• 26.11.2012, 12:35:13
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Gesundheitsminister Stöger soll Fragen der Ärzteschaft endlich beantworten

NÖ Ärztekammer: Diskussion im Fernsehen hat deutlich gezeigt, dass es der Politik nur um Machtspielchen auf dem Rücken von Patienteninteressen geht

Utl.: NÖ Ärztekammer: Diskussion im Fernsehen hat deutlich gezeigt,
dass es der Politik nur um Machtspielchen auf dem Rücken von
Patienteninteressen geht=

Wien (OTS) - Wer die Diskussion über die geplante Gesundheitsreform
vom gestrigen Abend in der Sendung "Im Zentrum" in ORF 2 verfolgt
hat, kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Fakten der
medizinischen Versorgungslage bei den Entscheidungsträgern eine
untergeordnete Rolle spielen. "Will oder kann Minister Stöger die
wahren Probleme des Systems nicht kennen? Wir Ärzte würden ihm gerne
dabei behilflich sein", so Dr. Christoph Reisner, Präsident der NÖ
Ärztekammer. "Schließlich behandeln wir in ganz Österreich 300.000
Menschen pro Tag. Und das in einem System, in dem wir nicht nur ganz
extrem reglementiert sind, sondern vor allem bereits heute lückenlos
überwacht werden."

Verhalten von BM Stöger zeugt leider von Inkompetenz

Für Präsident Dr. Reisner ist es daher nicht nachvollziehbar,
woher Gesundheitsminister Alois Stöger seine Theorien hernimmt,
wonach beispielsweise durch die Reduktion von medizinischen
Doppelgleisigkeiten Milliardenbeträge einzusparen wären: "Wenn er von
vermeidbaren Doppelgleisigkeiten wüsste und diese nicht längst
abstellt hätte, dann hätte er vorsätzlich Steuergeld verschwendet und
wäre somit als Politiker untragbar."
Aus seiner Sicht versteckt sich BM Stöger hinter Worthülsen mit
wenig Substanz, ohne die echten Probleme einmal beim Namen zu nennen.
"Wer die Schuld an langen Ambulanzwartezeiten den dort arbeitenden
Ärzten zuweist, der sollte sich einmal ein Krankenhaus von innen
ansehen. Dieser Vorwurf zeugt nicht nur von Inkompetenz, sondern ist
auch ein deutliches Zeichen der fehlenden Wertschätzung unserer
medizinischen Arbeit", so Präsident Dr. Reisner weiter. "Wir befassen
uns täglich mit den Problemen unserer Patientinnen und Patienten und
wissen was sie brauchen."

Wir wollen unsere Patienten wie Mediziner und nicht wie
Bürokraten behandeln

Leider war die Österreichische Ärzteschaft durch Präsident Dr.
Artur Wechselberger am gestrigen Abend nicht gut vertreten: "Wir
haben Österreich weit eine klare Haltung zur Gesundheitsreform sowie
ein beschlossenes Szenario, wie wir uns gegen die Entsolidarisierung,
das Kaputtsparen und das weitere Fortschreiten der
Zwei-Klassen-Medizin wehren." Und das könnte laut Präsident Dr.
Reisner bis hin zur Kündigung der Kassen-Gesamtverträge gehen,
worüber beim nächsten Ärztekammertag zu reden sein wird: "Wir sind
offenbar die einzigen, die die echten Patienteninteressen wahrnehmen.
Wir wollen unsere Patientinnen und Patienten nämlich wie Mediziner
und nicht wie Bürokraten behandeln und sind ihnen gegenüber als
einzige Berufsgruppe ethisch und sogar juristisch verpflichtet.
Rahmenbedingungen, die uns in unserer täglichen Arbeit behindern und
damit menschlich nicht tragbar sind, brauchen wir jedoch nicht."

Sechs Fragen von Präsident Dr. Reisner an BM Stöger:
1.) Alle Untersuchungen werden bereits heute durch die
Sozialversicherungen lückenlos dokumentiert und sind sogar teilweise
bewilligungspflichtig. Warum werden angeblich in enormem Ausmaß
vorhandene medizinisch sinnlose Mehrfachuntersuchungen nicht längst
verhindert?
2.) Alle Medikamentenverschreibungen werden ebenfalls bereits
heute durch die Sozialversicherungen lückenlos erfasst. Teure
Medikamente sind bewilligungspflichtig. Warum werden angeblich in
enormem Ausmaß vorhandene Doppelmedikationen nicht längst abgestellt?
3.) Warum müssen leidende Patientinnen und Patienten schon heute
wochenlang auf dringend benötigte medizinische Untersuchungen -
beispielsweise Magnetresonanzuntersuchungen - warten, obwohl die
Kapazitäten vorhanden sind aber diese durch die Politik vorsätzlich
eingeschränkt werden?
4.) In Österreich steht es jedem Patienten frei, sinnloserweise
beispielsweise mit einem Schnupfen die HNO-Ambulanz eines
Krankenhauses, ja sogar des AKH Wien aufzusuchen. Warum ist die
Politik seit Jahren säumig dafür zu sorgen, dass die Patientinnen und
Patienten an exakt jener Stelle ins Gesundheitssystem einsteigen, wo
es medizinisch und volkswirtschaftlich am meisten Sinn ergibt?
5.) Warum beklagen sich die Sozialversicherungen über eine
steigende Anzahl von Krankenstandstagen, wenn sie auf der anderen
Seite durch Reglementierungen und Limitierungen künstliche
Wartezeiten schaffen und somit das Wohl und auch die Arbeitskraft der
Menschen in unserem Land beeinträchtigen?
6.) Warum blockieren die Sozialversicherungen und die Politik seit
Jahren geeignete einfache und juristisch unkomplizierte,
unbürokratische ärztliche Kooperationsformen, obwohl sich dadurch
eine Ausweitung der Öffnungszeiten und damit eine Verbesserung des
Angebots im niedergelassenen Bereich ergeben würden?

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | AEN

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