- 19.09.2012, 19:34:37
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"Ein großer Schritt ins Weite" Erzdiözese Wien stellt Neu- und Umbau der Pfarren vor
Bis 2022 will die Erzdiözese Wien ihre Pfarrorganisation neu bauen: Die Leitung der Gemeinden vor Ort wird verstärkt in die Verantwortung der Gemeindemitglieder gegeben.
Utl.: Bis 2022 will die Erzdiözese Wien ihre Pfarrorganisation neu
bauen: Die Leitung der Gemeinden vor Ort wird verstärkt in die
Verantwortung der Gemeindemitglieder gegeben.=
Wien (OTS) - PEW (19.9.2012) Pfarren werden aus mehreren Gemeinden
bestehen. Auch an der Pfarrleitung werden Laien beteiligt. Priester,
Diakone und PastoralassistentInnen werden in größeren Teams zur
Unterstützung der Gemeinden eingesetzt.
Als nächster Schritt des Erneuerungsweges der Erzdiözese Wien liegen
nun die Leitlinien für die Neugestaltung der Pfarrorganisation vor.
Sie werden in den kommenden zehn Jahren Grundlage des
tiefstgreifenden Umbaus der Erzdiözese seit der Pfarrreform Kaiser
Josephs II. vor mehr als 200 Jahren sein. "Es geht um Strukturen, die
dazu dienen, dass die Gemeinden vor Ort wirklich aus dem Glauben
leben und ihre missionarische Berufung neu entdecken können",
erklärte Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn dazu bei der
Präsentation der Leitlinien am diesjährigen Medienempfang der
Erzdiözese Wien.
Die Leitlinien stellten daher auch vielfach einen echten Neubeginn
dar, nicht bloß ein Nachjustieren des Bestehenden unter dem Aspekt
des Priestermangels und der nachlassenden Bereitschaft zum
ehrenamtlichen Engagement in der Kirche, so Schönborn, der die Reform
als "einen großen Schritt ins Weite" bezeichnete. Die Strukturen
müssen so beschaffen sein, dass sie die Kraftquellen der Kirche
freilegen und neu nutzbar machen.
Die Prämissen der Reform sind:
- Kirche ist missionarisch - oder nicht das, was sie sein soll.
- Träger der Mission der Kirche - von Apostolat und Seelsorge - sind
alle Getauften und Gefirmten.
- Das Bild, dass nur dort Kirche ist, wo ein Pfarrer ist, ist eine
historisch gewachsene Engführung, die korrigiert werden muss.
- Kirche ist Gemeinschaft - auch Leitungsämter sollen prinzipiell
gemeinschaftlich ausgeübt werden.
- Es braucht kleine, heimatgebende Gemeinschaften, in denen der
Glaube gelebt werden kann, genauso wie weite Strukturen, in denen
auch dazugehört, wer sich nicht binden will und in denen sich
innovative Initiativen entfalten können.
- Die Ressourcen müssen verantwortungsvoll eingesetzt werden, etwa
durch Bündelung und durch Auslagerung von Verwaltungsagenden.
Daraus hat die Steuerungsgruppe der Diözesanreform unter dem Vorsitz
des Erzbischofs folgendes Zielbild der Pfarre entwickelt, das in den
kommenden zehn Jahren zügig umgesetzt werden soll:
- Mehrere Priester (sinnvollerweise mindestens drei bis fünf) sind
aktiv in einer Pfarre eingesetzt. Einer davon ist als Pfarrer dem
Erzbischof letztverantwortlich.
- Die Leitung der Pfarre wird prinzipiell gemeinschaftlich
wahrgenommen und zwar von Priestern und Laien. Es gilt partizipative
Führung mit klarer Aufgabenzuteilung.
- Die Filialgemeinden (katholische Gemeinden vor Ort, die einer
größeren Pfarre angehören) werden in Gemeinschaft von Getauften und
Gefirmten ehrenamtlich geleitet.
- Im Mittelpunkt steht die gegenseitige Ermutigung zur Jüngerschaft,
d.h. zum Leben in der Nachfolge Christi.
- Der Einsatz von Priestern wie Laien soll charismenorientiert
erfolgen und alle kirchlichen Aktivitäten stärker missionarisch
ausgerichtet werden.
- Möglichst viele Menschen sollen am Sonntag den Pfarrgottesdienst
besuchen, es wird aber auch so sein, dass sich in Filialgemeinden
Gebetsgemeinschaften um das Wort Gottes versammeln.
Das bedeutet, dass die Pfarren deutlich weiträumiger werden.
Kooperative Modelle wie Pfarrverbände oder Seelsorgeräume sind
probate Übergangslösungen zur Neuen Pfarre, aber kein Endzustand. Das
wird unterstützen, dass die kirchlichen Strukturen den Menschen nahe
bleiben: "In neuen, weiträumigeren Pfarren sollen sich mehr und
lebendigere Gemeinden entfalten können."
Eine wichtige Rolle spielen auch die Ordensgemeinschaften, die nicht
nur eine große Zahl an Pfarren in der Erzdiözese betreuen, sondern
auch viele andere Dienste im kirchlichen Leben entsprechend ihrer
jeweiligen Ausrichtung verrichten. Sie stellen daher wichtige Partner
dar in einem Pfarrmodell, das den einzelnen Charismen, Begabungen und
Fähigkeiten mehr Raum geben soll.
Neue Strahlkraft
Als "eigentliche Herausforderung", um der Kirche wieder Strahlkraft
zu geben, bezeichnete Kardinal Schönborn die mit der strukturellen
Erneuerung eng verbundene geistige Erneuerung: "Wir sehen in den
vielen Aufbrüchen, die es mitten in einem müde gewordenen
europäischen Christentum gibt, dass die Kirche dort kraftvoll ist und
wächst, wo sie aus dem Glauben und nicht aus der Gewohnheit heraus
lebt." Gerade wenn die katholische Kirche sich anschicke, wieder mehr
hinauszugehen zu allen Menschen, müsse sie ihre eigenen Quellen neu
entdecken - den gemeinsamen Glauben, die Kraft der Sakramente - und
hier vor allem die Freude an der Gegenwart Gottes in der Eucharistie.
Daher werden Jüngerschaftsschulung und Katechese eine Schlüsselrolle
bei der Umsetzung der Reform spielen.
Laut Kardinal Schönborn wird die Erneuerung der Erzdiözese neue
Perspektiven eröffnen, aber auch den Menschen viel abverlangen:
"Jeder Aufbruch ist auch immer ein Abschied." Vieles müsse neu
gelernt werden; so seien zum Beispiel viele Priester gewohnt
innerhalb der Pfarre nicht mehr Gemeinschaft mit anderen Priestern zu
pflegen. Ein stärkeres Zusammenleben würde aber gerade ihnen helfen,
nicht zu vereinsamen oder zu verbittern und es vielleicht auch jungen
Menschen leichter machen, sich für den Priesterberuf zu entscheiden.
Die vielen offenen Fragen, die sich aus dem nun beschlossenen
Leitlinien ergeben, sollen in den kommenden Monaten intensiv in der
Erzdiözese diskutiert werden, um die Umsetzung der Reform ab Jänner
2013 zu beginnen. Ab 2022 soll die Erzdiözese Wien aus Neuen Pfarren
bestehen.
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