- 09.01.2013, 11:13:58
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Offener Brief des Bündnis "Jetzt Zeichen setzen" an die Hofburg - Betreibergesellschaft
Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen?
Utl.: Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen? =
Wien (OTS) - Sehr geehrte Frau Danler,
Am 1. Dezember 2011 titelten Sie in einer Presseaussendung mit
Rückfragehinweis Mag. Renate Danler: "Wiener Korporationsball 2012
zum letzten Mal in der HOFBURG Vienna" Und: "Aufgrund der aktuellen
politischen und medialen Dimension, welche die Abhaltung des
WKR-Balles in den letzten Jahren angenommen hat, beschließt die
Wiener Hofburg Kongresszentrum BetriebsgmbH für den Korporationsball
nach der Ballsaison 2012 nicht mehr als Veranstaltungsstätte zur
Verfügung zu stehen." (1)
Auch sprach sich mit den Casinos Austria offen ein Mitgesellschafter
ihrer Hofburg-Betreibergesellschaft medial für eine Absage aus, da
"jede Form von Extremismus" entschieden abgelehnt wird und man
"Organisationen, die die nötige Distanz zu einschlägigem Gedankengut
vermissen lassen, keine Bühne geben" wolle. (2)
Am 1. Februar soll nun der WKR-Ball unter neuem Namen wieder in der
Hofburg stattfinden. Die Funktion des "1. Wiener Akademikerballes"
ist aber dieselbe, wie die des WKR-Balles. Sie geben damit auch 2013
wieder Rechtsextremen aus ganz Europa die Möglichkeit sich in einem
der repräsentativsten Prunkräume der Republik zu vernetzen und
besitzen obendrein die Dreistigkeit zu behaupten, dass "ein Ball [█]
ja nichts Politisches" sei, sondern "etwas Gesellschaftliches, wo
Leute Freude empfinden sollten." (3) Wir empfinden das als eine
außerordentliche Frechheit in Anbetracht der Tatsache, dass laut dem
DÖW allein von 2009 bis 2011 Rechtsextreme wie Markus Beisicht,
Patrik Brinkmann, Philip Dewinter, Alexander Dugin, Matthias Faust,
Bruno Gollnisch und Enrique Ravello an mindestens einem Ball
teilgenommen haben. In Frankreich schrieben die Medien nach der
Teilnahme der französischen Rechtspolitikerin Marine Le Pen im
letzten Jahr richtig, dass der Ball "ein widerwärtiger Ball für
Nostalgiker des 3. Reiches" (4) ist.
Dass nun die FPÖ zur Hilfe eilt, um die Veranstaltung abhalten zu
können, war nach Ihrer Absage bereits absehbar. Am 1.12.2011 sicherte
FPÖ Chef Strache in einer Presseaussendung den Ballveranstaltern
bereits seine "volle Unterstützung" (5) zu. Sie sprechen in
unglaublich naiver Weise davon, dass es sich um eine völlig neue
Veranstaltung handelt und betonen sogar noch weiters, dass Sie "zwei
komplett verschiedene Veranstalter" sehen. Dabei wird nicht einmal
der Versuch von Veranstalterseite unternommen die klare personelle
wie inhaltliche Kontinuität zwischen WKR- und Akademikerball zu
verschleiern.
1.) Im Vereinsregisterauszug des Vereins "Wiener
Akademikerball-Ballausschuss - Verein für Wissenschaft, Forschung,
Kultur und Menschenrechte" wird einer der letztjährigen Organisatoren
Udo Guggenbichler als Vorsitzender angeführt.
2.) Von der Homepage des WKR-Balles wird man direkt auf die Seite
www.wiener-akademikerball.at weitergeleitet.
3.) Im Einladungstext, vom WKR ausgesandt, heißt es: "Der
Akademikerball steht in der Tradition der großen coleurstudentischen
Bälle Wiens, und gibt uns Korporierten die Möglichkeit, auch 2013
wieder in den prunkvollen Sälen der Wiener Hofburg zu feiern und zu
tanzen."
Die Anmeldung durch die FPÖ Wien ist ein rein bürokratischer Akt. Das
wird auch ganz offen und unverschämt bekundet: Herwig Götschober
(Anmelder der Seite wiener-akademikerball.at und Schriftführer des
Akademikerballvereines) schreibt in einem Artikel zur Fragestellung
"WKR-Ball? FPÖ-Ball? Akademikerball?" auf dieburschenschaften.at,
dass die FPÖ als Veranstalter "herhält", um "dem WKR einen weiteren
Ball zu ermöglichen". Er hält in aller Offenheit fest, dass sich an
"Organisation, Publikum, Atmosphäre [█] nichts ändern wird".(6)
Der Ball, die handelnden Personen und der inhaltliche Zweck sind also
dieselben wie auch letztes Jahr. Um einen Rest an Glaubwürdigkeit zu
bewahren, liegt es an Ihnen diesen Ball konsequenterweise abzusagen,
statt den Kopf in den Sand zu stecken und sich scheinheiliger
Vorwände zu bedienen. Es wäre ein handfester Skandal, würde dieser
Ball in ihrem Haus stattfinden.
"Das will ich mir gar nicht anschauen. Das finde ich unerhört." (7) -
ist nämlich Ihrerseits unerhört, gerade Sie als Geschäftsführerin der
Hofburg müssen ganz genau hinschauen was für Bälle in Ihren eigenen
vier Wänden abgehalten werden und die Konsequenzen daraus ziehen.
UnterzeichnerInnen des Briefes sind u.a.:
- Grüne Wien
- Sozialistische Jugend
- Israelitische Kultusgemeinde
- Gedenkdienst
- SOS Mitmensch
- VSStÖ Österreich
- Mauthausen Komitee Österreich
- ÖH Bundesvertretung
1.
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20111201_OTS0283/wiener-korpor
ationsball-2012-zum-letzten-mal-in-der-hofburg-vienna
2.
http://derstandard.at/1322531494396/Veto-Casinos-Austria-gegen-WKR-Ba
ll-in-Wiener-Hofburg
3.
http://derstandard.at/1356426476394/WKR-Ball-Ein-Ball-ist-ja-nichts-P
olitisches
4. http://www.liberation.fr/monde/01012386691-valse-brune-a-vienne
5.
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20111201_OTS0308/fpoe-strache-
hofburg-gmbh-gibt-linkem-mobbing-gegen-wkr-ball-nach
6.
http://www.dieburschenschaften.de/aktuelle-berichte/bericht/meldung/7
79/wkr-ball-fp.html
7.
http://derstandard.at/1356426476394/WKR-Ball-Ein-Ball-ist-ja-nichts-P
olitisches
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