- 11.02.2013, 16:26:48
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Stellungnahme Erzbischof Christoph Kardinal Schönborns am 11. Februar 2013 zum Rücktritt von Papst Benedikt XVI.
Wien (OTS) - 11.02.13 (PEW) Der Rücktritt Papst Benedikt XVI. ist ein
welthistorisches Ereignis. Es ist ein Augenblick, an dem die ganze,
über eine Milliarde Menschen zählende katholische Welt, den Atem
anhält und zugleich im dankbaren Gebet mit dem 265. Nachfolger Petri
verbunden ist. Und nicht nur wir Katholiken, auch viele andere
Christen und Nichtchristen. Ich danke etwa dem Vorsitzenden des
Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich, dem
rumänisch-orthodoxen Bischofsvikar Nicolae Dura, der in einer ersten
Stellungnahme die "zutiefst christliche Haltung" des Papstes
gewürdigt hat. Es ist ein Moment, in dem die Kirche ihren Blick
sowohl in die Vergangenheit wie auch in die Zukunft richtet und sich
dabei in der Güte dessen geborgen weiß, der nach dem christlichen
Glauben die Kirche leitet - Jesus Christus.
Sei über 700 Jahren, seit Cölestin V. im Jahr 1294, ist es zum ersten
Mal wieder der Fall, dass ein Papst zurücktritt. Der Schritt
Benedikts XVI. ist zugleich demütig und groß. Er entspricht der
Persönlichkeit dieses Menschen, der mit seiner Bescheidenheit und
Gewissenhaftigkeit immer wieder beeindruckt hat.
Über dem Pontifikat Benedikts, ja schon über seinem Wirken davor,
könnte als Leitmotiv stehen: Sammlung, Besinnung auf das Wesentliche.
Benedikt XVI. war schon als Theologe immer einer, der das Innerste
des christlichen Glaubens erschließen wollte, der das Wesentliche von
den bloßen Zeitumständen trennen wollte, und der in dieser
Konzentration auf den Kern des Evangeliums völlig vorbehaltlos und
ohne Scheu auf andere Konfessionen, Religionen und auch der modernen,
säkularen Gesellschaft zugehen konnte. Er ist ein Brückenbauer im
Bewusstsein, dass man weite Bögen nur auf festen Pfeilern bauen kann.
Heute ist genau diese Auseinandersetzung um das Wesentliche in der
katholischen Kirche in vielfältiger Weise präsent. In Europa etwa
sucht die Kirche ein neues Verhältnis zur Gesellschaft. In vielen
Ländern Asiens und Afrikas erlebt sie zugleich einen ungeheuren
Aufbruch. Hier gilt es Weichen zu stellen, und Benedikt hat nun klar
gemacht, dass dies Aufgabe für einen Papst im Vollbesitz seiner
Kräfte sein muss.
Benedikt XVI. ist ein großer Freund Österreichs, wie sich besonders
bei seinem Besuch 2007 gezeigt hat. Das Motto dieser Pilgerreise,
"Auf Christus schauen" ist auch der bleibende Auftrag für die ganze
Kirche. Noch bei einem Gespräch am vergangenen Donnerstag war er -
wie immer - bestens informiert über die Situation in Österreich und
voller Wohlwollen.
Das bleibende Motto seines Pontifikats ist wohl der Titel seiner
ersten Enzyklika "Deus Caritas Est" - "Gott ist die Liebe". Das ist
Auftrag und Zukunft der Kirche.
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