- 12.12.2012, 18:30:31
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WirtschaftsBlatt- Leitartikel : Für die Altersvorsorge wird es eng - von Eva Komarek
Die Zeit der klassischen Lebensversicherung scheint vorbei zu sein
Utl.: Die Zeit der klassischen Lebensversicherung scheint vorbei zu
sein =
Wien (OTS) - Die Vorfreude auf den süßen Müßiggang nach einem langen
Arbeitsleben war einmal. Wenn jüngere Menschen heute an ihren
Ruhestand denken, macht sich mehr und mehr Existenzangst breit.Zur
Jahrtausendwende wurde das Drei-Säulen-Modell als Allheilmittel der
Altersversorgung gefeiert: Eine Kombination aus staatlicher,
betrieblicher und privater Vorsorge sollte die gefürchtete
Pensionslücke schließen. Die Lebensversicherung wurde zur weitest
verbreiteten Form der privaten Altersvorsorge.
Rund ein Jahrzehnt und eine Krise später kommt die Ernüchterung. Die
anhaltende Niedrigzinsphase macht den Pensionkassen und
Lebensversicherungen arg zu schaffen. Die Versicherer konnten das
Problem lange ausbalancieren, indem sie neue Gelder in Pfandbriefen
oder Unternehmensanleihen anlegten anstatt in Staatsanleihen. Die
warfen höhere Zinsen ab. Aber mittlerweile sind die Zinsen
flächendeckend gesunken. Es bleiben kaum noch Anlagealternativen, die
genügend Rendite bringen, um die Garantien in den Lebens- und
Pensionsversicherungsverträgen zu bedienen. Gleichzeitig laufen immer
mehr alte, hochverzinste Papiere aus. Erschwerend kommt hinzu, dass
die Veranlagungsmöglichkeiten durch immer striktere Regelungen
geringer werden.
Solvency II, das Basel III der Versicherungsbranche, wird die
Problematik durch höhere Eigenkapitalhinterlegungsvorschriften noch
verschärfen.Die Zeit der klassischen Lebensversicherung scheint
vorbei zu sein.
Langfristig werden wir uns von Garantieprodukten verabschieden
müssen, die über den Kapitalerhalt hinaus auch noch Zinsen bringen.
Seit der Jahrtausendwende hat sich der Garantiezins von ehemals vier
Prozent mehr als halbiert. Noch heuer wird er auf 1,75 Prozent
gesenkt. Derzeit zahlen die Versicherungen inklusive
Gewinnbeteiligung bis zu 3,50 Prozent, allerdings nur auf den
Sparanteil. De facto liegt die Verzinsung bei rund zwei Prozent und
damit unter der Inflationsrate. Das ist nichts anderes als eine
negative Realrendite.
Den Pensionskassen, ob privat oder betrieblich, geht es nicht viel
besser. Auch hier kam es bereits laufend zu Kürzungen der
Auszahlungen. Ein Ende der Niedrigzinsphase ist nicht absehbar. Viele
Experten rechnen in den sicheren Schuldnerländern mit langfristig
niedrigen Zinsen. Wenn sowohl die zweite als auch die dritte Säule
nicht mehr die Erträge bringen, wird es eng mit der Altersvorsorge.
Aktien und Fonds haben ein deutlich höheres Risiko. Bleiben nur noch
Immobilien - die können sich aber nur eine Minderheit leisten.
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