• 29.08.2012, 11:34:44
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Schulstart für 220.000 Wiener Kinder

Wien (OTS) - Am 3. September ist Schulbeginn in Wien - derzeit
laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren, um den Start für alle
Schüler so optimal wie möglich zu gestalten. Im Rahmen einer
Pressekonferenz skizzierte heute, Mittwoch, Wiens Amtsführende
Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl die Schwerpunkte für
das kommende Schuljahr.

Insgesamt beginnt am 3. September für rund 220.000 Wiener
Schulkinder in allen Schulen und Schularten ein neues Schuljahr,
ihrem ersten Schultag fiebern schon jetzt rund 17.000 Taferlklassler
entgegen. Allen Schülern, insbesondere aber den Schulneulingen
wünschte Brandsteidl einen "erfolgreichen Start" und empfahl den
Eltern, "sich insbesondere während der ersten Schultage Zeit zu
nehmen und immer ein offenes Ohr für ihre Kinder zu haben. Denn nur
so können bereits frühzeitig etwaige Probleme, die zu Schulfrust
führen können, vermieden werden."

Alle Kinder lernen lesen

Der seit 2011 vom Stadtschulrat an allen Schulen implementierte
Leseschwerpunkt wird auch in diesem Schuljahr weiter intensiviert.
Die Leseoffensive umfasst dabei - neben einer 'Startwoche Lesen' am
Beginn des Schuljahres Lese-Intensivkurse - auch sogenannte
Crashkurse, die erstmals regional flächendeckend durchgeführt
werden. Diese Crashkurse sind speziell für Kinder vorgesehen, die
erst spät in unser Schulwesen eintreten und nur sehr geringe
Deutschkenntnisse besitzen.

Neues Angebot für Schulen: Am Beginn des Schuljahres erhalten
alle Volksschulen, Hauptschulen und AHSen ein von der "SOKO Lesen"
erstelltes "Lesecheck-Paket" (quasi eine "Schultüte für die
Lehrer"). In diesem Paket finden sich neue Tools zur besseren
Förderung leseschwacher Schüler sowie Diagnoseinstrumente, mit deren
Hilfe die Stärken und Schwächen der Schüler genauer erhoben werden
können. Neu ist auch, dass diese Diagnose- und Testinstrumente alle
Schüler bereits ab der Schuleinschreibung begleiten: So wird im
Rahmen der Schuleinschreibung gesondert die phonetische Entwicklung
der Kinder überprüft und in der 1. Klasse im Dezember ein so
genannter "Acht Buchstaben"-Test durchgeführt. In einer
"Mai-Überprüfung" werden in Folge alle Kinder der 1. Klassen in
ihrer altersadäquaten Lesekompetenz überprüft. Der Gedanke dahinter:
Je früher Kinder in dieser Entwicklung getestet werden, desto
erfolgreicher können Erstlesedefizite erkannt, bekämpft und
überwunden werden.

Begleitet wird dieses "Lesecheck"-Paket für die Schulen von
zahlreichen Schulungsmaßnahmen. Von Vorteil ist dabei auch, dass
erstmals alle Lehrer, die dieses Schuljahr eine 1. Klasse
übernehmen, bereits an der Pädagogischen Hochschule eine umfassende
Leseweiterbildung absolviert haben.

Und natürlich wird es auch in diesem Schuljahr wieder den großen
"Wiener Lesetest" - vom Stadtschulrat gemeinsam mit dem BIFIE
durchgeführt - geben. Brandsteidl: "Der Wiener Lesetest ist kein
Selbstzweck. Uns geht es nicht darum, nur zu testen und Ergebnisse
zu produzieren, sondern darum, auf Basis dieser Ergebnisse Schule
und Schüler besser zu machen." Dass dies teils bereits gelungen sei,
werde unter anderem bei der Auswertung des Lesetests 2012 klar.
Dieser zeigte, dass die Zahl der extrem leseschwachen Schüler
gegenüber dem Vorjahr leicht verringert werden konnte. Besonders
positiv jedoch ließ sich erkennen, dass die erneut getesteten
schlechten Leser des vorigen Tests durch intensive Förderung im
Schuljahr in ihrer Lesekompetenz deutlich verbessert werden konnten.
Konkret:

4. Schulstufe: Die Gruppe der allerschlechtesten Leser hat sich mehr
als halbiert und liegt nun in der 4. Schulstufe bei 3,9 Prozent
(2011: 10,5 Prozent).

8. Schulstufe: Die Gruppe der allerschlechtesten Leser hat sich
nahezu halbiert und liegt nun in der 8. Schulstufe bei 3,7 Prozent
(2011: 6,9 Prozent).

