• 08.11.2012, 12:39:44
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H.P. Martin: "Pulverfass China"

EP-China-Delegationsreise mit bemerkenswerten Einblicken / Bank of China-Chef über gefährliche faule Kredite und Euro-Zerfall

Utl.: EP-China-Delegationsreise mit bemerkenswerten Einblicken /
Bank of China-Chef über gefährliche faule Kredite und
Euro-Zerfall=

Brüssel (OTS) - Der unabhängige EU-Abgeordnete Hans-Peter Martin aus
Österreich gehörte zur letzten EU-Delegation, die sich vor dem
Machtwechsel in China noch zu offiziellen Treffen mit Partei- und
Regierungsvertretern in Peking und Chongqing treffen konnte.

Sein Fazit: "Wer sich in China für die Menschenrechte einsetzt,
engagiert sich auch für die Arbeitnehmer in Europa. Verbessern sich
in China die Arbeitsbedingungen, so hilft dies auch uns im globalen
Wettbewerb.

Zerfällt China, wird dies die Weltwirtschaft mitreißen.
Bei unserer Reise als letzte EU-Vertreter vor dem Machtwechsel beim
kommunistischen Parteikongress rochen wir die Lunte am chinesischen
Pulverfass. Offen wie nie erklärte Xiao Gang, der Vorsitzende der
Bank of China, deren Börsenwert drei Mal so groß ist wie jener der
Deutschen Bank:

"Wir glauben, dass wir in unserem Land mit den Banken sehr, sehr
große Probleme haben und in Europa. Wir halten da nichts für stabil."
Die Dunkelziffer der uneinbringlichen, also faulen Kredite sei "viel,
viel höher" als offiziell zugegeben.

Xiao berichtete auch von bislang geheim gehaltenen persönlichen
Gesprächen mit Angela Merkel über die kritische Lage des Euro und
meinte: "Vor zwei Monaten lag die Wahrscheinlichkeit des
Zusammenbruchs des Euro unserer Einschätzung nach bei 70 Prozent,
derzeit sind es 30 Prozent, Tendenz steigend."

Die Gefahr in China entstand, weil sich die Provinzregierungen
jahrelang Milliardenbeträge pumpten um ihre beispiellosen Verkehrs-
und Bauprojekte zu finanzieren. Doch dies schien in den
Bankenbilanzen nicht auf. Jetzt sind viele Regionen zahlungsunfähig,
etwa die Metropole Chongqing mit ihren 29 Millionen Einwohnern. Dort
herrschte bislang der Parteisekretär Bo Xilai, dessen Frau inzwischen
wegen des Mordes an einem britischen Geschäftsmann zum Tode
verurteilt wurde. Überall in der Stadt wurde sein Bild entfernt, bei
den Sitzungen ist sein Name Tabu. Dass Bo Xilai wie viele andere
KP-Kader unübersehbar reich wurde, wirft ein Schlaglicht auf die
enorm wachsende Ungleichheit: Während in Mitteleuropa Spitzenmanager
bis zu 400 Mal mehr verdienen als kleine Einkommensbezieher, darf
sich Chinas Elite über ein viertausendfach so hohes Gehalt freuen.
Doch uns gegenüber gaben sich Regierungsmitglieder in Peking
unbeirrt. Zhu Weiqun von der "Vereinigten Front" meinte fast drohend:
"Warum sollen wir unser System ändern, wenn es sich in den
vergangenen Jahren doch so bewährt hat?"

Hinweis: Die zum Ausdruck gebrachten Meinungen liegen in der
alleinigen Verantwortung der jeweiligen Verfasser und geben nicht
unbedingt den offiziellen Standpunkt des Europäischen Parlaments
wieder.

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