• 20.01.2013, 21:52:14
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"Kleine Zeitung"-Kommentar: "Das Bürgervotum birgt eine Gefahr für das Heer" (Von Hubert Patterer)

Ausgabe vom 21.1.2013

Utl.: Ausgabe vom 21.1.2013 =

Graz (OTS) - Zwei Drittel derer, die an der Volksbefragung
teilnahmen, stimmten für die Wehrpflicht und vielleicht noch inniger
für ihren Ersatz. Das Ergebnis überrascht nicht. Es spiegelt die
Gemütslage vieler Österreicher. Sie neigen zum Bewahren, schätzen
das, was in die Vergangenheit strahlt und scheuen das Neue, vor allem
dann, wenn es mit Unwägbarkeiten behaftet ist.
Diese Ungewissheiten, bezogen auf das Modell eines
Berufssoldatentums, hat die SPÖ schlampig bearbeitet. Das gilt für
die Kostenwahrheit ebenso wie für die Rekrutierung. Die SPÖ vermochte
die Skepsis nicht einmal in den eigenen Reihen zu beseitigen. Die
Partei hat die abrupte Abkehr von der Wehrpflicht inhaltlich und
emotional nie mitvollzogen. Ihre Wähler noch viel weniger.
Es lassen sich seriöse Argumente für eine Professionalisierung des
Heeres anführen, immer noch, aber die lausige Vorbereitung, die
Uneinigkeit sowie die mangelnde Strahlkraft des nunmehr restlos
ramponierten Fahnenträgers Norbert Darabos torpedierten eine breitere
Akzeptanz des Modells. Der Minister soll jetzt eine Reform des Heeres
anführen, das er als unsanierbar brandmarkte. Die Selbstachtung
sollte ihm diesen abermaligen Salto untersagen und den Rücktritt
nahelegen.
Die schmierige Allianz zwischen SPÖ-Spitze und dem Wiener Boulevard,
der einen aberwitzigen Trommelwirbel für ein Berufsheer vollführte,
verfing nicht. Für die "Krone" war es ein finsterer Tag; sie muss in
ihrer Kerndisziplin, der Kampagnisierung, das Erlahmen der
Lendenkraft einbekennen. Die Leser hielten mündig dagegen. Generell
stellten sich die Bürger gestern ein Reifezeugnis aus. Trotz des
begreiflichen Zorns über die parteipolitisch missbrauchte
Volksbefragung verweigerten sie sich nicht. Das staatsbürgerliche
Ethos siegte über den Verdruss.
Das Ja zur Wehrpflicht, das auf dem Exerzierplatz der direkten
Demokratie erschallte, ist laut und eindeutig und verrät doch die
zwiespältige Beziehung zum Heer. Man schätzt es, aber nur den zivilen
Identitätsstrang. Lieber sieht man das Heer mit der Schaufel in der
Hand als mit der Waffe. Die militärische Identität wird seit jeher
miniaturisiert und niederdotiert. Es ging ja auch so. Die Idee eines
Berufsheeres musste mit dieser Grundströmung frontal kollidieren. Das
geschah gestern.
Das Ja zum Heer darf kein Ja zum Heer in diesem Zustand sein. Zu
fürchten ist, dass der Wille zur Reform in den Untiefen der letzten
Regierungsmonate versiegt und alles bleibt, wie es ist. Wer das will,
will nicht, dass das Heer bleibt.****

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