• 08.03.2013, 10:03:31
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"NOMADIC FURNITURE 3.0. Neues befreites Wohnen"

MAK-Ausstellung untersucht die Kultur des Selbermachens mit Fokus auf den Bereich des Möbeldesigns

Jerszy Seymour, "Amateur Workshop", 2010 Centre
Georges Pompidou, Paris

Utl.: MAK-Ausstellung untersucht die Kultur des Selbermachens mit
Fokus auf den Bereich des Möbeldesigns =

Wien (OTS) - Die Kultur des Selbermachens ist nahezu allgegenwärtig:
Ob Mode, Möbel, Kulinarik oder Kommunikation - es gibt kaum einen
Bereich des täglichen Lebens und der materiellen Kultur, der von der
"Do-it-yourself" (DIY)-Revolution nicht erfasst worden wäre. Mit
Fokus auf den Bereich des Möbeldesigns untersucht die Ausstellung
"NOMADIC FURNITURE 3.0. Neues befreites Wohnen", die am 11. Juni 2013
eröffnet, diese zwischen Subkultur und Mainstream zu verortende
Bewegung erstmals auch im historischen Kontext: Bereits in der ersten
Hälfte des 20. Jahrhunderts galt der Möbelselbstbau als Lösungsansatz
für eine sozial engagierte, seit Ende der 1960er Jahre auch
ökologisch nachhaltige Gestaltung.

Die heute sogenannte Prosumer-Kultur, also die kollaborative
Verschränkung von Produzent und Konsument, bedeutet nicht nur
grundlegende Veränderungen im kreativen Prozess. Die
semiprofessionelle Involvierung des Endverbrauchers in das Gestalten
und Produzieren impliziert weitreichende gesellschaftliche
Problemfelder, wie die Kritik am Massenkonsum und an der drohenden
Ressourcenknappheit, die Befreiung von Konsumzwang und
Gestaltungsnormen und nicht zuletzt die Demokratisierung und
Dezentralisierung der automatisierten Massenproduktion vor dem
Hintergrund eines Strebens nach Nachhaltigkeit.

"NOMADIC FURNITURE 3.0" bietet einen umfassenden Überblick über
die zeitgenössische DIY-Möbelkultur und macht mit zahlreichen
historischen Bezügen und Beispielen die Entwicklungsgeschichte der
DIY-Bewegung von ersten Ansätzen zu Beginn des 20. Jahrhunderts bis
zur Web-2.0-Kultur deutlich.

Bis heute bieten die für die Ausstellung titelgebenden Handbücher
"Nomadic Furniture" 1 und 2, verfasst 1973/1974 von dem
österreich-amerikanischen Designer Victor Papanek (1923-1998) und
James Hennessey (*1945), einem jungen und kreativen Publikum konkrete
Anleitungen für den Bau einfacher und billiger Möbel und stellen
wertvolle Referenzen für die zeitgenössische DIY-Bewegung dar.
Prototypische Klassiker der DIY-Möbelkultur, die sich erstmals in der
Zwischen- und Nachkriegszeit herausbildeten, wie der berühmte, von
Gerrit Rietveld entworfene "Crate Chair" (1934), gelten noch heute
als wesentliche Inspirationsquellen.

Eine der ersten einschlägigen Schriften im deutschen Sprachraum
war die Reihe "Wie baue ich mir selbst ...?" (Verlag Beyer, Leipzig),
die ab 1911 Anleitungen zum Selberbauen diverser Objekte, ab 1930
auch für Möbel bot, bis in den 1950er Jahren ein medialer Hype des
Selbermachens einsetzte. Europaweit wurde nach Anleitung gehäkelt,
gestrickt, gekocht und gebaut; wie man Möbel selber macht, erfuhr man
damals am besten in den englischen Heimwerker-Zeitschriften "Popular
Handicrafts and Craftworker Magazine" (Broadstairs, ab 1951)
"Handyman" (London, ab 1954) oder dem seit 1957 publizierten Magazin
"Do-it-Yourself" (London).

Gesellschaftskritische und antikapitalistische Werthaltungen
spielten beim Gedanken der autonomen Produktion durch die Verbraucher
spätestens mit dem Aufkommen der Punk- und Hippiebewegung eine
zentrale Rolle. Unter anderem legte der vom amerikanischen Autor
Stewart Brand ab 1968 herausgegebene "Whole Earth Catalog", der Waren
samt Preis auflistete, mit alternativen Denkansätzen zur Gegenkultur
und Umweltbewegung ein philosophisches und praxisorientiertes
Fundament, auf dem Victor Papanek und James Hennessey oder auch Enzo
Maris "Autoprogettazione"-Projekt - ein weiteres wichtiges
DIY-Möbel-Projekt aus den 1970er Jahren - aufbauten.

