• 29.01.2013, 10:59:13
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Huainigg: Unwürdiges Warten auf den Zahnarzt

ÖVP-Abgeordneter fordert dringende Verbesserung der Zahnbehandlung von Menschen mit Behinderung

Utl.: ÖVP-Abgeordneter fordert dringende Verbesserung der
Zahnbehandlung von Menschen mit Behinderung =

Wien, 29. Jänner 2013 (OTS/ÖVP-PK) - "Es kann nicht sein, dass jemand
wochenlang und unter großen Schmerzen auf einen Zahnarzttermin warten
muss, nur weil scheinbar der Großteil der Zahnärzte nicht bereit ist,
Menschen mit Behinderung zu behandeln", zeigt sich der ÖVP-Sprecher
für Menschen mit Behinderung Abg. Dr. Franz-Joseph Huainigg
angesichts einiger solcher Fälle der jüngeren Vergangenheit empört.
Wie der "Standard" in der heutigen Ausgabe berichtet, herrschen hier
teils unhaltbare Zustände. In Wien gebe es eine einzige Anlaufstelle,
was zu unerträglichen Wartezeiten und Mehrkosten führt, wenn die
Angehörigen und betreuenden Personen wochenlang nach geeigneten
Praxen suchen.

"Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es fast unmöglich ist, in Wien
eine barrierefreie Zahnarztpraxis zu finden. Ich selbst war jahrelang
bei einem Zahnarzt in Behandlung, dessen Praxis im Dachgeschoß
untergebracht ist. Zwar gibt es einen Lift, aber zu diesem führen
Stufen. So brauchte es stets drei Assistentinnen, die mich samt
Beatmungsgerät bis zum Lift trugen. Gepresst wie Sardinen fuhren wir
im Lift nach oben. Doch das war mir eine gute Zahnbehandlung wert,
ich vertraute über Jahre nur ihm", erzählt der ÖVP-Sprecher für
Menschen mit Behinderung.

Huainigg: "Es braucht definitiv mehr barrierefreie Zahnarztpraxen, so
wie es das Bundesbehindertengleichstellungsgesetz ohnehin vorsieht.
Es braucht aber vor allem auch Ärztinnen und Ärzte, die ihre
Berührungsängste und Vorbehalte behinderten Menschen gegenüber
ablegen und nicht jede Minute in Geld aufwiegen, sondern ihren
Patienten die Zeit geben, die sie brauchen, um sich möglichst
vertrauensvoll in deren Hände begeben zu können."

Das größte Manko bestehe in der medizinischen Behandlung behinderter
Menschen, an denen nur mithilfe einer Vollnarkose zahnärztliche
Eingriffe möglich sind, beispielsweise bei Spastikern. Selbst wenn
ein Zahnarzt das Risiko der Narkose auf sich nimmt, wird diese von
den Kassen nicht bezahlt. Menschen mit Down Syndrom brauchen durch
die ausführlicheren, vertrauensbildenden Vorgespräche oft eine
längere Behandlungszeit. Diese Zusatzzeit wird den Zahnärzten ebenso
wenig ersetzt.

"Die von Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely vorgeschlagene Lösung,
am Wiener SMZ Ost eine Spezialambulanz einzurichten, ist nur ein
Tropfen auf den heißen Stein. Um ein entsprechendes Angebot in Wien
zu sichern, müssen private Zahnärzte unterstützt werden, geeignete
Rahmenbedingungen zur Behandlung von Patientinnen und Patienten mit
Behinderung zu schaffen. Die Krankenkassen müssen die zusätzlichen
Kosten der speziellen Behandlung in ihren Tarifen einkalkulieren.
Zudem ist die Adaptierung von Zahnarztpraxen in Richtung umfassender
Barrierefreiheit zu fördern", konstatiert Huainigg. Von
Gesundheitsminister Alois Stöger erwartet er sich in Kooperation mit
der Zahnärztekammer Maßnahmen für eine österreichweite Lösung und
regt eine Evaluierung der Zahnarztversorgung für Menschen mit
Behinderungen an.

Sehr begrüßenswert sind vor diesem Hintergrund neue Initiativen wie
der Verein "VUP Austria - Very Unequal People", die sich um
Bürgerinnen und Bürger kümmern, deren medizinische Versorgung nicht
immer ausreichend gesichert ist. Aber auch dieser Verein muss erst
auf eine tragfähige Basis gestellt werden, um wirksam und nachhaltig
arbeiten zu können, schloss Huainigg. (Schluss)

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