- 03.10.2012, 11:19:17
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Wahlärzte sichern Gesundheitsversorgung - bereits jeder dritte Österreicher geht zum Wahlarzt
Österreichweite Telefonumfrage vom Sommer 2012 bestätigt die Bedeutung der Wahlärzte für das österreichische Gesundheitssystem
Utl.: Österreichweite Telefonumfrage vom Sommer 2012 bestätigt die
Bedeutung der Wahlärzte für das österreichische
Gesundheitssystem=
Wien (OTS) - Mehr als die Hälfte der niedergelassenen Ärztinnen und
Ärzte in Österreich ordiniert in einer wahlärztlichen Praxis. "Das
öffentliche Gesundheitssystem, das im wohnortnahen Bereich durch
niedergelassene Kassenärztinnen und -ärzte repräsentiert wird, könnte
mittlerweile ohne die "ergänzende Funktion" der Wahlärztinnen und
Wahlärzte nicht aufrecht erhalten werden", betont Dr. Christoph
Reisner, Präsident der Ärztekammer für Niederösterreich, anlässlich
einer heute, Mittwoch, stattfindenden Pressekonferenz.
Vergleicht man die Ärztedaten aus den Jahren 1990, 2000 und 2010,
ist folgende Entwicklung deutlich erkennbar: "Während sich die
gesamte Ärztezahl in Österreich in den letzten Jahren 20 Jahren um 75
Prozent auf rund 40.000 vergrößert hat, ist die Zahl der
Kassenärztinnen und -ärzte mit rund 7.650 nahezu konstant geblieben.
Im Spital wurde um etwa 60 Prozent aufgestockt. Die Wahlärzteschaft
hat sich im Vergleichszeitraum nahezu auf das Sechsfache vergrößert",
so Dr. Reisner.
Patienten sehen Spitalstätigkeit von Wahlärzten als Vorteil
Der Umstand, dass etwa ein Drittel der Wahlärztinnen und Wahlärzte
hauptberuflich im Spital tätig ist, bringt für die Patientinnen und
Patienten Vorteile. "Dadurch wird sichergestellt, dass die große
medizinische Erfahrung und Kompetenz der Spitalsärzte auch in der
wohnortnahen Gesundheitsversorgung zur Verfügung stehen. Die
Wahlarztpraxis ist damit auch eine unentbehrliche Einrichtung in der
Optimierung der Nahtstellen zwischen Krankernhäusern und ambulanter
Betreuung", betont Dr. Reisner.
Wolfgang Bachmayer, Geschäftsführer der OGM Gesellschaft für
Marketing und für die Telefonumfrage verantwortlich, bestätigt diesen
Trend aus Sicht der befragten Patientinnen und Patienten: "Bereits
jeder dritte Befragte gab an, ein- oder mehrmals im heurigen Jahr in
wahlärztlicher Behandlung gewesen zu sein. Bei der Befragung im Jahr
2008 war das noch ein Viertel der Befragten. Hier ist eine
Entwicklung in Richtung Wahlärzte klar erkennbar." Lediglich in Wien
liegt der Wert weiterhin bei 25 Prozent und ist damit am niedrigsten,
was wohl "an der städtischen Struktur und der damit verbundenen hohen
Ärztedichte" liegt. Dr. Josef Huber, Präsident der Ärztekammer für
Kärnten, analysiert die Beweggründe für den immer häufigeren
Wahlarztbesuch: "Ein Internist mit Kassenvertrag hatte rein
statistisch gesehen im Jahr 1990 etwa 13.000 Einwohner zu versorgen.
2010 waren es schon 15.500 Einwohner. Da ist es vollkommen klar, dass
die Wartezeiten auf einen Arzttermin länger und die Behandlungszeiten
kürzer werden müssen." Das artikulieren auch die Patientinnen und
Patienten in unserer Umfrage ganz deutlich: "Raschere Termine und
mehr Zeit für den Patienten sind die hauptsächlichen Beweggründe für
Wahlarztpatienten, das Kassensystem zu umgehen. Beide Umfragewerte
haben sich annähernd gleich von 18 Prozent im Jahr 2008 auf 35
Prozent im Jahr 2012 entwickelt."
