Darabos: Profiheer erhöht Berufschancen für Frauen beim Heer - 15 Prozent Frauen im Endausbau

Heinisch-Hosek - Großes Interesse von Frauen an Arbeitgeber Bundesheer - Keine Wehrpflicht für Frauen

Wien (OTS/SK) - "Das Österreichische Bundesheer stellt nach wie vor eine klassische Männerdomäne dar", betonte Verteidigungsminister Norbert Darabos in einer gemeinsamen Pressekonferenz am Montag mit Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek. Mit dem Wegfall der Wehrpflicht und der Umstellung auf ein Profiheer ließe sich das allerdings ändern, wie internationale Beispiele zeigen. Darabos hofft, damit den Frauenanteil von derzeit lediglich zwei Prozent bei den Kadereinheiten auf bis zu 15 Prozent anheben zu können. Das entspricht etwa dem Frauenanteil bei der Polizei. ****

Die Tatsache, dass so wenige Frauen Soldatinnen sind hängt für den Verteidigungsminister viel mit den Rollenbildern zusammen, die diesem Beruf anhaften. Diese seien "klischeehaft vernebelt", sagte Darabos.

Der ganz wesentliche Grund, warum sich so wenige Frauen in den Kadern des Österreichischen Bundesheeres finden (im Vergleich dazu: in der Verwaltung des Bundesheeres gibt es einen Frauenanteil von 30 Prozent), ist die allgemeine Wehrpflicht. Das Bundesheer ist auf die jährliche Einrückung von 23.000 jungen Männern konzipiert. "Ein System, das es schwer möglich macht, für Frauen attraktiv zu sein", betonte Darabos. "Denn Frauen kommen hier schlicht und einfach gar nicht vor." Auch das Bemühen, nach neuen Potenzialen und weiblichen Arbeitskräften für den Kader zu suchen, ist gering, wenn einem Arbeitgeber ohnehin jährlich 23.000 Menschen zugeführt werden.

"Ich bin der Meinung, dass ein Berufsheer mit einer Freiwilligen- und einer starken Milizkomponente hier ungeahnte Chancen und neue Möglichkeiten bieten würde", erklärte Darabos und belegt das mit den internationalen Zahlen. In Irland liegt der Frauenanteil bei sechs Prozent, in Deutschland sind es zehn Prozent, in Tschechien liegt man bei 11 Prozent und in Schweden bei 15 Prozent. Hier wurde erst im Jahr 2010 umgestellt und bereits in dieser kurzen Phase ist der Frauenanteil "rasant angestiegen". Mit Ende des Jahres 2012 rechnet man mit einem Frauenanteil von 20 Prozent." Und in Ungarn liegt man heute schon bei 20 Prozent.

Für Darabos ist klar: "Die Streitkräfte profitieren von Frauen beim Bundesheer - im Umkehrschluss auch die Bevölkerung, weil wir einen realen Sicherheitsgewinn daraus ableiten können." Etwa wurde eine Genderbeauftragte dem KFOR-Kommandanten im Kosovo beigestellt, wodurch eine geschlechtssensiblere Vorgehensweise beim Einsatz ermöglicht wird. "Diese Beraterin hat einen bedeutenden Beitrag zu einer geschlechtergerechteren Einsatzführung im Kosovo geleistet, was auch international hohe Anerkennung erfahren hat."

Darabos betonte, dass das Österreichische Bundesheer auf das Potenzial der Frauen nicht verzichten sollte. Deutlich allerdings sprach sich der Verteidigungsminister gegen eine Wehrpflicht für Frauen aus: "Solange die gesellschaftlichen Lasten so ungleich verteilt sind, würde eine Wehrpflicht für Frauen, die immer von der ÖVP auch als Möglichkeit ventiliert wird, eine weitere Schlechterstellung bedeuten, das heißt: Die Wehrpflicht für Frauen ist ein 'No go'!"

Das sieht auch Frauenministerin Heinisch-Hosek so, die sich ebenfalls vehement gegen eine Wehrpflicht für Frauen ausspricht und erklärt:
"Wenn die ÖVP eine Wehrpflicht für Frauen will, soll sie das offen sagen." Denn aufgrund des demografischen Wandels und der damit verbundenen niedrigen Geburtenrate lässt sich der Dienst in derzeitiger Form mit der Wehrpflicht der Männer nicht aufrecht erhalten.

"Mehr Profis im Heer bedeutet auch mehr Frauen im Heer. Davon würde das Bundesheer und davon würden die Frauen profitieren", ist Heinisch-Hosek überzeugt. Die beiden Minister verweisen in dem Zusammenhang auf eine IFES-Studie, aus der hervorgeht, dass es ein großes grundsätzliches Interesse von Frauen an einem Arbeitgeber Bundesheer gibt - als Zeitsoldatin oder als Berufssoldatin. Konkret können sich hochgerechnet 84.000 geeignete Personen vorstellen, beim Bundesheer tätig zu sein, 20.000 davon sind Frauen - und diese sind zu 50 Prozent mit Maturaniveau. "Ich glaube, dass das Profiheer sicherstellen wird, dass wir in Zukunft genug Männer und Frauen haben werden, die freiwillig den Dienst an der Öffentlichkeit tun", sagte Heinisch-Hosek.

"Ein Profiheer stellt sicher, dass wir in Zukunft genug Männer und Frauen haben werden, die freiwillige den Dienst an der Öffentlichkeit tun", sagte Heinisch-Hosek. Die Frauenministerin betonte, dass auch im sozialen Bereich Profis benötigt würden. Es solle niemand glauben, dass das freiwillige soziale Jahr nur für Frauen gedacht sei und man sich daher die Frauen beim Heer sparen könne. "Wir wollen beides, wir wollen für Männer und für Frauen Karriere beim Heer ermöglichen. Und wir wollen auch, dass ein freiwilliges soziales Jahr für Männer und Frauen attraktiv ist." Mit der breiten Anrechenbarkeit für nachfolgende berufliche Perspektiven sei dies gewährleistet. (Schluss) up/mis

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