- 11.03.2013, 10:16:36
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Wachstum ist nahe, Jammern ist abgesagt
Wer ein Unternehmen führt, muss die Mitarbeiter mitnehmen
Utl.: Wer ein Unternehmen führt, muss die Mitarbeiter mitnehmen =
Wien (OTS) - Es ist schon ein Jammer, wie sehr wir uns im Jahr fünf
nach Ausbruch der Wirtschafts- und Finanzkrise an Plattitüden
festklammern, um kein Fünkchen Licht auf die konjunkturelle
Entwicklung des Landes zulassen zu wollen. Dabei ist die gute
Nachricht doch gerade vor unser aller Haustür: Während nicht nur
Staaten im Süden Europas - Irland wird gerne und zu Unrecht immer als
besonders mustergültig behandelt, man sehe sich bloß die
Wirtschaftsgeschichte an - schwer mit der Krise kämpfen, stehen
Deutschland und Österreich doch recht satt da. Die Zuwachsraten sind
zwar mäßig, aber auch nicht schlecht. Und wenn Wirtschaftsminister
Reinhold Mitterlehner im Interview mit dem WirtschaftsBlatt sogar an
zwei Prozent Wachstum im nächsten Jahr glaubt, dann dreht sich die
Welt doch recht ordentlich. Wachstum ist nahe und Sudern nicht mehr
angebracht.
Die weniger gute Nachricht, die mit der guten indirekt zusammenhängt:
Die Unternehmen stehen bei Investitionen auf der Handbremse - ein
Indiz für mangelndes Vertrauen in die Zukunft. Am Geldmangel sollte
es nicht liegen, von Kreditklemme scheint es derzeit keine Spur zu
geben. Gleichwohl muss den Unternehmen klar sein: Die Talsohle ist
durchschritten, packen wir's an - mit Vertrauen in unsere Kräfte und
Schwung für Innovationen.
Schauen wir uns doch ein Stück davon von den Schweizern ab. Wer hätte
gedacht, dass sich die Bevölkerung mit solch großer Mehrheit (67,9
Prozent) für eine Beschränkung der Managergehälter ausspricht? Das
Leben ist zum Glück immer wieder für Überraschungen gut. Eine solche
ist auch die dezidierte Stellungnahme des Ministers zum Thema: Oben
wie unten müsse angesetzt werden, also unten ein Mindestgehalt
eingezogen und oben zu viel Gier abgedreht werden. Und trotzdem
empfindet Mitterlehner das nicht als Widerspruch zu seiner
Einstellung gegenüber dem Markt. Aber wer den anderen ins Boot nimmt,
kann auf Verständnis hoffen. Jetzt mögen neoliberale Zungen
argwöhnen: typische Wischiwaschi-Sache. Mitnichten. Denn eines ist
fix: Wer ein Unternehmen führt, darf gerade in schwierigen Zeiten
nicht darauf vergessen, die Mitarbeiter mitzunehmen. So ähnlich
verhält es sich für Politiker gegenüber ihren Wählern. Bruno Kreisky
war nicht der Einzige, der das verstanden hat. Den Menschen ist
Wahrheit zumutbar, sagt Ingeborg Bachmann. Es ist so. Die Wahrheit
muss aber für alle gleich sein: Und niemand soll das Gefühl haben, er
allein muss den Karren ziehen und die Ärmel hochkrempeln - gilt
wieder für Politik wie Wirtschaft.
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