahe.
Tausendfach wurden Menschen rund um den Globus in den letzten Wochen
gefragt, was sie denn vom neuen Papst erwarten, erhoffen. Gefragt
wurden Alte und Junge, Frauen und Männer, Gläubige, Andersgläubige
und Nichtgläubige, Kardinäle, Priester und Laien. Und sie alle
formulierten Ideen, Wünsche, Hoffnungen. Aber genau diese wird der
neue Papst oft nicht erfüllen, da wäre er hoffnungslos überfordert.
In seiner Überzeugung ist Papst Franziskus nicht dazu da, diverse
Erwartungen zu erfüllen. Er sieht seine Aufgabe darin, den Menschen
Hoffnung zu geben. Hoffnung für jene, die in schwierigen Situationen
sind, ja oft in aussichtslosen Situationen sind.
Das werden weiter beeindruckende Gesten sein, wie etwa die rituelle
Fußwaschung an jungen Gefängnisinsassen, darunter erstmals auch
Frauen. Aber es werden wohl auch Taten folgen, er wird seine Aussagen
von der armen Kirche präzisieren und umsetzen müssen.
An ihren Taten sollt ihr sie erkennen", heißt es im Evangelium nach
Johannes. Adressaten waren da die frühen Christen, die oft nur im
Geheimen beten konnten. Christen leben anders und zeigen das auch,
lautet die Botschaft. Das gilt ganz besonders für diesen neuen Papst.
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