- 12.02.2013, 19:05:21
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DER STANDARD-Kommentar: "Peking muss den Hebel ansetzen" von Christoph Prantner
"Nordkoreas Politik ist erster harter Test für sinoamerikanische Beziehungen"; Ausgabe vom 13.02.2013
Utl.: "Nordkoreas Politik ist erster harter Test für
sinoamerikanische Beziehungen"; Ausgabe vom 13.02.2013 =
Wien (OTS) - Die Aktionen des Kim-Regimes in Nordkorea seien völlig
unvorhersehbar, ja manchmal sogar ausgesprochen verrückt - das ist
der Tenor, der durch viele Einschätzungen klingt, wenn Pjöngjang
politisch wieder einmal auf die große Pauke haut. Wer ein wenig an
dieser quasi orthodoxen Interpretation kratzt, der wird feststellen,
dass es durchaus so etwas wie ein nachvollziehbares, beinahe
zwingendes Muster im Konflikt der Nordkoreaner mit der
internationalen Gemeinschaft gibt: Seit 2006 wechselten sich
Raketentests und Nuklearexplosionen dreimal relativ kurz aufeinander
getaktet ab. Das war 2009 so und auch diesmal zum Jahreswechsel
2012/13 - Unvorhersehbarkeit, die sieht anders aus.
In diesem Muster gibt es auch einen Fortschritt zu beobachten: Die
Explosionen werden zum einen immer heftiger. Das ist ein schlechtes
Zeichen, auch wenn bei der jüngsten der Nachweis noch ausstand, ob es
sich um eine durch Plutonium oder bereits durch hochangereichertes
Uran verursachte Detonation gehandelt hat. Die Raketen, zum anderen,
werden immer effizienter. Zuletzt schossen die Nordkoreaner eine
dreistufige ballistische Rakete beinahe vorbildhaft in den Orbit.
Unklar war zuletzt nur noch, ob es sich bei der Bombe tatsächlich um
einen kleinen, auf eine Rakete ladbaren Sprengkopf gehandelt hat oder
nicht.
Damit setzt Pjöngjang seine Politik der Erpressung durch seine
"Militär zuerst"-Strategie auch unter neuer Führung ganz klar fort.
Können Kim Jong-un und seine Berater damit auch keine hegemoniale
Macht in der Region erreichen, wie es etwa der Iran im Nahen Osten
mit seinem Atomprogramm anstreben könnte, so macht sich der
kommunistische Staat damit doch zu einem nicht übergehbaren Faktor in
Fernost.
Was immer aber in den maßgeblichen Köpfen in Nordkorea vorgeht:
Drängender als die Frage nach deren Motiven ist nach dem neuen
Atomtest die Frage, wie die internationale Gemeinschaft denn nun mit
den Bombern von Pjöngjang umgehen soll. Denn die Gespräche im
Sechserformat, die Politik von Zuckerbrot und Peitsche und auch eine
zunehmende Einigkeit der Verhandler haben bisher nicht nur nichts
bewirkt, sie haben Nordkoreas Ambitionen im Gegenteil noch
angestachelt. So sehr, dass sich nun auch die bisherige Schutzmacht
China ausgesprochen deutlich von den Genossen über dem 38.
Breitengrad absetzt.
Wollen die Gegner Nordkoreas etwas erreichen, müssen sie ihren Hebel
nun auch in Peking ansetzen. Denn wenn die Chinesen ihre Geduld
verlieren und sich zu einer Strafaktion gegen den allzu übermütig
gewordenen Diktatoren-Lehrling in Pjöngjang aufschwingen, kann es
wirklich unangenehm werden für die nordkoreanische Führung. Ob diese
sich etwa von erschwerten Handelsbedingungen oder dem Unterbinden des
kleinen Grenzverkehrs tatsächlich einschüchtern lassen wird, muss man
erst sehen. Aber einen Versuch ist es allemal wert, weil andere
Optionen kaum noch zur Verfügung stehen.
Dieser Fall wird übrigens auch zu einem ersten Test dafür werden, wie
tragfähig die amerikanisch-chinesischen Beziehungen tatsächlich sind.
Denn ein größeres gemeinsames Inter_esse als Ruhe auf der
koreanischen Halbinsel haben Präsident Barack Obama, zu dessen "State
of the Union"-Rede die Detonation pünktlich arrangiert war, und der
kommende chinesische Staatschef Xi Jinping kaum.
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