Nachtestung 4. Schulstufe: 2.729 ehemalige Schüler der 4.Schulstufe,
die sich im Jahr 2011 auf der schwächsten Kompetenzstufe 1 befanden,
wurden nachgetestet. Nach dem Wiener Lesetest 2012 auf der
5.Schulstufe verteilen sich von diesen 2.729 Schüler/innen, 2
Prozent (55 Personen) auf die Stufe 3, 61,3Prozent (1.673 Personen)
auf die Stufe 2 und "nur" 36,7 Prozent (1.001 Personen) sind
weiterhin auf der Stufe 1 geblieben.

Alle Kinder in Wien sprechen mindestens zwei Sprachen

Wie von Bürgermeister Häupl postuliert, sieht es der
Stadtschulrat als Aufgabe, dass jedes Wiener Schulkind zumindest
zwei Sprachen sprechen muss. Um dies sicherzustellen, gibt es ein
breites Angebot an Maßnahmen. Diese reichen von der Kernaufgabe der
Schule, allen Kindern eine hohe Kompetenz im Verständnis sowie
mündlichen und schriftlichen Ausdruck in der Unterrichtssprache
Deutsch zu vermitteln, bis hin zu zahlreichen bilingualen Angeboten
an Wiens Schulen.

Als Neuerung im kommenden Schuljahr werden beispielsweise nun
die im Testbetrieb im Frühjahr durchgeführten "Neu in Wien"-Kurse
institutionalisiert. Brandsteidl: "Gerade Seiteneinsteiger, die
teils ohne oder mit nur rudimentären Deutschkenntnissen in unsere
Schulen kommen, sind 'prädestinierte Bildungsverlierer'. Die einzige
Möglichkeit, ihre Bildungs- und somit Zukunftschancen zu verbessern,
besteht darin, sie rasch in die Lage zu versetzen, dem Unterricht
folgen zu können. Mit den neuen Einsteigerkursen gelingt es, hierfür
ein flexibles Fördermodell anzubieten."

Die "Neu-in-Wien-Einstiegskurse" in den Wiener Pflichtschulen
der Sekundarstufe 1 werden als Sprachförderkurse für
außerordentliche Seiteneinsteiger geführt und als dislozierter
Unterricht von 8 bis 13 Uhr in der jeweiligen Schulregion angeboten.

Zielgruppe: Seiteneinsteiger/Neuankömmlinge, die einen
außerordentlichen Status haben, kürzer als 6 Monate in Österreich
sind, in der Anfangsphase des Spracherwerbs stehen, in ihrer
Erstsprache alphabetisiert sind und Schulen besuchen, in denen kein
Sprachförderkurs angeboten werden kann.
Kursdauer: Insgesamt können die Kurse (3 Module je nach
Sprachniveau) bis zu 27 Wochen (=270 Stunden) besucht werden. Jeder
Modulkurs umfasst 90 Stunden, nach dessen Absolvierung erfolgt der
Aufstieg in den nächsten Kurs oder - bei geringem Lernerfolg - die
Kurswiederholung.
Kursort: verkehrsangebundener Schulort in der Region
Kursende: Zertifikat über erfolgreichen Abschluss.

Alle Kinder in Wien gehen zur Schule - vom ersten Schultag an

Im Frühjahr dieses Jahres wurde in Wien - österreichweit
einzigartig - ein Schulschwänz-Beauftragter eingesetzt. Hintergrund
dieses Schrittes war und ist es, notorisches Zu-Spät-Kommen,
einseitige Urlaubsverlängerungen, die Nicht-Teilnahme an
schulbezogenen Veranstaltungen oder auch den 'spontanen Verzicht'
auf Nachmittagsunterricht zu bekämpfen. Denn, so Brandsteidl,
"Schulschwänzen ist kein Kavaliersdelikt, sondern oft der Beginn
einer Entwicklung, die in negativen Schulkarrieren von Jugendlichen
mündet. Umso wichtiger ist es, frühzeitig Maßnahmen zu setzen und
eine Kultur des Nicht-Wegschauens bei Schulschwänzen an unseren
Schulen zu etablieren."

Für die kommenden Wochen kündigte Brandsteidl an, dass der
Schulschwänz-Beauftragte erste Ergebnisse, Erkenntnisse und
Maßnahmen seiner Arbeit präsentieren werde. Bereits heute konnte
Brandsteidl zwei Broschüren, die sich dem Thema Schulschwänzen
widmen, vorstellen. So wurde eine Elternbroschüre erarbeitet, in der
Eltern über die pädagogischen und rechtlichen Problematiken des
Schulschwänzens informiert werden. Mehr als das bietet die Broschüre
aber auch konkrete Hilfestellungen sowie einen Adressteil mit
Kontaktmöglichkeiten zu Beratungsstellen. Zudem wurde eine so
genannte rechtliche Handreichung zum Thema Schulabsentismus
erarbeitet. Diese legt Direktoren und Lehrern die gesetzlichen
Grundlagen dar und bietet anhand von konkreten Fällen zahlreiche
Best-Practice-Beispiele für erfolgreiche Interventionen.

