- 30.08.2012, 10:44:43
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KONSUMENT: Süßstoff "Stevia" - Mythos Natürlichkeit
Aufwendige industrielle Herstellung und überraschende Zusätze
Utl.: Aufwendige industrielle Herstellung und überraschende Zusätze=
Wien (OTS/VKI) - Naturbelassen und kalorienarm: "Stevia" erfüllt auf
den ersten Blick beides. Die Süße stammt aus den Blättern der
Steviapflanze und hat nahezu keine Kalorien. Ein genauerer Blick
relativiert aber das Werbeargument des "natürlichen Zuckerersatzes".
Denn als Süßungsmittel zugelassen sind nur die Steviolglykoside, die
in einem aufwendigen industriellen Vorgang aus der Steviapflanze
herausgelöst werden. Dazu kommt, dass "Stevia" in Pulver- oder
Tablettenform häufig auch Konservierungsmittel, Stabilisatoren oder
Trennmittel enthält. Die Auslobungen auf den Produkten suggerieren
daher eine Natürlichkeit, die nicht den Tatsachen entspricht. Dazu
kommt, das Steviolglykoside oft weit gereist sind. Sie werden unter
hohem Energieaufwand derzeit vorrangig in China hergestellt.
"Ein Produkt als natürlich zu verkaufen, das mit großem
technologischem Aufwand hergestellt wird, ist an sich schon
überraschend. Erstaunlich ist aber auch, dass in ,Stevia'-Produkten
sehr oft andere Stoffe - darunter auch Zucker - für Süße sorgen", so
Franz Floss, Geschäftsführer des Vereins für Konsumenteninformation
(VKI). Bei 12 von 36 untersuchten Produkten fanden die Tester
weitere Süßungsmittel - am häufigsten den Zuckeralkohol Erythrit. In
zehn Produkten war Zucker enthalten - meist in Form von
Fruchtzucker, Apfelsaft oder Apfelsüße. Floss: "Produkte, die diesen
Süßstoff enthalten, können daher auch wesentlich mehr Kalorien
enthalten, als angenommen. Hier lohnt sich also ein kritischer Blick
auf die Zutatenliste."
Fazit: "Stevia" ist bei weitem nicht so natürlich wie in der
Werbung angepriesen, sprich: Es ist kein natürlicher Zusatzstoff.
Allerdings sind Steviolglykoside nicht besser oder schlechter als
andere Süßstoffe. Sie sollten aber in Maßen genossen werden, denn zu
den Auswirkungen einer chronischen Überdosierung des Süßstoffes gibt
es noch keine Studien.
Überraschende Zusätze
"Stevia" in Pulver- oder Tablettenform enthält häufig zusätzlich
Konservierungsmittel wie Kaliumsorbat oder Sorbinsäure,
Stabilisatoren wie Alkohol oder Trennmittel in Form von
Siliciumdioxid. Generell ist auffällig, dass sehr viele Produkte
diverse Ballaststoffe wie Inulin, Oligofruktose oder Maltodextrin
zugesetzt haben, um das fehlende Volumen auszugleichen. "Oftmals
werden aus technologischen oder geschmacklichen Gründen auch andere
Süßstoffe, Zucker oder Zuckeraustauschstoffe beigemengt", erläutert
VKI-Ernährungswissenschafterin Katrin Mittl. "Steviolglykoside haben
keine konservierenden Eigenschaften und es fehlt ihnen an Volumen.
Der reine Süßstoff ist daher zum Einkochen bzw. Backen nur bedingt
geeignet."
Auch für Diabetiker sind Steviolglykoside nur bedingt geeignet.
Zwar werden diese insulinunabhängig verstoffwechselt und sind daher
eine Alternative bei Typ-1-Diabetes. Bei Typ-2-Diabetes und auch
generell gilt: Kuchen und Süßigkeiten nur in geringen Mengen
verzehren, unabhängig davon, ob in ihnen "Stevia" ein anderer
Süßstoff oder Haushaltszucker steckt. Beim Konsumenten darf nicht
der Eindruck entstehen, dass derartige Lebensmittel unbedenklich
konsumiert werden können, nur weil sie mit Steviolglycosiden gesüßt
sind.
"Stevia" im Geschmackstest
Im Geschmackstest konnten sich mit Steviolglykosiden gesüßte
Produkte im Vergleich zu mit Zucker und anderen Süßungsmitteln
gesüßten Produkten nur schwer behaupten. Verkostet wurden u.a.
Ketchup, Fruchtjoghurt, Vanilleeis und Milchschokolade. Lediglich
ein Joghurt kam bei den Testern besser an als die gezuckerte
Konkurrenz. Schokolade mit Steviolglykosiden erzielte im Vergleich
das schlechteste Ergebnis.
Leitlinie zur Bewerbung von "Stevia"-Produkten
Wie dürfen "Stevia"-Produkte beworben werden, ohne dass sie den
Verbraucher in die Irre führen? Hierzu gibt es seit Juni 2012 eine
Leitlinie des Bundesministeriums für Gesundheit, derzufolge etwa die
Bezeichnungen "mit Steviolglykosiden", "mit Steviolglykosiden aus
pflanzlicher Quelle" oder auch "mit Süßstoff Steviolglykoside aus
Stevia" korrekt sind. Blumige Formulierungen wie "mit Stevia" oder
"natürlich gesüßt" sollen mit der neuen Leitlinie der Vergangenheit
angehören. "Jene Hersteller, die mit ihren Produkten diesen Vorgaben
noch nicht entsprechen, haben uns zu verstehen gegeben, dass sie mit
Hochdruck an der Umsetzung der Leitlinie arbeiten. Wir sind gespannt
und werden im kommenden Jahr genauer unter die Lupe nehmen,
inwieweit dies auch erfüllt wurde", so Floss.
Weitere Informationen zum Thema gibt es auf www.konsument.at und
ab dem 30.8. im September-KONSUMENT.
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