• 12.12.2012, 18:48:27
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OÖNachrichten-Leitartikel: "Salzburger Zauberer und Scharlatane", von Markus Staudinger

Ausgabe vom 13. Dezember

Utl.: Ausgabe vom 13. Dezember =

Linz (OTS) - Entweder David Brenner ist ein Genie, das es versteht,
auf den Finanzmärkten zu zaubern wie einst das Salzburger Wunderkind
Wolfgang Amadeus auf den Klaviertasten - oder er muss zurücktreten.
Am 15. Oktober wurde der Salzburger Finanzreferent und
Landeshauptmann-Stellvertreter (SP) nachweislich informiert, dass
Salzburg neben den rund offiziell bekannten 50 Zinstausch- und
Devisentermingeschäften weitere 253 (!) Zockergeschäfte laufen hat.
Am 16. November beantwortete er eine Landtagsanfrage der Grünen,
pries die Vorzüge der Derivatgeschäfte - und verschwieg bei der Frage
nach deren Zahl die 253 Schatten-Spekulationsgeschäfte, über die er
einen Monat zuvor informiert worden war.
Weil die Geschäfte binnen dieses einen Monats alle ohne Schaden für
das Land aufgelöst worden seien, ließ Brenner gestern als
Rechtfertigung verbreiten. Das wäre nun wirklich ein Kunststück. Dann
möge man ihn bitte auch damit betrauen, die mutmaßlich 340 Millionen
Euro Buchverlust, die dann weitere unbekannte Spekulationsgeschäfte
ausgelöst haben müssen, ebenso rasch wegzuzaubern.
Wahrscheinlicher ist, dass Brenner in der Anfragebeantwortung falsch
informiert hat - und damit eine letzte Grenze überschritten hat: Ein
Regierungmitglied, das den Landtag belügt, muss gehen.
Landeshauptfrau Burgstaller entschuldigte sich unterdessen gestern im
Landtag tränenreich dafür, dass "der Eindruck entstanden ist, dass
wir das Land in die größten Turbulenzen geführt hätten". Das ist
scheinheilig - genauso wie die gespielte Überraschung in der
Salzburger ÖVP über Spekulationsgeschäfte des Landes. Es war nie ein
Geheimnis, dass das Land wie kein anderes mit riskanten
Derivatgeschäften operierte. Allein das offiziell bekannte Jonglieren
von 50 Derivatgeschäften mit 16 verschiedenen Banken hätte längst zu
einem Aufschrei führen müssen. Ein Bundesland ist keine
Investmentbank.
In Linz hat es eine dilettantische Stadtpolitik und -verwaltung
geschafft, mit nur einem einzigen Geschäft - dem berühmt-berüchtigten
Swap 4175 - mehr als 400 Millionen Euro aufs Spiel zu setzen. So
gesehen, können sich die Salzburger mit ihren bis zu 300
verschiedenen Derivaten und einem Buchverlust von 340 Millionen Euro
ja fast glücklich schätzen.
Aber wie ließ Friedrich Torberg schon seine Tante Jolesch sagen:
"Gott soll einen hüten vor allem, was noch ein Glück ist".

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