• 23.10.2012, 12:00:38
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  • OTS0135 OTW0135

Gemeinnützige: Kostentreibende Normen und Qualitäten gefährden leistbares Wohnen

Wien (OTS) - Immer höhere technische Ansprüche durch Bauordnungen,
Richtlinien (OIB) und ÖNORMEN sowie ständig steigende ökologische
Anforderungen und energetische Standards in den Wohnbauförderungen
haben in den letzten Jahren zu einem starken Anstieg der Baukosten
geführt. Gleichzeitig ist die Wohnbauförderung zuletzt in einigen
Bundesländern drastisch zurückgegangen. "In diesem Spannungsfeld aus
überbordenden technischen Normen und Qualitäten sowie knappen
Wohnbauförderungsmitteln", kritisiert Karl Wurm, Obmann des Verbandes
gemeinnütziger Bauvereinigungen, "droht das leistbare Wohnen
zunehmend unter die Räder zu kommen". Wurm fordert daher im Rahmen
der Parlamentsenquete zum Thema "Teure Normen?" eine Kurskorrektur im
sozialen Wohnbau. Nach Jahren ständig anwachsender kostspieliger
Qualitätsnormen braucht es nun eine Rückbesinnung auf die
Bereitstellung kostengünstigen Wohnraums.

Im geförderten Mietwohnungsbau sind die Baukosten zwischen 2001
und 2011 um fast 50% auf beinahe 2.000 Euro/m2 angestiegen. Zusammen
mit rückläufigen Wohnbauförderungsmitteln hat das zu einem deutlichen
Anstieg der Mieten in Neubauwohnungen auf durchschnittlich 7 Euro/m2
(inkl. BK, USt.) geführt. Ein Drittel des Baukostenanstieges in den
letzten 10 Jahren ist dabei auf zusätzliche qualitative und
technische Ausstattungen (Barrierefreiheit, Brandschutz etc.) und
energetische Standards (Dämmung, Be- und Entlüftung etc.)
zurückzuführen; zwei Drittel des Baukostenanstiegs resultieren aus
Baupreissteigerungen.

Zur Linderung des Kostendruckes schlägt GBV-Obmann Wurm eine
Durchforstung der baurechtlichen Bestimmungen nach
Kosteneinsparungspotenzialen und eine Redimensionierung der hohen
energetischen Anforderungen in den Wohnbauförderungen vor. Ersteres
lässt sich u.a. mit einer Reduktion der in den Bundesländern
unterschiedlich geregelten Stellplatzverpflichtungen (Tiefgaragen),
maßvollen Verringerung der Sicherheitsvorschriften (Brandschutz,
Wohnsicherheit), praxisgerechteren Grundrissgestaltung im Bereich der
Barrierefreiheit, kosteneffizienterer architektonischer Gestaltung
und einer weniger kostenintensiven Haustechnik (Be- und Entlüftung)
umsetzen. Was - zweitens - die steigenden energetischen Anforderungen
anbelangt, appelliert der GBV-Obmann an die "Kosten-Nutzen-Wahrheit".
Untersuchungen zum Energieverbrauch und den Kosten in den Gebäuden in
der gemeinnützigen Wohnungswirtschaft zeigen nämlich, dass die
verbesserte energetische Qualität eines Gebäudes kaum eine Reduktion
der laufenden Kosten bewirken konnte. Er führt dies vorrangig darauf
zurück, dass der tatsächliche Energieverbrauch nicht dem kalkulierten
und im Energieausweis dargestellten entspricht und sich darüber
hinaus in sehr energieeffizienten Wohngebäuden zusätzliche Kosten für
die laufende Wartung (v.a. Lüftung) ergeben.

Die Mehrkosten für die vorgeschriebenen energetischen Maßnahmen
werden derzeit noch zum Teil oder zur Gänze durch die
Wohnbauförderung abgestützt. Bei einem Wegfall oder einer Reduktion
der Förderung ist daher mit weiteren Mietsteigerungen zu rechnen. "In
Zeiten immer knapper werdender öffentlicher Mittel und einem
steigenden Bedarf nach leistbarem Wohnraum drohen die stetig
anwachsenden energetischen Vorschriften immer mehr zu einem Mühlstein
für den sozialen Wohnbau zu werden", so Wurm abschließend.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | VGB

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