- 23.11.2012, 10:41:02
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Deutliches Zeichen der Österreichischen Ärzteschaft beim Protestkonvent
Präsident Dr. Reisner fordert offene Diskussion mit allen Verantwortlichen
Utl.: Präsident Dr. Reisner fordert offene Diskussion mit allen
Verantwortlichen=
Wien (OTS) - "Ich freue mich, dass die Österreichische Ärzteschaft so
ein deutliches Zeichen der Ablehnung dieser so genannten
Gesundheitsreform setzen konnte", so Dr. Christoph Reisner, Präsident
der NÖ Ärztekammer, zum Ärztekonvent vom vergangenen Mittwoch im
Wiener Museumsquartier. Die Ärztekammer hatte bereits im Vorfeld
mehrfach Bedenken gegen die geplanten Vorhaben geäußert und auch
selbst laufend Verbesserungsvorschläge eingebracht. "Doch unsere
Expertisen verhallten ständig ungehört. Daher war es auch notwendig,
diesen ersten Schritt des Protestes zu setzen."
Der Hauptkritikpunkt von Präsident Dr. Reisner an der Reform ist der
fehlende Mut der verantwortlichen Politiker, den Bürgern reinen Wein
einzuschenken und alle Zahlen auf den Tisch zu legen: "3,4 Milliarden
Euro sollen bis 2016 eingespart werden. Das ist eine gewaltige Summe.
3,4 Milliarden entspricht den gesamten Ärztekosten im
niedergelassenen Bereich in Niederösterreich für rund zehn Jahre.
Oder anders ausgedrückt, 3,4 Milliarden Euro entsprechen den gesamten
Kosten aller Landeskliniken für etwas mehr als zwei Jahre.
Einsparungen in dieser Höhe bedeuten zwangsläufig eine
Verschlechterung der Versorgung. Auch wenn es hier und da noch
Einsparpotenziale gibt, diese Summen können niemals erreicht werden
ohne Leistungskürzungen am Patienten."
Echte sinnlose Doppelgleisigkeiten finden sich vor allem in
der Verwaltung, selten in der Medizin
So ist für Präsident Dr. Reisner vollkommen unverständlich, warum
beispielsweise immer von Doppelgleisigkeiten und
Mehrfachuntersuchungen in enormem Ausmaß die Rede ist: "Bereits heute
sind alle Gesundheitsdaten lückenlos erfasst. Ohne Bewilligung geht
gar nichts. In manchen Bereichen gleicht Medizin bereits heute einer
Mangelverwaltung. Die Wartezeiten auf dringend benötigte
Untersuchungen und Behandlungen sind enorm. Teilweise von der Politik
künstlich geschaffen, obwohl Kapazitäten vorhanden wären.
Beispielsweise durch Limits bei Magnetresonanzuntersuchungen. Wenn es
wirklich bekannte medizinisch sinnlose Doppelgleisigkeiten gäbe, dann
frage ich mich, warum die nicht längst abgestellt sind?"
Von Doppelgleisigkeiten bei Bürokratie und Verwaltung, etwa in den
Hochburgen der Sozialversicherungen, weiß Präsident Dr. Reisner
jedoch ein Lied zu singen: "Medizinische Mehrfachuntersuchungen
geschehen in der Regel nicht grundlos, sondern im Sinne des Patienten
unter Beachtung der gesetzlichen Vorschriften und der
Behandlungssicherheit." Die Doppelgleisigkeiten im Verwaltungsbereich
könnten jedoch aus seiner Sicht ohne eine so genannte "Reform"
einfach durch Bürokratieentschlackung reduziert oder beseitigt
werden. "Doch dafür scheint der Wille zu fehlen. Ich fordere unseren
Herr Gesundheitsminister Alois Stöger auf: Legen Sie die Zahlen und
die Wahrheit auf den Tisch, dann führen wir eine offene Diskussion
darüber, so wie in Demokratien üblich!"
Ausbau der Ordinationen, Hausarztmodell,
Verschreiberichtlinien auch für Spitäler
Wenn jedoch von echtem Einsparpotenzial im medizinischen Bereich
die Rede ist, stellen die Politiker auf stur. Die Vorschläge der
Ärztekammer zur Kostenreduktion sind laut Präsident Dr. Reisner seit
Jahren bekannt: Ausbau der niedergelassenen Versorgung,
Hausarztmodell oder etwa gleiche Ökonomierichtlinien für
Medikamentenverschreibungen im Spital und in der Niederlassung. "Wir
versorgen täglich etwa 300.000 Patientinnen und Patienten und wehren
uns nicht gegen sinnvolle Sparmaßnahmen. Ein Beispiel: Alleine die
Ressourcen, die mit Medikamentenumstellungen verschwendet werden,
weil sich Spitäler nicht an die Verschreiberichtlinien im
niedergelassenen Bereich halten können, sind enorm. Dieser Unfug
gehört längst abgestellt, wir weisen seit Jahren darauf hin. Doch
kein Gesundheitsminister hat den Mut, hier einzugreifen."
Die Ärzteschaft ist jedenfalls nicht länger dazu bereit,
Mangelverwalter für die Versäumnisse der Politiker zu spielen. "Wenn
Maßnahmen durchgeführt werden, welche die Entwicklung der
Zwei-Klassen-Medizin weiter fördern und das solidarische
Gesundheitssystem zerstören, werden wir Ärztinnen und Ärzte nicht
tatenlos zusehen, sondern unsere Möglichkeiten weiter nutzen und bei
Bedarf auch ausschöpfen", stellt Präsident Dr. Reisner klar.
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