- 24.03.2013, 08:00:34
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"trend": Androsch-Skepsis gegenüber Direktdemokratie
Ex-Finanzminister Hannes Androsch fordert mehr Proteste wie gegen Zwentendorf und Hainburg und kritisiert den Wohlfahrtsstaat.
Utl.: Ex-Finanzminister Hannes Androsch fordert mehr Proteste wie
gegen Zwentendorf und Hainburg und kritisiert den
Wohlfahrtsstaat. =
Wien (OTS) - Hannes Androsch, Initiator des Bildungsvolksbegehrens
und bei der Wehrpflicht-Volksbefragung im Jänner Proponent der
Berufsheer-Befürworter, sieht die Direktdemokratie nach den
bisherigen Erfahrungen kritisch: "Ich bin direktdemokratischen
Instrumenten gegenüber immer skeptisch gewesen", sagt der
Industrielle in einem Interview mit dem "trend" in der am Montag
erscheinenden Ausgabe des Wirtschaftsmagazins: "Sie bergen die Gefahr
in sich, dass sie opportunistisch-populistisch-rattenfängerisch
missbraucht werden. Für Direktdemokratie braucht es mehr als Proteste
wie Zwentendorf, Hainburg, Occupy Wall Street oder Stuttgart 21 - es
braucht auch konstruktive Lösungsaktivitäten."
Androsch, der am 18. April seinen 75. Geburtstag feiert, äußert sich
auch kritisch über die in der Wiener Volksbefragung formulierte Frage
zum Schutz der Daseinsvorsorge vor Privatisierung: "Da wurde
versucht, ein Problem zu lösen, das es gar nicht gibt, um von
Problemen, die man nicht lösen kann bzw. will, abzulenken."
Der frühere Finanzminister geht zudem hart mit den Auswirkungen des
Wohlfahrtsstaates ins Gericht: "Nicht nur in unserem Land ist eine
gewisse Bequemlichkeit, Wehleidigkeit und ein Anspruchsdenken mit
Vollkasko-Mentalität entstanden, kombiniert mit einem
unbefriedigenden Leistungsverständnis. Von der Wiege bis zur Bahre
wird für alles vorgesorgt, noch dazu zum Nulltarif." Der Sozialstaat
disponiere über 30 Prozent der Wirtschaftsleistung, dennoch gebe es
Armut. "Zusammengenommen ist das die wirkliche Ausgangslage für viele
unserer gegenwärtigen Probleme", so Androsch im "trend".
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