• 10.10.2012, 12:00:53
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  • OTS0132 OTW0132

Stromversorgung in 50 Jahren - so sicher wie heute?

Pressegespräch zur 50. OGE-Fachtagung "Energie - 50 Jahre vorausgedacht"

Utl.: Pressegespräch zur 50. OGE-Fachtagung "Energie - 50 Jahre
vorausgedacht"=

Wien (OTS) - Wie sicher wird unsere Stromversorgung in 50 Jahren
sein? Das ist die zentrale Frage, der sich die Österreichische
Gesellschaft für Energietechnik (OGE) im OVE im Rahmen ihrer 50.
Fachtagung widmet. Das "goldene" Jubiläum ist dabei Anlass, einen
Blick in die Zukunft zu wagen und gleichzeitig die Basis zu schaffen,
diese aktiv mitzugestalten. Die diesjährige OGE-Fachtagung wird als
D-A-CH-Tagung gemeinsam mit den Energietechnischen Gesellschaften von
VDE und Electrosuisse organisiert.

Heute steht die Ökologisierung der Energiewirtschaft im
Mittelpunkt, motiviert durch das Erfordernis einer deutlichen
Reduktion des CO2-Ausstoßes und die Endlichkeit fossiler Ressourcen.
Bei der Stromerzeugung erfolgt ein Paradigmenwechsel hin zur
Produktion aus regenerativen Energiequellen.

Europäisch harmonisierter Strommarkt

"Wenn wir uns die Stromversorgung in 50 Jahren vorstellen, müssen
wir uns die Frage stellen, wie die Energieversorgung generell
aussehen wird. Der weltweite Strommix wird aktuell zu 80 % aus
fossilen Quellen gewonnen und nur zu 14 % aus erneuerbaren
Energieträgern. Bis 2050 müssen wir dies umdrehen und dabei möglichst
den Nuklear-Anteil auf 0 senken", führte Wolfgang Anzengruber,
Vorstandsvorsitzender von VERBUND, aus und ergänzte: "Der Kampf gegen
die Klimaerwärmung und die Endlichkeit der fossilen Energieträger
lassen keine andere Wahl".

"Der Ausbau der erneuerbaren Energieträger macht vor allem dort
Sinn, wo diese auch wirtschaftlich genutzt werden können, z. B.
Solaranlagen im Sonnengürtel Europas und Wind an den küstennahmen
Regionen des Kontinents. Das Energiewirtschaftliche Institut der
Universität Köln beziffert das Effizienzpotenzial bei zielgerichteter
Forcierung mit 174 Mrd. Euro bis 2020. Darum wird kein Weg an einem
europäisch harmonisierten Strommarkt und einem funktionierenden
CO2-Regime vorbeiführen", so Anzengruber. "Marktseitig wird sich ein
zukunftsfähiges Energiesystem nur etablieren, wenn nationalen
Alleingängen bei Fördermaßnahmen und Markteingriffen Einhalt geboten
wird", ist Anzengruber überzeugt. "Unabgestimmte Subventionen für
Erneuerbare Energien verteuern den Strompreis und verhindern derzeit
noch Effizienzfortschritte", so der VERBUND-Chef.

Die Industrie stellt sich den Herausforderungen

"Betrachtet man die aktuellen globalen Trends, wird klar, dass der
Aufbau einer modernen Strominfrastruktur in den Schwellenländern und
die Weiterentwicklung zu Smart Grids in den Industrieländern
essentielle Herausforderungen für die Industrie, aber auch für die
Politik, darstellen", skizzierte Franz Chalupecky,
Vorstandsvorsitzender der ABB AG Österreich, die Lage der
Energieindustrie. "Die Industrie stellt sich diesen Herausforderungen
und entwickelt bzw. optimiert moderne Technologien, u.a. in Hinblick
auf den Transport großer Elektrizitätsmengen bzw. die Einsparung
elektrischer Energie im industriellen Bereich." Auch wenn die
Industrie in diesem Bereich traditionell forschungsintensiv ist, sind
noch weitere Anstrengungen in Richtung Forschung & Entwicklung
erforderlich.

Konsequenzen der deutschen Energiewende

Prof. Jochen Kreusel, Vorsitzender der ETG im VDE, erläuterte die
technischen Konsequenzen der deutschen Energiewende: "Mit ihrem
Energiekonzept aus dem Herbst 2010 und dem anschließenden Beschluss
zum Ausstieg aus der Nutzung der Kernenergie hat die deutsche
Bundesregierung den grundlegenden Wandel in der elektrischen
Energieversorgung forciert. Die vorgesehene Entwicklung der zu
installierenden Leistung erneuerbarer Energien verdeutlicht dies
eindrucksvoll: Bereits heute übersteigt sie den elektrischen Bedarf
in Schwachlastzeiten, im Jahr 2020 wird sie auch die Spitzenlast
übertreffen, und im Jahr 2050, wenn die erneuerbaren Energien 80 %
der Last decken sollen, wird sie weit darüber liegen."

