- 02.12.2012, 19:57:12
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Die Grünen wollen alles, aber bloß nicht streiten" (von Wolfgang Simonitsch)
Ausgabe vom 03.12.2012
Utl.: Ausgabe vom 03.12.2012 =
Graz (OTS) - Uns kann man nicht kaufen, nur wählen". Die Grünen
seien die Unbestechlichen, die Nicht-Korrupten, kurzum: die besseren
Menschen. Das war der Tenor beim Grünen Bundeskongress in Linz. Bei
dem nicht nur die alte und wiedergewählte Chefin Eva Glawischnig sich
und die Eigenen fast schon penetrant in den höchsten Tönen gelobt
hat.
Umwelt und Korruption, das waren die Hauptthemen in Linz, die zum
Gaudium der 280 Delegierten häufig in kabarettistisch gelungener
Form, aber ohne jeden Tiefgang dargeboten wurden. Ob auch über die
Lage der Partei, die trotz ihrer unzweifelhaften Verdienste bei der
Aufdeckung von Korruptionisten derzeit in Umfragen bei kargen 13
Prozent herumgrundelt und zuletzt in Graz einen herben Dämpfer
erlitt, mit Eifer diskutiert, gestritten worden ist? Absolute
Fehlanzeige!
Bei der gut vierzehnstündigen Veranstaltung wurde keine einzige
wirklich kritische Frage debattiert. Ein, zwei kecke Anfragen wurden
ausschließlich von Bewerbern um diverse, in Linz mittels Wahlliste
vergebene Ämter in Bausch und Bogen abgetan. Wohl auch, weil die
strikte Kongress-Regie mit der Stoppuhr in der Hand maximal fünf
Minuten Redezeit zugelassen und bei jedem Sekündchen mehr energisch
interveniert hat. Und die Ökos übten sich in strikter Disziplin. Mehr
noch: Ihre übergroße Sehnsucht nach und Lust auf Harmonie war richtig
greifbar.
Dass der Kongress schließlich früher als geplant zu Ende war und das
Publikum dies mit Freude quittierte, spricht Bände. Nicht einmal die
zugestandene Frage- und Antwortzeit bei den Hearings der Kandidaten
wurde ausgeschöpft. Und bei der Kür der Kandidaten für die grüne
Bundesliste bei der nächsten Nationalratswahl war der Eindruck
übermächtig, dass den Parteistrategen die Regie entglitten ist. Dass
mit Sigrid Maurer und Julian Schmid erstmals zwei junge
Hoffnungsträger auf wählbare Plätze gereiht wurden, war nicht
geplant. Die Funktionärskaste war vielmehr darauf bedacht, ihre
Bereichssprecher -und seien sie noch so farblos und fad - wieder in
Position zu bringen. Die geglückte Blutauffrischung verblüffte die
altvorderen Ökos so, dass sie flugs ihre Argumentation umdrehten und
sich gratulierten ob ihrer so tollen Erneuerungskraft.
Nichts geändert hat sich beim absoluten Manko der Grünen, beim Thema
"Soziales". Hoffnungsträger sind leer ausgegangen, keiner der
Gewählten bringt dafür die Kompetenz, die Einfalls- und Strahlkraft
mit. Wie sie 2013 so ihr Traumziel "15 Prozent plus" schaffen sollen,
bleibt weiterhin das ungelöste Grün-Rätsel.****
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