• 13.02.2013, 13:28:36
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  • OTS0153 OTW0153

Ärztekammer warnt vor Abkehr von Substitutionsbehandlung

Unzulässige Einmischung in die medizinischen Behandlungsstandards - 17.000 Menschen österreichweit betroffen

Utl.: Unzulässige Einmischung in die medizinischen
Behandlungsstandards - 17.000 Menschen österreichweit
betroffen =

Wien (OTS) - "Die Forderung von Bundesministerin Johanna Mikl-Leitner
nach einer Abkehr von der Substitutionsbehandlung ist aus ärztlicher
Sicht entschieden abzulehnen. Sie ist fachlich unbegründet und stellt
eine unzulässige Einmischung in medizinische Behandlungsstandards
dar", betont der Referent für Substitution und Drogentherapie der
Ärztekammer für Wien, Hans Haltmayer, zum in einem Strategiepapier
des Ministeriums angeregten Ende der Therapie mit
Drogenersatzmitteln. ****

Aktuelle WHO-Empfehlungen benennen die Substitutionsbehandlung als
die effektivste Behandlungsform bei Opiatabhängigkeit. "Verglichen
mit der Entzugsbehandlung oder gar keiner Behandlung reduziert die
Methadonbehandlung signifikant den Konsum von Opiaten und anderen
Drogen, die kriminelle Aktivität, die HIV-Ansteckungsrate, die
Überdosierungsrate sowie die Gesamtsterblichkeit", heißt es unter
anderem in dieser Empfehlung. "Eine Abkehr von der
Substitutionsbehandlung würde diese positive Entwicklung umkehren",
warnt Haltmayer.

Die Folgen wären mehr HIV- und Hepatitis-Infektionen, mehr
Beschaffungskriminalität, mehr Drogentote und weniger gut integrierte
und unauffällige Suchtkranke. "Alleine in Wien wären davon mehrere
Tausend Patientinnen und Patienten betroffen, österreichweit sind es
fast 17.000!" Und auch die Kosten für die Allgemeinheit würden sich
massiv erhöhen, "belastet doch ein inhaftierter Drogenkranker
gegenüber einem substituierten Patient das Budget um das 20-fache
mehr (fünf Euro gegenüber 100 Euro am Tag, Anm.)".

Die medizinische Behandlung opiatabhängiger Menschen in einem
Substitutionsprogramm - wie sie auch in Österreich durchgeführt wird
- entspreche darüber hinaus den internationalen Standards. Haltmayer:
"Die Substitutionsbehandlung ist eine seit vielen Jahren erprobte,
wissenschaftlich sehr gut belegte Behandlungsform und gilt als
Therapie der ersten Wahl bei Opiatabhängigkeit."

Dauerhafte Heilung nicht möglich

Haltmayer verweist auch darauf, dass Sucht "eine schwere, zumeist
chronisch verlaufende Erkrankung ist, verbunden mit einer hohen
Sterblichkeitsrate". Wie bei anderen chronischen Erkrankungen, zum
Beispiel Diabetes oder Bluthochdruck, sei bei Suchterkrankungen eine
dauerhafte Heilung in den meisten Fällen nicht möglich. "Die
Behandlung von Sucht sollte daher langfristig und dem Verlauf der
Erkrankung angepasst erfolgen, bis hin zu einer lebenslangen
Therapie", ist Haltmayer überzeugt.

Dabei könnten nachweislich das Risiko körperlicher, psychischer
und sozialer Folgeschäden reduziert, die soziale Integration
gefördert und die hohe Sterblichkeit gesenkt werden. So sei das
Risiko von Opiatabhängigen, an den Folgen ihrer Suchterkrankung zu
sterben, in einem Substitutionsprogramm um bis zu zwei Drittel
niedriger als bei unbehandelten Patienten.

"Aus diesen Gründen ist daher die Abkehr von der
Substitutionsbehandlung aus ärztlicher Sicht entschieden abzulehnen",
so Haltmayer abschließend. (kmc)

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