98 Prozent der Patienten sind hochzufrieden mit ihrem
Wahlarztarzt
Haben sich die Patientinnen und Patienten erst einmal entschieden,
zum Wahlarzt zu gehen, sind sie hochzufrieden. "Mit einem
Zufriedenheitsgrad von 98 Prozent ist die Wahlärzteschaft sicherlich
ganz oben in der Wertung der Dienstleister angesiedelt. Was
keinesfalls eine Abwertung der Kolleginnen und Kollegen im
Kassenbereich bedeutet, sondern ganz im Gegenteil. Drei von vier
Wahlarztpatienten attestieren auch Kassenärzten eine sehr gute oder
eher gute Betreuung." Trotzdem sind 42 Prozent der Patienten
überzeugt, bei Wahlärzten eine bessere medizinische Qualität zu
bekommen. "Aus meiner Sicht ist das jedoch die "gefühlte" Qualität,
die sich nicht aus besserer fachlicher Kompetenz, sondern einfach aus
einer "Mehrzeit für den Patienten" ergibt", so Dr. Huber.
Kürzungen im öffentlichen Gesundheitssystem fördern
Zweiklassenmedizin
Im Hinblick auf die geplante Gesundheitsreform fordert Univ. - Prof.
Dr. Thomas Szekeres, Präsident der Ärztekammer für Wien, dass die
Wahlärztegruppe als "stabilisierendes Element" in bevorstehende
Reformüberlegungen miteinzubeziehen sei. "Wahlärztinnen und Wahlärzte
sind aus der österreichischen Gesundheitsversorgung nicht mehr
wegzudenken. Sie schließen mittlerweile eine große Lücke in der
allgemeinmedizinischen und fachärztlichen Gesundheitsbetreuung. Sie
entlasten das stark strapazierte Kassensystem."
Genaue Daten sind nicht vorhanden, Schätzungen lassen jedoch zu,
dass bereits ein Viertel bis ein Drittel aller "kassenärztlichen
Arbeitszeit" von Wahlärztinnen und Wahlärzten geleistet wird. Und die
Entwicklung könnte sich im Zuge der Gesundheitsreform so fortsetzen:
"Einsparungen im öffentlichen System führen unweigerlich zu einer
stärkeren Inanspruchnahme der Privatmedizin, was Wahlärztinnen und
Wahlärzten zugute kommt. Gleichzeitig bedeutet es aber auch eine
Verabschiedung vom Solidarprinzip, das unser Gesundheitssystem in
Österreich ausmacht. Patienten, die sich eine Behandlung beim
Wahlarzt nicht leisten können, werden dann einen erschwerten Zugang
zur medizinischen Versorgung haben", so Dr. Szekeres.
Niederösterreicher wissen über Wahlärzte sehr gut Bescheid
Obwohl der Trend in Richtung Behandlung beim Wahlarzt deutlich
erkennbar ist, hinkt der Informationsstand seitens der Patientinnen
und Patienten über das Wahlarztsystem hinterher: "Der Wissensstand
ist noch verbesserungswürdig. Dass es eine Rückerstattung gibt, ist
zwar 73 Prozent der Befragten bekannt, über die Höhe wissen jedoch
nur vergleichsweise wenige Personen, nämlich 15 Prozent, Bescheid",
so Bachmayer. 89 Prozent der Niederösterreicher wissen zum Beispiel,
dass Wahlarzthonorarnoten bei der Kasse eingereicht werden können.
Das ist ein Spitzenwert. In Kärnten wissen 83 Prozent Bescheid, in
Wien 76 Prozent. Schlusslicht ist die Steiermark, wo der Wissenstand
zur Refundierung von Wahlarzthonoraren bei lediglich 57 Prozent
liegt. In Wien und Niederösterreich sind die Patienten am besten
informiert, nahezu jeder fünfte Befragte konnte sogar spontan die
Höhe mit 80 Prozent beziffern. Dr. Reisner verweist auf
Niederösterreich, wo bereits in den vergangenen Jahren unter seiner
Präsidentschaft einige Wahlärztekampagnen durchgeführt werden
konnten. "Unser Bundesland ist in Sachen Aufklärung führend. Nur
sechs Prozent aller Patienten können mit dem Begriff "Wahlarzt"
nichts anfangen, österreichweit sind es 21 Prozent. Immerhin eine
Steigerung, 2008 waren es noch 30 Prozent. Die Aufklärungskampagne
mit Schwerpunkten der vergangenen Jahre in Niederösterreich trägt
Früchte, es gibt aber trotzdem noch viel zu tun", so Dr. Reisner.