Neue Kommunikations- und Beteiligungsmöglichkeiten von Internet
und Web 2.0 lösten im vergangenen Jahrzehnt einen neuen Hype der
DIY-Kultur aus. DIY-Portale, -Communities und -Blogs boomen;
DesignerInnen, ProgrammiererInnen, MaschinenbauerInnen und UserInnen
entwickeln neue internettaugliche Entwurfs- und
Produktionsmöglichkeiten für die Gestaltung von Möbeln und
Einrichtungsgegenständen.

Leitgedanken der aktuellen DIY-Bewegung sind eine intensive
Beschäftigung mit historischen Vorbildern und Prototypen sowie die
Suche nach kostengünstigen und formschönen Möbeln, wie zahlreiche
internationale Beispiele in der Ausstellung belegen. So orientiert
sich etwa der in Berlin ansässige Architekt Van Bo Le-Mentzel in
seinem "Hartz IV Möbel"-Projekt an Möbelklassikern insbesondere von
Gerrit Rietveld. Arbeiten wie die des Schweizer Duos Kueng Caputo
oder des in London ansässigen Designers Martino Gamper bezeugen die
Aktualität von Projekten der 1970er Jahre wie Maris
"Autoprogettazione".

Neben zahlreichen Entwürfen, die mit einfachen Werkzeugen aus Holz
hergestellt werden können - etwa der "MAK-Table" der italienischen
Gruppe Recession Design -, machen Objekte aus seriellen
Halbfertigteilen aus dem Baumarkt einen gewichtigen Teil der jungen
flexiblen Wohnkultur aus. Das Spektrum reicht von betont funktionalen
Möbeln bis zu den feinteiligen Leuchtobjekten, wie sie die New Yorker
Designerin Lindsey Adelman fabriziert. Auch DesignerInnen wie Jerszy
Seymour oder Matali Crasset beschäftigen sich immer wieder mit den
vielfältigen Möglichkeiten, Möbel zum
Selberbauen zu entwickeln.

Neueste Entwicklungen, wie die in Großstädten entstehenden Fab
Labs, also offen zugängliche Werkstätten mit High-Tech-Geräten, heben
die handwerkliche Selbstverwirklichung auf eine neue professionelle
und wirtschaftliche Ebene. Das jüngste Projekt der holländischen
Droog-Designer "Design for Download" ist auf professionelle
Schnittstellen ausgerichtet: Droog stellt Entwürfe ins Netz und
vergibt dafür Produktionslizenzen.

Die raumspezifische Ausstellungsgestaltung von raumlaborberlin
entwickelt sich aus Selbstbaustrukturen und berücksichtigt Freiraum
für prozessuale Bestandteile, wie etwa eine Werkstatt. Das
Designerduo chmara.rosinke (Maciej Chmara und Ania Rosinke),
MAK-Designer-in-Residence 2013, ergänzt das Ausstellungsteam und
erarbeitet Kommentare zu historischen und zeitgenössischen Entwürfen.

Presseunterlagen und Pressebilder stehen unter MAK.at/presse zum
Download bereit.

Pressedaten:
Pressekonferenz: Dienstag, 11. Juni 2013, 10:30 Uhr
Eröffnung: Dienstag, 11. Juni 2013, 19:00 Uhr
Ausstellungsort: MAK-Ausstellungshalle, Weiskirchnerstraße 3, Wien 1
Ausstellungsdauer: 12. Juni - 6. Oktober 2013
Öffnungszeiten: Di 10:00-22:00 Uhr, Mi-So 10:00-18:00 Uhr
Jeden Dienstag 18:00-22:00 Uhr Eintritt frei
Gastkuratorin: Martina Fineder
Kuratoren: Thomas Geisler, Kustode MAK-Sammlung Design
Sebastian Hackenschmidt, Kustode MAK-Sammlung Möbel und Holzarbeiten
Ausstellungsgestaltung: raumlaborberlin
Designer-in-Residence: chmara.rosinke (Maciej Chmara und Ania
Rosinke)
Rahmenprogramm: In Vorbereitung
MAK-Eintritt: Euro 7,90 / ermäßigt Euro 5,50 / Familienkarte Euro 11
/ Eintritt frei für Kinder und Jugendliche bis 19

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service
sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | MAK

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