- 29.12.2012, 17:33:37
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Die Presse - Leitartikel: "Was 2013 bringt (oder auch nicht)", von Christian Ultsch
Ausgabe vom 30.12.2012
Utl.: Ausgabe vom 30.12.2012 =
Wien (OTS) - Ein Blick in die Kristallkugel hat ergeben: Silvio
Berlusconi schafft kein Wahl-Comeback, Angela Merkel und Benjamin
Netanjahu bleiben im Amt. Und in der Iran-Krise kommt es zum
Showdown.
Besonders abergläubische Zahlenphobiker verspüren mittlerweile
vermutlich den starken Wunsch, das kommende Jahr einfach auszulassen,
so, wie das in manchen Hotelaufzügen beim 13. Stockwerk üblich ist.
Doch leider hat dafür mit Ausnahme von Dr. Emmett L. Brown, den
Filmkindern der 1980er aus "Zurück in die Zukunft" bekannt, noch
niemand eine entsprechende Technik erfunden. Es hilft nichts. Wir
müssen 2013 ins Auge sehen. Ein paar Anhaltspunkte gibt es schon.
Europa stehen zwei Wahlen bevor, die Spuren hinterlassen werden.
Gelingt am 25. Februar Silvio Berlusconi die Rückkehr an die Macht in
Rom, könnte es eng werden unter dem Euro-Rettungsschirm. Noch sieht
es nicht danach aus. Die Partei des Possenreißers liegt klar hinter
Pier Luigi Bersanis Mitte-links-Bündnis. Und im Zentrum erwächst nun
auch in der Allianz, die sich um den Technokratenpremier Mario Monti
schart, eine neue Alternative. In Deutschland deutet alles auf einen
Herbstsieg von Kanzlerin Angela Merkel hin. Peer Steinbrück dürfte
sich bald wieder Vorträgen widmen können. Denn auch unter ihm als
Spitzenkandidaten kommt die SPD nicht vom Fleck. Sorgen muss sich die
Union um ihren Koalitionspartner: Sollten die Liberalen mit Philipp
Rösler in die Wahl ziehen, stellen sie möglicherweise gar keine
Abgeordneten im nächsten Bundestag. Merkel kann dann noch immer eine
Große Koalition bilden.
Bei der Wahl in Israel am 22. Jänner wird die Labour-Partei unter
Shelly Yachimovich wieder ein Lebenszeichen von sich geben. Doch es
wird nicht reichen, um die Koalition von Premier Benjamin Netanjahu
aus dem Amt zu jagen. Mit dem Votum im Rücken wird er noch vehementer
als zuvor darauf drängen, Irans Atomprogramm unschädlich zu machen.
2013 könnte das Jahr der Entscheidung sein. US-Präsident Obama wird
noch einmal einen Verhandlungsanlauf nehmen. Lässt Teheran den Westen
wieder ins Leere laufen, wird sich eine militärische Eskalation nur
schwer abwenden lassen.
Ein Terrainverlust zeichnet sich für die Iraner in Syrien ab. Ihr
dortiger Verbündeter, Bashar al-Assad, wird den Silvesterabend 2013
kaum mehr im Präsidentenpalast verbringen. Doch nach ihm droht
weiteres Chaos und, wie in anderen arabischen Ländern, eine neue
islamistische Ära.
Ein Umbruch zeichnet sich in Venezuela ab, wo der krebskranke Hugo
Chávez möglicherweise nicht mehr in der Lage ist, die Amtsgeschäfte
zu führen. Das hätte auch Auswirkungen auf die Genossen in Kuba.
Jederzeit explodieren könnten die Brandherde in Asien. Nordkorea
bereitet einen Nukleartest vor. Im Atomstaat Pakistan verfestigen
radikal-islamistische Kräfte ihren Einfluss. Nur mühsam unter
Kontrolle gehalten werden zudem die Territorialkonflikte, die China
im Pazifik mit Japan, Südkorea und anderen Ländern vor sich hin
brodeln lässt. Ein Funke reicht, um die prosperierende Region in den
Abgrund zu stürzen.
Wird es 2013 passieren? Nicht unbedingt. Meistens kommt bekanntlich
fast alles anders. Und für Prophezeiungen gilt ohnedies, dass sie in
die Zuständigkeit von Narren oder Kindern fallen. Wahrscheinlich
machen sie deshalb so viel Spaß.
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