Die Tendenz zum Einreichen der Honorarnoten steigt leicht, mit 78
Prozent im Vergleich zu 75 Prozent im Jahr 2008. "Trotzdem reicht
immer noch knapp jeder vierte Patient die Honorarnote nicht bei der
zuständigen Kasse ein", so Dr. Huber. Die Gründe laut Befragung: "Nur
vier Prozent sind nicht über die Rückerstattungsmöglichkeit
informiert, 2008 waren das noch 18 Prozent." Für 15 Prozent ist die
Rückerstattung zu gering (2008 lag der Wert bei 16 Prozent)
beziehungsweise für 19 Prozent der Aufwand zu groß (2008 waren dies
14 Prozent). Für Dr. Huber ist die Rechnung vollkommen klar: "Die
Versorgungswirksamkeit nimmt zu, gleichzeitig nimmt aber die
Rückerstattung ab. Das System ist grotesk. Kassenärzte überschreiten
immer mehr Limits, dadurch sinkt der Rückverrechungsanteil für den
Wahlarztpatienten." Wahlärzte haben laut Dr. Huber schon einen hohen
Stellenwert im System, obwohl der Aufwand seitens der Kasse mit etwa
sechs Millionen Euro zu 85 Millionen Euro für Kassenärzte pro Jahr in
Kärnten eher gering ist. "Das sollte auch von der Kasse durch eine
stärkere Unterstützung, beispielsweise beim Ordinationsbedarf,
anerkannt werden."
Gesundheitssystem darf nicht durch medizinische Kürzungen
finanziert werden
In Bezug auf die kommende Gesundheitsreform ist man im südlichsten
Bundesland eher restriktiv. Nur zwei Prozent der Kärntner wären mit
Einschränkungen der ärztlichen Leistungen einverstanden. Der
Durchschnitt der Österreicher sieht dies anders, hier könnten sich
sogar zehn Prozent der Bevölkerung medizinische Kürzungen vorstellen,
in Oberösterreich liegt der Wert sogar bei 19 Prozent. 42 Prozent der
Kärntner, 43 Prozent der Wiener und 31 Prozent der Niederösterreicher
wollen eine andere Lösung als Einschränkungen der medizinischen
Leistungen, eine Erhöhung der Sozialversicherungsbeiträge oder eine
Erhöhung oder Einführung eines Selbstbehalts (österreichweit 30
Prozent).
Patienten wünschen sich Hausbesuche und Medikamente direkt vom
Arzt
Über die zentralen Patientenwünsche berichtet Dr. Szekeres aus der
Studie: "54 Prozent der Österreicher halten Hausbesuche für wichtig.
In diesem Punkt sind sich die Österreicher einig, es sind kaum
Unterschiede zwischen den Bundesländern erkennbar. Die
Medikamentenabgabe direkt durch den Arzt wünschen sich 66 Prozent der
Österreicher. Spitzenreiter ist das Burgenland mit 83 Prozent, Wien
liegt sicherlich aufgrund der hohen Apothekendichte bei 58 Prozent.
Ganz klar erkennbar ist auch, dass während der normalen
Ordinationszeiten der Besuch der Ordination eines Vertrauensarztes im
Vergleich zur Spitalsambulanz der Vorzug gegeben wird."
Zum Abschluss richtet Dr. Szekeres einen Appell an die Politik in
Bezug auf die bevorstehende Gesundheitsreform: "Besonders kritisch
sehe ich eine Kopplung der Gesundheitsausgaben an das BIP, wie es im
Zuge der Gesundheitsreform geplant ist. Diese Maßnahme ist sachlich
in keiner Weise nachvollziehbar, denn Krankheit und
Wirtschaftswachstum entwickeln sich niemals konform." Gerade sozial
schwächere Menschen, von denen es in wirtschaftlich schlechten Zeiten
mehr gibt, sind häufiger krank und auf das öffentliche
Gesundheitssystem angewiesen. "Die logische Folge wäre, dass in
diesen Zeiten mehr und nicht weniger Geld ins System fließen müsste.
Dazu kommt, dass die Therapiemöglichkeiten in der Medizin immer
umfangreicher und besser, aber auch teurer werden. Eine Entwicklung,
die nicht aufzuhalten sein wird." Nicht zu vernachlässigen ist auch
folgender Aspekt: Die Gesundheitsausgaben haben eine große Bedeutung
für die Wirtschaft. "Jeder ausgegebene Euro trägt
überdurchschnittlich zum Wirtschaftswachstum bei. Hier den Sparstift
anzusetzen, ist eine politische Entscheidung, die einen Rückschritt
bedeutet und somit abzulehnen ist", so das Resümee des Wiener
Ärztekammerpräsidenten.
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