- 03.12.2012, 11:47:04
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"Dialogforum Islam": Präsentation der Ergebnisse aus dem ersten Jahr
Institutionalisierter Dialog zwischen der Bundesregierung und der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich
Utl.: Institutionalisierter Dialog zwischen der Bundesregierung und
der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich =
Wien (OTS) - In Österreich leben etwa eine halbe Million Muslime, die
Hälfte davon sind österreichische Staatsbürger. "Mehr als bisher soll
es in Zukunft kein Widerspruch mehr sein, gleichzeitig
selbstbewusster Österreicher und Muslim zu sein", sagte
Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz am 3. Dezember 2012 im
Innenministerium bei der Vorstellung der Ergebnisse des "Dialogforums
Islam" im ersten Jahr. "Muslime sollen als freie Bürger und
verantwortliche Individuen zur gemeinschaftlichen Gestaltung und
Bewältigung von Gegenwart und Zukunft beitragen, die auf Mitwirkung,
Engagement, Leistung und Chancengleichheit aufbaut", betonte Kurz und
verwies auf zwei Herausforderungen - einerseits die Ängste und Sorgen
der Mehrheitsbevölkerung in Bezug auf den Islam abzubauen und
andererseits die Bedürfnisse der Muslime in Österreich zu
berücksichtigen.
"Wir wollen eine friedliche und harmonische Gesellschaft in
Österreich haben", sagte der Präsident der Islamischen
Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ), Dr. Fuat Sanac. Das
Islamgesetz müsse novelliert und die Ausbildung der Imame und der
Seelsorger neu geregelt werden, betonte Sanac.
Vizerektor Univ.-Prof. Dr. Heinz Faßmann, Leiter des unabhängigen
"Expertenrats für Integration", verwies auf das "durchaus respektable
Ergebnis" des Dialogforums. Das Modell habe sich "ganz ausgezeichnet
bewährt". Die Ausbildung der Imame sei eine wichtige Aufgabe. Deshalb
sei an der Universität Wien eine interfakultäre Plattform
eingerichtet worden, die zu Jahresbeginn 2013 ihre aktive Arbeit
aufnehmen werde, um unter anderem ein Curriculum für die universitäre
islamisch-theologische Ausbildung zu erarbeiten.
Das Dialogforum mit sieben Arbeitsgruppen wurde 2011 eingerichtet,
nachdem der Expertenrat für Integration in seinem 20-Punkte-Programm
unter anderem die Einrichtung eines institutionalisierten Dialogs mit
Muslimen vorgeschlagen hatte.
Die Ergebnisse des "Dialogforums Islam" im ersten Jahr:
1. Fortgang des Dialogforums
Der Dialog wird fortgesetzt, die Steuerungsgruppe bleibt bestehen.
2. Einführung eines islamisch-theologischen Studiums
Einrichtung eines islamisch-theologischen Studiums an der Universität
Wien, das Absolventinnen und Absolventen qualifizieren soll, als
Imam, Seelsorger oder Islamwissenschaftler tätig zu sein.
Absolventinnen und Absolventen dieser theologischen Ausbildung können
durch das Absolvieren des bestehenden Masterstudiums im Bereich der
islamischen Religionspädagogik als islamische Religionslehrerinnen
und Religionslehrer an den höheren Schulen eingesetzt werden.
Um die genaue Zahl von Imamen in Österreich darzustellen, vor allem
jener, die aus dem Ausland nach Österreich kommen, wird die IGGIÖ
künftig eine umfassende Statistik über alle Imame, die in
Moscheegemeinden tätig sind, erstellen.
3. Etablierung einer Wertedebatte
Die aktuelle Debatte um gesellschaftliche Werte, wie sie derzeit z.
B. Beispiel im Prozess der Erstellung der RWR-Fibel geführt wird,
soll auf akademisch-wissenschaftlicher Ebene weitergeführt werden, um
diesen Diskurs einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
4. Maßnahmen gegen Radikalisierung und Islamfeindlichkeit
Nach einer Bedarfsprüfung ist eine Ombudsstelle für radikalisierte
Jugendliche und deren Angehörige sowie Betroffene von
Islamfeindlichkeit anzudenken.
5. Überarbeitung der islamischen Schulbücher
Die Schulbücher für den islamischen Religionsunterricht werden von
der Islamischen Glaubensgemeinschaft überarbeitet - basierend auf dem
aktuellen Curriculum für den islamischen Religionsunterricht.
6. Bürgermeister-Handbuch für Moscheebau vor Ort
Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass Streitfragen in Zusammenhang
mit der Errichtung von Moscheen am besten gemeinsam mit allen
Betroffenen vor Ort gelöst werden. Dazu wird eine interdisziplinäre
Broschüre erarbeitet, eine Art Bürgermeister-Handbuch für
Streitfragen im Zusammenhang mit dem Bau von Moscheen hinsichtlich
Anrainerbeteiligung, Bauordnung, Flächenwidmung, Architektur, Gesetze
usw.
7. Gleichstellung von Mann und Frau
Ausbau der bestehenden Schulungen für Frauenbeauftragte, um die
Partizipation von Frauen in der Gemeindearbeit zu stärken.
8. Muslimische Österreicherinnen und Österreicher als Vorbild
Das Schulbesuchsprojekt "Zusammen:Österreich" soll im Hinblick auf
muslimische Role-Models sowie Veranstaltungen auch in islamischen
Vereinen ausgeweitet werden.
9. Islam und Medien
Junge Menschen mit islamischem Religionsbekenntnis sollen dazu
ermuntert werden, in Medienberufen tätig zu werden.
10. Novellierung des Islamgesetzes
Das Islamgesetz ist mittlerweile 100 Jahre alt und es bedarf einer
entsprechenden Novellierung, um den Ansprüchen und Gegebenheiten des
21. Jahrhunderts Rechnung zu tragen bzw. um Österreich im Umgang mit
dem Islam wieder eine Vorreiterrolle zu sichern.
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