• 11.03.2013, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Beim Eurofighter liegt vieles noch im Dunklen - von Günter Fritz

Die bisherige Bilanz des Eurofighters ist ein totaler Flop

Utl.: Die bisherige Bilanz des Eurofighters ist ein totaler Flop =

Wien (OTS) - Jetzt haben wir es also schwarz auf weiß und von
unabhängiger Stelle geprüft, was viele Mitbürger schon längst
vermutet haben: Der Eurofighter ist nicht nur extrem teuer, er
erfüllt auch die hochgesteckten Erwartungen der Landesverteidiger
kaum. Der Rechnungshof kritisiert in seinem jüngsten Bericht sowohl
den von Ex-Verteidigungsminister Norbert Darabos geschlossenen
Vergleich mit der Eurofighter GmbH als auch die mangelnde
Einsatztauglichkeit des Abfangjägers. Inklusive Betriebsaufwendungen
betragen die Kosten für die Jets im Zeitraum 2005 bis 2015 rund 2,57
Milliarden Euro. Dabei hatte Darabos drei der ursprünglich 18
georderten Eurofighter abbestellt und den Kaufpreis von 1,959 auf
1,709 Milliarden Euro verringert. Weitere 120 Millionen sollten bei
den Betriebskosten gespart werden - in Summe somit 370 Millionen
Euro. Was der Rechnungshof allerdings nicht nachvollziehen kann.

Fragwürdig erscheint auch, dass durch Ersatzteilmangel in Kombination
mit normalen Wartungsarbeiten zeitweise zwei Drittel der Maschinen am
Boden bleiben müssen. Dass da die Piloten die angepeilten 110
Flugstunden pro Jahr nicht absolvieren können, erscheint nur logisch.
Im Schnitt waren es 2011 nur 70 Stunden, womit das Gros der Piloten
nur über eine "stark eingeschränkte Einsatzbefähigung" verfügt. Man
kann also getrost behaupten, dass die bisherige Bilanz des
Eurofighters ein totaler Flop ist.

Soweit, so schlecht: Viel schlimmer ist freilich, dass rund um den
Beschaffungsprozess und die politischen Begleitumstände, unter denen
er zustandegekommen ist, noch vieles im Dunklen liegt. Angefangen bei
den umstrittenen Gegengeschäften für österreichische Unternehmen in
Höhe von 3,5 Milliarden Euro bis hin zur Verstrickung von Politikern
verschiedener Parteien. In mehreren europäischen Ländern wurden im
Herbst die strafrechtlichen Ermittlungen stark ausgeweitet, um die
bislang nicht bewiesenen Korruptionsgerüchte intensiver unter die
Lupe zu nehmen. Auch wenn bereits im
Eurofighter-Untersuchungsausschuss 2007 die Hinweise darauf verstärkt
wurden, ist juristisch hierzulande nichts herausgekommen. Bis zu 180
Millionen Euro an dubiosen Zahlungen sollen, vermuten die Ermittler,
über ein europaweites Firmennetz bewegt worden sein. Davon könnten
100 Millionen Euro als Schmiergeld in Österreich gelandet sein. Ob
das stimmt und wenn ja, wo die Millionen gelandet sind, das ist nach
wie vor ungeklärt - möglicherweise aus gutem Grund. Denn träfe das
zu, wäre das der größte Korruptionsfall in Österreich, in den
wahrscheinlich fast alle Parteien verwickelt wären.

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