• 08.10.2012, 07:55:38
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"Zeit"-Chef Rainer Esser: Vernachlässigung von Print "schizophren und dumm"

Wien (OTS) - Scharfe Kritik von "Zeit"-Geschäftsführer Rainer Esser
an Vertretern der Verlagsbranche - Ähnliches Paywall-Modell wie jenes
der "New York Times" auch für die "Zeit" durchaus "vorstellbar".

Rainer Esser, Geschäftsführer der Hamburger Wochenzeitung "Die
Zeit" lässt in einem Interview mit dem österreichischen
Branchenmagazin "4c" (http://www.4-c.at) mit harter Kritik an jenen
Vertretern der Zeitungsbranche aufhorchen, die gedruckten Medien
keine Zukunft attestieren: "Der eine oder andere aus dem
Verlagsbereich, der sein Kerngeschäft nicht ausreichend durchdringt,
redet besonders gerne und oft über Online und dass Print nicht mehr
so läuft. Wer sein Kerngeschäft vernachlässigt, sollte es nicht
kleinreden, sondern die Klappe halten. Wer sein eigenes Geschäft, das
soviel Erfolg gebracht hat, schlecht redet, ist schizophren und
dumm.", so Esser im Gespräch mit 4c.

Esser glaubt, dass die gedruckte Zeitung eher an Bedeutung
gewinnen werde: "In der Realität wird Print für die Werbung immer
wichtiger. Unsere Kunden erreichen heute über Print noch wertvollere
Leser als noch vor zehn oder 20 Jahren. Gedruckte Zeitungen
konzentrieren sich immer mehr auf gebildete und gut verdienende
Menschen, die sich in der Gesellschaft engagieren und bereit sind,
sich auch länger mit Themen auseinander zu setzen, letztlich auch
Multiplikatoren sind. Das nützt den Anzeigenkunden sehr.", sagt
Esser.

Paywalls vor den Webauftritten der Zeitungsverlage hält Esser
indes für eine sinnvolle Lösung: "Wenn es allmählich eingeführt wird,
für Qualitätsinhalte auch im Netz eine angemessene Bezahlung zu
fordern, werden sich die Leser darauf einstellen. Gute
Voraussetzungen haben starke Marken mit starken Autoren und Inhalten,
die wenig austauschbar sind.", so der "Zeit"-Chef im Interview mit
4c.

Das Paywall-Modell der "New York Times" findet bei Esser
dementsprechend großen Gefallen: "Auch für uns ist dieses Modell
vorstellbar. Noch haben wir aber keine konkrete Planung dafür. Wir
müssen auch nicht die ersten sein, die das hier einführen.", sagt
Esser.

Eine Kurzfassung des Interviews mit Rainer Esser ist auf der
4c-Website unter http://www.4-c.at verfügbar, die Langfassung bringt
4c in seiner kommenden Printausgabe, die am 24. Oktober 2012
erscheint.

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