• 24.10.2012, 18:48:40
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"DER STANDARD"-Kommentar: "Skurriles Schauspiel" von Alexandra Föderl-Schmid

Der Nationalfeiertag wird für eine Militärschau genutzt, nicht zur Sachdiskussion - Ausgabe vom 25.10.2012

Utl.: Der Nationalfeiertag wird für eine Militärschau genutzt, nicht
zur Sachdiskussion - Ausgabe vom 25.10.2012=

Wien (OTS) - Wenn der Vorhang des Staates aufgeht, sehen wir an jedem
österreichischen Tag (und also auch am Nationalfeiertag) ein
Lustspiel für Marionetten." So beschrieb Thomas Bernhard seine
Gedanken "Zum österreichischen Nationalfeiertag 1977". Viel hat sich
nicht geändert, wenn man das alljährliche Spektakel auf dem
Heldenplatz betrachtet. Da rollen in den Tagen davor bereits Panzer
über den Ring und sorgen nicht nur bei Touristen für irritierte
Blicke. Kinder dürfen dann auf ihnen herumklettern und werden von
Soldaten in Uniform instruiert. Und das offizielle Österreich
marschiert zum Kranzniederlegen auf.
Man muss nicht unbedingt einen Blick von außen wie Derek Scully
haben, der die Form des offiziellen Gedenkens aus Anlass des
Nationalfeiertags in der Irish Times höchst "irritierend" fand. Seine
Einschätzung: Eine solche militärische Leistungs- und Gedenkschau
wäre in Irland undenkbar und sei angesichts der zur Schau getragenen
Neutralität widersprüchlich.
Das trifft erst recht auf die Politik zu. Denn beide
Regierungsparteien haben ihre Positionen innerhalb weniger Monate so
verändert, dass sie sich auf dem jeweils anderen Standpunkt
wiederfinden. Das gehört zu jenen österreichischen Skurrilitäten, die
nicht nur ausländischen Beobachtern unverständlich sind. Das hat mit
den Boulevardmedien und der Hörigkeit der Politik zu tun.
Das Spektakel am Heldenplatz in Blickweite des Burgtheaters könnte
sich heuer sogar noch zu einer Tragödie entwickeln. Wenn der Chef des
Generalstabs, Edmund Entacher, diese Freiluftbühne nutzt, um das zu
verkünden, was er bei einem (vom Ministerium finanzierten) Empfang
jüngst erklärt hat: Er werde mit Blick auf die Volksbefragung zur
Wehrpflicht im Jänner nicht schon im November in Pension gehen. Damit
stilisiert sich der glühende Wehrpflicht-Anhänger und Sozialdemokrat
unter Beifall der ÖVP zum Widerstandskämpfer und verstärkt den
Mitleidseffekt für seinen Minister Norbert Darabos (SPÖ), der nun mit
Verve das Gegenteil dessen verkündet, was vor kurzem noch seine
Überzeugung war.
Beide Koalitionsparteien werden die Gelegenheit des
Nationalfeiertages nicht ungenutzt verstreichen lassen, ihre
Standpunkte zu trommeln. Dabei wäre dies eine Chance, nicht zu
agitieren, sondern zu informieren. Und sich berechtigte Fragen zu
stellen: Wozu braucht man das Bundesheer? In dieser Form? Die Debatte
wird von zwei Themen überlagert, die mit dem militärischen Zweck
nichts direkt zu tun haben: Wer hilft im Katastrophenfall? Und was
passiert im Sozialbereich, wenn es keine Zivildiener mehr gibt?
Daraus könnte sich eine positive Debatte entwickeln: über den Wert
von freiwilligen Einsätzen, wie sie bei der Freiwilligen Feuerwehr
oder beim Roten Kreuz geleistet werden. Dass für ein freiwilliges
Soziales Jahr nicht einmal der Mindestlohn bezahlt werden soll, ist
beschämend.
Die Frage, wozu ein - noch dazu neutrales - Land mitten in der EU mit
gemeinsamer Außen- und Sicherheitspolitik und sogenannten
Battlegroups noch das Bundesheer im derzeitigen Zustand oder
militärisches Gerät wie Eurofighter braucht, wird nicht gestellt.
Nicht gestellt wird auch die Frage nach dem Sinn von
Kriegerdenkmälern. Denn was passiert an diesem Nationalfeiertag?
"Wenn wir genauer hinschauen, sehen wir, was wir immer gesehen
haben", schrieb Thomas Bernhard.

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