- 30.11.2012, 17:00:31
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"KURIER"-Kommentar von Helmut Brandstätter: "Stronach ist weit weg von den Bürgern"
Wir brauchen Politiker, die wissen, wovon sie reden - und die auch zuhören wollen und können.
Utl.: Wir brauchen Politiker, die wissen, wovon sie reden - und die
auch zuhören wollen und können. =
Wien (OTS) - Die österreichische Politik würde ja wirklich dringend
Erneuerung brauchen. Das machte anfangs den Charme des Frank Stronach
aus. Finanziell unabhängig, erfrischend im Auftreten, an Werten wie
Wahrhaftigkeit orientiert.
Aber wie das so oft ist - auf den zweiten Blick sieht alles nicht
mehr so rosig aus. Als Politiker ist er ja schon in Kanada
gescheitert, jetzt versteht Stronach die Medien nur als Vehikel für
seine Auftritte und Interviews würde er gerne zu Predigten umwandeln.
Das hat ihm bisher nicht geschadet. Und dass er sich Zeitungen
kaufen will, indem er nur in den unterwürfigen Medien Inserate
schaltet, hat er sich im Zweifel von anderen Politikern abgeschaut.
Immerhin macht er es mit eigenem Geld.
Man wusste ja, dass Stronach nie ein Feind des Establishments war,
das er jetzt angeblich bekämpft, im Gegenteil. Er hatte ja vom
früheren Bundeskanzler Vranitzky abwärts alle Parteien, die irgendwo
Entscheidungen (über Geld) zu treffen hatten, in sein Beraterteam
geholt. Aber jetzt wird es eng: Den Spagat vom Profiteur von
Eurofighter-Gegengeschäften zum Revolutionär des kleinen Mannes wird
er nicht durchhalten. Und wenn er seinen ehemals engsten Mitarbeiter
Sigi Wolf zum Bundeskanzler machen will, spätestens in sechs
Jahren, wenn er die absolute Mehrheit hat, wie er gerne erzählt, dann
wird Wolf erklären müssen, was er von Gegengeschäften und
gemeinsamen Reisen mit Finanzminister Grasser zur Münchner
Waffenschmiede weiß.
Vor allem aber verheddert sich Stronach in Diskussionen, die ganz
weit weg von der Lebensrealität der Menschen sind. Dabei hätte
Stronach nur die fast tausend Zusendungen zur KURIER-Aktion "Wir
verbessern Österreich" lesen müssen. Da hätte er erfahren, was in
diesem Land schiefläuft und wo Lösungen erwartet werden.
Am dringendsten sind offenbar Verbesserungen in der Bildung. Von
der besseren Ausstattung der Kindergärten über die Versetzbarkeit von
Lehrern bis zu einer besseren Förderung für Schüler. Integration ist
ein großes Anliegen: Zuwanderer sollen schneller Deutsch lernen,
Asylverfahren viel schneller werden. Bei den Steuern soll der Faktor
Arbeit entlastet werden und es soll viel einfacher werden, ein
Unternehmen zu gründen.
Das ist nur ein Ausschnitt aus Forderungen der KURIER-Leser. Was
fällt dabei auf? Dass es um Themen geht, die uns in der Innenpolitik
zum Teil seit Jahrzehnten beschäftigen. Das macht ja den Frust aus:
Es wird so viel geredet und so wenig entschieden.
Stronach würde daran auch nichts ändern. Da ist ein erfahrener
Politiker wie der Traiskirchner Bürgermeister Fritz Knotzer schon
besser. Er agiert lösungsorientiert und spricht ehrlich. Dass sein
SPÖ-Parteifreund Josef Ackerl aus Oberösterreich weniger Asylplätze
als versprochen organisiert hat, kommentierte Knotzer so: "Immer
links reden, aber dann rechts handeln."
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