• 28.09.2012, 19:19:39
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Ein Kandidat von Gnaden Hajo Schumacher über die Kür von Peer Steinbrück zum Herausforderer von Angela Merkel

Berlin (ots) - So, nun ist es raus. Peer Steinbrück wird die SPD in
den Bundestagswahlkampf führen. Der Kopilot der großen Koalition, den
Deutschen als krisenfester Navigator während der Finanz-Turbulenzen
2008 in Erinnerung, fordert seine damalige Chefin heraus. Eine
spannende Konstellation: ein Sozialdemokrat mit ökonomischem
Hintergrund gegen die Christdemokratin mit sozialem Touch - das Duell
erinnert an Schröder/Kohl 1998. Als eine Art Schröder zwo soll
Steinbrück Wähler der Mitte anlocken. Der Unterschied: Dem zur
Besserwisserei neigenden Steinbrück, der das SPD-Kernland
Nordrhein-Westfalen verlor, fehlt das Wahlkampf-Talent des
Altkanzlers. An Merkel hingegen haben sich die Deutschen offenbar
noch nicht so sattgesehen wie seinerzeit an Kohl. Schröder hatte mit
Lafontaine zudem den perfekten Hütehund für die Traditionalisten an
seiner Seite. Eine frühe Nominierung werde jeden Kandidat
verschleißen, lautete bisher das Dogma. Falsch. Der in der SPD
relativ einsame Steinbrück wird die kommenden zwölf Monate brauchen,
um Ortsverein für Ortsverein zu erobern. Mehr noch als Frank-Walter
Steinmeier steht der kühle Norddeutsche für das Spaltungs-Trauma der
Ära Schröder/Lafontaine, die in der Abspaltung der Linkspartei
gipfelte. Nur eine mobilisierte und geschlossene SPD aber wird in
einem unübersichtlichen Sechs-Parteien-Arrangement eine rot-grüne
oder rot-grün-gelbe Koalition zustande bekommen. Dass Steinbrücks
Wahlkampf vor allem auf den eigenen Laden zielt, beweist sein
forsches Bankenpapier. Hier trifft der einstige Finanzminister die
frühere Chefin zugleich an ihrer empfindlichsten Stelle: Weder die
CDU noch ihre Vorsitzende haben viel ökonomische Kompetenz zu bieten.
Und die in der Finanzkrise versprochenen Zähmungen der Geldwirtschaft
hat die Kanzlerin auch vergessen. Steinbrück ist kein Kandidat der
Herzen, sondern Resultat einer Negativauslese. Die Rivalen haben
zurückgezogen. Sigmar Gabriel schätzt seine Chancen realistisch ein.
Der Jüngste der drei wartet auf die Zeit nach den Stones.
Frank-Walter Steinmeier stecken die 23 Prozent von 2009 noch in den
Knochen. Sein Verzicht eröffnet dem besonnenen Machtmanager die
Chance, zum Schäuble der SPD zu werden. Er hat Schröder gedient, sich
als Kandidat geopfert, Opposition organisiert. 2013 könnte er in
einer SPD-geführten Regierung erneut Kanzleramtsminister werden oder
im Kampf gegen Gabriel um den Fraktionschefposten obsiegen. Fest
steht: Steinbrück ist ein Kandidat von Gnaden Dritter. Gut möglich,
dass der Mann dennoch die beste Wahl ist. Sollte sich die Konjunktur
eintrüben, ein harter Winter das Stromnetz überlasten, die Merkelsche
Euro-Politik sich als dauerhaft instabil erweisen, dann träfe der
Typus Steinbrück womöglich exakt ins emotionale Zentrum der Deutschen
- der Angst um den Wohlstand. Der Wahlkampf 2013, so viel steht fest,
wird eine Schlacht um den Kleinsparer. Und völlig offen ist, ob die
Deutschen eher dem Typus Mutti oder dem Modell Sparkassenleiter
vertrauen.

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