• 05.11.2012, 11:00:32
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Energieeffizienzgesetz: Wettbewerbsnachteil für Österreich ohne KWK-Förderung

Stadtwerke-Energievorstand Marc H. Hall: Wirtschaftsministerium vergisst auf hocheffiziente Kraft-Wärme-Kopplung

Utl.: Stadtwerke-Energievorstand Marc H. Hall:
Wirtschaftsministerium vergisst auf hocheffiziente
Kraft-Wärme-Kopplung=

Wien (OTS) - Der auf einer EU-Richtlinie basierende Entwurf des
Wirtschaftsministeriums für ein neues Energieeffizienzgesetz steht
unmittelbar vor der Begutachtung. Derzeit enthält der Entwurf keine
Bestimmungen zur finanziellen Unterstützung des Ausbaus und Erhalts
von hocheffizienten Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK). In einem
gemeinsamen Pressegespräch mit dem renommierten deutschen
Energieexperten Felix Christian Matthes kritisiert der
Energievorstand der Wiener Stadtwerke, Marc H. Hall, diesen
Gesetzesentwurf. "Auf die Förderung von KWK zu verzichten, wäre ein
schwerer Wettbewerbsnachteil für den heimischen Energiemarkt", sagt
Hall am Montag vor Journalisten.

Der Ausbau der KWK wurde in der EU als wichtiger Bestandteil in die
Energieeffizienzrichtlinie integriert, wie der Berichterstatter der
Richtlinie im Europäischen Parlament, Claudes Turmes, jüngst bei
einem Besuch in Wien unterstrich. Auch Energieexperte Matthes betont:
"Die KWK ist ein wesentlicher Bestandteil der Energiewende und bietet
gerade für den Umbau unseres Energiesystems ein enormes Potenzial.
Die KWK schafft dringend benötigte flexible
Stromerzeugungskapazitäten, ihre Flankierung ist deshalb eine
sinnvolle und notwendige Maßnahme zur Ergänzung der Förderung
erneuerbarer Energien." So ist die derzeitige energiewirtschaftliche
Situation - niedrige Strompreise an den Börsen bei hohen Gaspreisen -
besonders dramatisch für österreichische Energieerzeuger. Hall: "Wir
haben bereits sehr effiziente Werkzeuge, die vermehrt genutzt und
ausgebaut werden müssen, wie die hocheffiziente
Kraft-Wärme-Kopplungstechnologie. Energieeffizienzeinsparungen im
großen Stil sind einfacher und komfortabler zu erreichen als durch
andere Maßnahmen. Die hocheffiziente KWK macht dies ganz von selbst."

Hall untermauert seine Position mit einigen Kennzahlen: Die von Wien
Energie eingesetzten Kraft-Wärme-Kopplungen in den kalorischen
Kraftwerken erhöhen den Nutzungsgrad der eingesetzten Brennstoffe von
üblichen 40 bis 50 Prozent auf bis zu 86 Prozent. Das Kraftwerk
Donaustadt III verbraucht so jährlich etwa 150 Mio. m3 weniger Erdgas
als konventionelle Kraftwerke. Durch die Erzeugung von Strom und
Wärme in hocheffizienten KWK vermied Wien Energie im Wirtschaftsjahr
2010/11 rund vier Mio. Tonnen CO2, was den gesamten Emissionen des
Bundeslands Salzburg oder der Jahres-Fahrleistung von 1,7 Mio. PKW
entspricht.

Eklatant ist für Hall der Wettbewerbsnachteil der heimischen KWK im
Vergleich zum Nachbarn Deutschland: zur Zeit werden neue und
modernisierte KWK-Anlagen in Deutschland mit 18 Euro/MWh gefördert,
in Österreich gibt es keinen Cent. So lag der Clean Spark Spread
(Differenz des Strompreises am Terminmarkt und dem Gaspreis inkl.
CO2-Preis) im Jahr 2011 in Österreich bei -6,7 Euro pro MWh.

Durch den Gesetzesentwurf des Wirtschaftsministeriums kommen
Industrie und Energieversorgungsunternehmen wie Wien Energie, die aus
Gründen der Energieeffizienz und Versorgungssicherheit seit vielen
Jahren höchst erfolgreich auf KWK setzen, unnötig unter Druck. "Zu
befürchten sind weitere Wettbewerbsnachteile, insbesondere gegenüber
deutschen Mitbewerbern, die in ihrem Land von KWK-Förderungen
profitieren", unterstreicht Hall.

Der Energievorstand drängt daher auf eine Betriebsförderung für
KWK-Anlagen und sieht Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner in
der Pflicht. Fest steht schon jetzt: Ohne gezielte Förderung sind
Effizienzsteigerungen im bestehenden System nicht machbar, soll man
gleichzeitig im internationalen Wettbewerb bestehen können.
"Energieeffizienz vorantreiben zu wollen ohne die
Kraft-Wärme-Kopplung zu integrieren, ist ähnlich absurd, wie beim
Heimwerken zum Schraubenschlüssel zu greifen, wenn daneben der
Akkuschrauber liegt", so Hall. Die vom Wirtschaftsministerium
geplante Umsetzung der entsprechenden EU-Richtlinie gehe aus seiner
Sicht in die falsche Richtung und sei von der EU auch nicht so
intendiert. Schließlich seien die Vorteile der KWK für die
Bevölkerung mannigfaltig: saubere Luft, weniger CO2-Emissionen, hohe
Versorgungssicherheit bei gleichzeitig geringerem Bedarf an
importiertem Gas.

Zur Funktionsweise der Kraft-Wärme-Kopplung

In KWK-Anlagen werden Strom- und Wärmeerzeugung kombiniert. Die bei
der Stromproduktion entstehende Wärme wird ebenfalls verwendet und
nutzt so die vorhandenen Energieträger optimal aus: Durch die
gekoppelte Erzeugung von Strom und Wärme werden hohe Wirkungsgrade
erreicht, die zu einer Senkung des Primärenergieverbrauchs und der
Verringerung des Ausstoßes von schädlichen Treibhausgasen führen. Der
Wirkungsgrad gibt an, welcher Teil der Energie, die bei der
Verbrennung freigesetzt wird, auch tatsächlich genutzt werden kann.
Die von Wien Energie eingesetzten Kraft-Wärme-Kopplungen in den
kalorischen Kraftwerken erhöhen den Nutzungsgrad der eingesetzten
Brennstoffe von rund 40 bis 50 Prozent bei konventionellen
Stromerzeugungsanlagen auf bis zu 86 Prozent.

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