- 03.09.2012, 15:26:26
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Schiefermair plädiert für Beibehaltung des konfessionellen Religionsunterrichts
Verpflichtender Ethikunterricht problematisch für Minderheitskirchen
Utl.: Verpflichtender Ethikunterricht problematisch für
Minderheitskirchen=
Wien (OTS/epdÖ) - In die derzeit laufende Debatte um einen
Ethikunterricht an Österreichs Schulen schaltet sich jetzt auch der
evangelische Oberkirchenrat Karl Schiefermair ein. Dabei spricht
sich Schiefermair, der in der gesamtösterreichischen Kirchenleitung
für Fragen des Religionsunterrichts zuständig ist, deutlich für die
Beibehaltung des konfessionellen Religionsunterrichtes aus. Den
Ethikunterricht sollen demnach nur Schülerinnen und Schüler
besuchen, die sich vom Religionsunterricht abgemeldet haben.
Schiefermair wendet sich im Gespräch mit dem Evangelischen
Pressedienst gegen den Vorschlag des römisch-katholischen
Religionspädagogen Anton Bucher (Universität Salzburg), der anstelle
des konfessionellen Religionsunterrichts ein neues Schulfach "Ethik
und Religionskunde" für alle Kinder einführen möchte. Dieses solle
vom Staat in ökumenischer Kooperation mit den
Religionsgemeinschaften konzipiert werden.
Bucher übersehe, so Schiefermair, dass dieses Modell für Kirchen und
Religionsgemeinschaften, die in der Minderheit sind, höchst
problematisch sei. "Ein für alle verpflichtender Ethikunterricht
wird religiöse Minderheiten in einer Klasse wieder nicht zu Wort
kommen lassen. Minderheiten werden 'liberalkatholisch' durch einen
gemeinsamen Ethikunterricht 'assimiliert'." Öffentliche Schulen
seien verpflichtet, die Gleichwertigkeit von Religionen zu
gewährleisten, betont Schiefermair. Dies sei vor allem durch den
Religionsunterricht gegeben, in dem SchülerInnen nicht nur aus der
Außenperspektive über die Religion lernen, sondern sich auch
"qualifiziert um die Formulierungen der Innenperspektive bemühen
müssen". Dabei gehe es in erster Linie um das Erlernen einer
religiösen Sprachkompetenz und Sprachfähigkeit. "Diese ist in der
pluralistischen Gesellschaft eine Notwendigkeit. Ich möchte das
Erlernen religiöser Sprachkompetenz nicht den Koran-, Thora- und
Bibelschulen überlassen. Dies fördert Fundamentalismen jeder Art",
warnt der Oberkirchenrat.
Zusätzlich verweist Schiefermair auf eine aktuelle Studie von der
Berliner Humboldt Universität, die zeige, dass der evangelische
Religionsunterricht die größte interkulturelle und interreligiöse
Kompetenz lehre. Dazu komme, dass der konfessionelle
Religionsunterricht im Gegensatz zu einem Ethikunterricht
transparenter sei. SchülerInnen, Eltern und Lehrkräfte würden
wissen, woran sie beim Religionsunterricht sind. "Man gaukelt ihnen
keine 'weltanschauliche Neutralität' vor, die es nicht gibt". Da es
jedoch keine einheitliche "Ethik" gäbe, müsse schließlich der Staat
diese für den Unterricht vorgegeben, was Schiefermair ablehnt.
Bereits in der Vorwoche hat sich Thomas Krobath, evangelischer
Vizerektor der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule (KPH)
Wien/Krems, gegenüber religion.orf.at gegen den Vorschlag Buchers
ausgesprochen. Identität könne nur aus der religiösen Tradition
heraus entstehen, nicht aus einem Unterricht über Religion.
Schiefermair und Krobath sprechen sich ebenfalls gegen den Vorschlag
von Unterrichtsministerin Claudia Schmied aus, die im Rahmen einer
Diskussion bei den Alpbacher Technologiegesprächen einen
Ethikunterricht ausnahmslos für alle Schülerinnen und Schüler
gefordert hat.
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