• 10.12.2012, 18:30:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Eine Radikalkur gegen Schulden gibt es nicht - von Andre Exner

Die Schulden-Zeitbomben ticken nicht nur bei den Gemeinden

Utl.: Die Schulden-Zeitbomben ticken nicht nur bei den Gemeinden =

Wien (OTS) - Beim Schuldenmachen ist Österreich zwar nicht
Europameister, unsere Leistung war in den vergangenen Jahrzehnten
aber messbar "besser" als in anderen Disziplinen. Doch leider wuchsen
die Schulden nicht nur in der Landeswährung. Ein Viertel der gesamten
Kreditsumme der privaten Haushalte entfällt auf Fremdwährungen, auch
Unternehmen sind mit Milliarden in Franken, Yen und Co. verschuldet -
darunter auch staatliche oder staatsnahe Konzerne. Zu den reinen
Kreditsummen kommen die riskanten Finanzgeschäfte mit Derivaten hinzu
- und auch die nicht nur bei den Gemeinden und Unternehmen. Selbst
bei privaten Häuslbauern war es bis 2008 Usus, den Frankenkredit mit
einer Finanzwette gegen steigende Zinsen bei den Eidgenossen
abzusichern.

Die Schulden-Zeitbomben ticken also nicht nur bei den Gemeinden, auch
wenn die Kombination aus Inkompetenz, Verantwortungslosigkeit und der
politischen Rückendeckung dafür besonders explosiv ist. Aber es gibt
schon einen Grund, warum Wirtschaftsexperten und Ratingagenturen
neben dem Osteuropa- das Fremdwährungsrisiko als die ärgste
Problemzone der heimischen Bankenlandschaft und der Republik
betrachten. Deswegen sollten auch die Aktionen der Schweizer
Notenbank jeden Österreicher genauso interessieren wie die der Fed
oder der EZB. Dass das nicht so ist - wie etwa die Clickraten auf
wirtschaftsblatt.at zeigen -, lässt sich nur mit einer
Vogel-Strauß-Mentalität erklären: Schweigen, bis die Sache so aus dem
Ruder läuft, dass das ganze Land aufschreit, wie es in Linz und
Salzburg passiert ist.

Mit Ignorieren bekommt man dieses Problem nicht weg. Doch so wie im
Kino können diese Zeitbomben auch nicht entschärft werden: Eine
Radikalkur können wir uns in Sachen Spekulationsrisiken und
Schuldenabbau nicht leisten. Würde man die Derivatepositionen von
einem Tag auf den anderen auflösen oder die Fremdwährungsschulden in
Euro konvertieren, wäre das ganze Land auf einmal viel höher
verschuldet, mit den entsprechenden negativen Auswirkungen auf das
Rating und die künftigen Budgets.

Helfen kann nur völlige Transparenz: Jeden Cent, mit dem sie
spekulieren, sollten die Gemeinden, aber auch die Unternehmen mit
Staatsbeteiligung, offenlegen müssen - und dabei auch das Risiko nach
unten darstellen. Mit der Offenlegung wüssten wir wenigstens, was uns
im Ernstfall blüht, und ein schrittweiser Risikoabbau wäre möglich.
Dieser Weg ist mühsam und steinig, aber komplexe Probleme haben nun
mal leider keine einfachen Lösungen.

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