Die hohen Anteile von Wind- und Sonnenenergie bringen fundamentale
Neuerungen mit sich: "Zunächst sind vor allem Wasser- und Windenergie
standortgebunden. Die Folge ist ein steigender Bedarf an
Leistungs-Fernübertragung. Die zweite Veränderung ist der hohe Anteil
dezentraler Einheiten, die künftig zur Regelung des Ausgleichs von
Erzeugung und Verbrauch herangezogen werden müssen. Dies betrifft
gleichermaßen dezentrale Einspeiser wie flexible Verbraucher. Zuletzt
ist die Volatilität der neuen Quellen zu nennen. Diese Änderungen
haben weitreichende Auswirkungen und erfordern grundsätzlich neue
Lösungsansätze", so Kreusel.

Energiepolitisches Umdenken in der Schweiz

In der Schweiz besteht der Strommix derzeit zu 55 % aus
Wasserkraft und zu 40 % aus Kernkraft. Der Rest ist Strom aus kleinen
thermischen Anlagen, v. a. aus der Müllverbrennung. Ein Beschluss der
Landesregierung und des Parlaments sieht vor, die fünf bestehenden
Kernkraftwerke zwischen 2020 und 2040 schrittweise abzuschalten.
"Auch in der Schweiz soll der Atomstrom zukünftig durch Strom aus
regenerativen Quellen ersetzt werden. Laut der Studie "Energiezukunft
Schweiz" der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) ist dieses
Szenario grundsätzlich umsetzbar. Allerdings nur, wenn Industrie und
Politik am gleichen Strang ziehen. Auch die Bevölkerung ist
betroffen, denn es ist ein energiepolitisches Umdenken gefordert",
führte Reto Nauli, Präsident der ETG von electrosuisse aus.

Hohe Versorgungssicherheit in Österreich weiterhin
gewährleisten

OVE-Präsident Franz Hofbauer hob die hohe Versorgungssicherheit
für Stromkunden in Österreich hervor, die europaweit an dritter
Stelle liegt. Um diese hohe Versorgungssicherheit auch in Zukunft zu
gewährleisten, sind bereits heute die richtigen Schritte zu setzen:
"Das österreichische Hochspannungsnetz, aber auch die Verteilnetze
müssen ausgebaut werden. Zur langfristigen Finanzierung wäre eine
moderate Steigerung der Netztarife vorzunehmen. Weiters wäre eine
Verkürzung der Genehmigungsverfahren für den Netzausbau vonnöten.
Durch die dargebotsabhängige Stromproduktion werden innovative
Speichermöglichkeiten erforderlich, einerseits zentrale
Speicherkraftwerke, andererseits aber auch dezentrale Speicher.

Energieeffizienz zählt

Schließlich gilt es aber auch, das Bewusstsein der Kunden im
Umgang mit dem Strom in Hinblick auf Energieeffizienz - ohne
Komfortverlust - zu schärfen. Energieberatung wird daher an Bedeutung
gewinnen.

Gesellschaft, Politik, Industrie und Energiewirtschaft sind
gefordert

Alle Sprecher waren einer Meinung: Ja, unsere Stromversorgung wird
in 50 Jahren genauso sicher sein wie heute, sofern jetzt schon die
entsprechenden realistischen Szenarien entwickelt werden, die es
Gesellschaft, Politik, Industrie und Energiewirtschaft ermöglichen,
einen Leitfaden für die Umsetzung einer bedarfsgerechten und sicheren
Stromversorgung in den nächsten 50 Jahren zu erarbeiten. Einhelliger
Tenor: Wir brauchen weniger Visionen und mehr Professionalität und
Sachverstand!

Über die OGE:

Die Österreichische Gesellschaft für Energietechnik (OGE) ist eine
Fachgesellschaft im OVE, die Vertreter aus EVU, Elektroindustrie,
Wissenschaft, Forschung und Behörden vereint. Sie erstreckt ihre
Tätigkeiten auf das Gesamtgebiet der elektrischen Energietechnik und
unterhält Kontakte mit wissenschaftlichen Gesellschaften des In- und
Auslandes, die in ähnlichen Gebieten aktiv sind. Zu den Zielen der
OGE gehören die Förderung der wissenschaftlichen und technischen
Weiterentwicklung der elektrischen Energietechnik sowie die
Behandlung und Lösung von mit ihr in Zusammenhang stehenden Fragen
der Technik, der Wissenschaften und der Gesellschaft. Die OGE
unterstützt weiters die fachliche Fortbildung der auf diesem Gebiet
tätigen Ingenieure und Wissenschaftler durch Vorträge, Fachtagungen
und wissenschaftliche Publikationen.

Über den OVE:

Der Österreichische Verband für Elektrotechnik (OVE) repräsentiert
alle Bereiche der Elektrotechnik und Informationstechnik und vertritt
die Interessen seiner Mitglieder sowie der gesamten Branche auf
nationaler und internationaler Ebene. Seine Kerngebiete sind die
elektrotechnische Normung, die Zertifizierung, die Blitzortung und
Blitzforschung sowie die fachliche Aus- und Weiterbildung. Der OVE
ist der offizielle österreichische Vertreter bei IEC und CENELEC, den
internationalen und europäischen Normungsorganisationen für die
Elektrotechnik. Der OVE steht für die Förderung der Wissenschaft, die
Vertretung des Berufsstandes des Elektrotechnikers und für die
Sicherheit von elektrotechnischen Anwendungen. Die Aktivitäten seiner
Fachgesellschaften dienen dem Erfahrungsaustausch, dem Aufbau von
Expertennetzwerken und der Imagebildung.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | OVE

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