• 18.09.2012, 18:00:33
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OÖNachrichten-Leitartikel: "Die Grünen treffen auf einmal ins Tor", von Wolfgang Braun

Ausgabe vom 19. September

Utl.: Ausgabe vom 19. September=

Linz (OTS) - Geschätzt, aber nicht im selben Maß gewählt. Das war
lange das Los der Grünen in Österreich. Guten Umfragewerten folgte
nie der große Durchbruch bei Nationalratswahlen. Das Meisterstück,
eine Regierungsbeteiligung im Bund, blieb ihnen bisher verwehrt.
Manchmal standen sich die Grünen auch selbst im Weg und schwächten
sich durch interne Reibereien. Nicht selten waren sie einfach zu
blauäugig, um schöne Auflagen zu verwerten.
Umso bemerkenswerter ist der gestrige Schachzug Gabi Mosers. Die
Linzerin, grünes Urgestein im Parlament, wurde in den vergangenen
Tagen wegen einer Lappalie von SPÖ, ÖVP, FPÖ und BZÖ zum Rücktritt
von ihrer Funktion als Vorsitzende des
Korruptions-Untersuchungsausschusses aufgefordert. Die Motive waren
durchsichtig: Allen vier Parteien ist in unterschiedlicher Vehemenz
daran gelegen, den für sie unangenehmen Ausschuss rasch abzudrehen.
Mosers angebliche Verfehlung sollte als Argument herhalten. Mit ihrem
überraschenden Rückzug hat Moser der Phalanx der anderen Parteien den
Wind aus den Segeln genommen. Wer den Ausschuss weiter stoppen will,
kann sich nun nicht mehr hinter Scheinbegründungen verstecken.
Mosers Entscheidung ist nicht der einzige Pluspunkt, den die Grünen
in jüngster Vergangenheit gesammelt haben. Dass der Skandal-Sumpf in
Kärnten vor Gericht aufgedeckt werden konnte, war nicht zuletzt dem
beharrlichen Engagement des grünen Mandatars Rolf Holub zu verdanken.
Auch die von manchen anfangs belächelte Sommertour der grünen
Bundeschefin Eva Glawischnig trug Früchte. Glawischnig, die lange
einen abgekämpften Eindruck machte, zeigte österreichweit Präsenz,
knüpfte wertvolle Bürgerkontakte und wirkt seither wieder frischer
und fitter. Und schließlich gelang den Grünen sogar, was in der
Vergangenheit oft schiefging - nämlich ihre aktuelle Plakatkampagne.
Knackig und sympathisch wird der größte Trumpf der Grünen
präsentiert: "0 Prozent korrupt", heißt es da unter anderem. Die
Botschaft stimmt. In der von Skandalen und Affären gebeutelten
Innenpolitik können einzig die Grünen eine weiße Weste für sich
reklamieren. Langsam schlägt sich das auch in den Umfragen nieder.
Die Grünen sind in einem Hoch, bei dem jedoch noch nicht sicher ist,
ob es bis zur Wahl 2013 anhält. Aber wenn es so kommt, wäre es nicht
unverdient.

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