• 06.09.2012, 15:49:50
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H.P. Martin zu EZB-Anleihen-Entscheidung: "Notstrom-Aggregat angeworfen, Euro-Explosionsgefahr bleibt"

Bei den EZB-Maßnahmen könnte es um bis zu drei Billionen Euro gehen

Utl.: Bei den EZB-Maßnahmen könnte es um bis zu drei Billionen Euro
gehen=

Brüssel (OTS) - Als langjähriges Mitglied des Wirtschafts- und
Währungsausschusses des Europa-Parlaments nimmt der unabhängige
EU-Abgeordnete Hans-Peter Martin aus Österreich zu der heute
erfolgten Entscheidung des EZB-Rates Stellung:

"Die Entscheidung der Notenbanker der EZB ist eine paniknahe
Reaktion auf die Unfähigkeit der politischen Instanzen in der EU, die
Euro-Krise unter Kontrolle zu bringen. Die EZB setzt damit ihren
vorrangigen Auftrag, für Preisstabilität zu sorgen, auf Spiel.

Es ist wie bei einem schweren Unfall in einem Atomkraftwerk, wenn
von Unbefugten die Notstrom-Aggregate angeworfen werden. Der GAU
einer Euro-Explosion ist damit keineswegs abgewendet.

Die EZB-Maßnahme reiht sich ein in eine lange Kette von Maßnahmen
seit 2008, "um Zeit zu kaufen". Nunmehr droht eine ernst zu nehmende
Inflation in den Euro-Staaten. Diese zu verhindern, wie es die EZB
weiterhin ankündigt, kommt fast der Quadratur des Kreises gleich. Die
EZB macht sich jetzt mit Mario Draghis Diktum vom "Ausgleich des
schlechten Gleichgewichts mit zwei Säulen" zu einem massiven
politischen Player und verlässt damit den Kurs, welcher der EZB bei
ihrer Gründung vorgegeben war. Draghi hält sich bedeckt über die
Größenordnung für die angekündigten Maßnahmen. Berechnungen zufolge
könnte die EZB bis zu drei Billionen Euro einsetzen.

Um die Krise tatsächlich zu meistern, müssen wir jedoch in der EU
endlich die Finanzmärkte unter Kontrolle bringen - jeden Akteur,
jedes Institut, jeden Finanzplatz, wie Kanzlerin Angela Merkel dies
schon 2009 postulierte. Das ist die Aufgabe der gewählten Politiker
und nicht der Zentralbank.

Mein persönlicher Ratschlag, der sich auf die Erfahrungen als
Buchautor und Abgeordneter stützt, bleibt: Wer Geld zur Verfügung hat
und es anlegen möchte, sollte dies in Sachwerten tun.

Politisch wächst hoffnungsvoller Weise die Einsicht, dass über die
Zukunft der EU Volksabstimmungen entscheiden sollen, in Österreich
wie auch in Deutschland."

Hinweis: Die zum Ausdruck gebrachten Meinungen liegen in der
alleinigen Verantwortung der jeweiligen Verfasser und geben nicht
unbedingt den offiziellen Standpunkt des Europäischen Parlaments
wieder.

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