Ebenfalls berichtete Brandsteidl, dass derzeit die Möglichkeiten
der Entwicklung eines SMS-Meldesystems für alle Wiener Schulen und
Schüler sowie deren Eltern geprüft werde. So technisch realisierbar
und finanzierbar, sei geplant, durch dieses System Eltern per SMS
schnell darüber zu informieren, wenn ihre Kinder unentschuldigt
nicht am Unterricht teilnehmen.

Neue und/oder generalsanierte Schulen

Jenseits der Pädagogik präsentierte Brandsteidl exemplarisch
eine Reihe von baulichen Maßnahmen, die das schulische Angebot in
Wien in diesem Schuljahr qualitativ wie quantitativ deutlich
verbessern sollen. So sind im Bereich des Bundesschulbaus
insbesondere folgende Projekte zu nennen:

Sanierung und wesentliche Erweiterung des GRg15 in der
Diefenbachgasse: Das GRg15 wurde 1911 gegründet, der Schule fehlten
zuletzt wesentliche Funktionsbereiche und ein barrierefreier Zugang
zu den Unterrichtsräumen. Im Rahmen der Erweiterung wurden auf der
Nachbarliegenschaft daher naturwissenschaftliche Unterrichtsräume,
ein Turnsaal mit Dachspielfläche, Flächen für Nachmittagsbetreuung,
Verpflegungseinrichtungen sowie zusätzliche Pausen und
Garderobeflächen geschaffen. Auch für Lehrer und Verwaltung gibt es
ab Herbst mehr Platz. Insgesamt stehen der Schule 3.721 Quadratmeter
im Neubau und über 3.200 Quadratmeter an Freiflächen mehr zur
Verfügung.

business.academy.donaustadt: Die business.academy.donaustadt in der
Polgarstraße wird derzeit durch einen Zubau um 50 Prozent vergrößert
und die zwei, seit beinahe 30 Jahren existierenden Schulstandorte,
werden zusammengeführt. Dieser Neubau soll jedoch nicht "nur" eine
Erweiterung um Klassen sein, um so den Zustrom an Schülern gerade im
Raum über der Donau aufzufangen, sondern er soll auch neuen
pädagogische Ideen Platz- und Gestaltungsmöglichkeiten bieten. Auf
dem Erweiterungsgrundstück im Ausmaß von 10.574 Quadratmeter
(verbaute Fläche Zubau: 3.472 Quadratmeter, Außenfläche Zubau: 7.103
Quadratmeter) wird derzeit ein Neubau bis Dezember 2012
fertiggestellt.

Wassermanngasse in Floridsdorf - Generalsanierung: Die Schule in der
Wassermanngasse, Höhere Bundeslehranstalt für Tourismus und Höhere
Bundeslehranstalt für wirtschaftliche Berufe, ist eine ehemalige
Volksschule die bereits 1979 dem Bund zur Verfügung gestellt wurde.
Mit der Fertigstellung des Neubaus am Firnbergplatz, konnte mit der
Sanierung des Gebäudes begonnen werden. In 2 Bauetappen wurde die
Schule generalsaniert. Mit dem Schuljahr 2012/2013 beginnend, wird
sich in den nächsten Jahren die Klassenanzahl an dieser Schule auf
24 steigern.

KMS Simonsgasse wird Teil der AHS/WMS Contiweg: Eine innovative
Lösung konnte in "baulicher Hinsicht" für den Zustrom, den die AHS
und WMS (=Wiener Mittelschule) Contiweg in der Donaustadt erfährt,
gefunden werden. So wird die KMS Simonsgasse künftig - aufsteigend
mit den ersten Klassen - als Teil der AHS/WMS Contiweg geführt. Eine
entsprechende Regelung wurde zwischen den zuständigen Stellen des
Landes (Bezirk und MA 56) sowie dem Bund getroffen.

Weiters wurde für das GRg 17, Parhamerplatz, und die
Zentrallehranstalt Rosensteingasse eine neue Dreifachturnhalle samt
Nebenräumen fertiggestellt.

Schulneubau im Bereich der Pflichtschule

Zur Schaffung neuer Schulplätze läuft auch im Bereich der Wiener
Pflichtschulen der Schulbau auf Hochtouren: Noch in diesem Jahr
fällt der Startschuss für den Bau der neuen Berufsschule in der
Embelgasse, diese soll mit Beginn des Schuljahres 2014/15 in Betrieb
gehen.

Weiters erfolgt derzeit der Umbau des Gebäudes in Wien 7,
Burggasse 14-16, zur Führung einer 11-klassigen Polytechnischen
Schule, die Erweiterungen der Volksschulen 19., Mannagettagasse 1,
und 23, Kirchenplatz 2-3 sowie die Adaptierung der Allgemeinen
Sonderschule in Wien 20, Treustraße 9.

Im Rahmen des Schulsanierungspakets werden 2012 insgesamt
Arbeiten an 154 Standorten mit einem Kostenausmaß von rund 52 Mio
EUR weitergeführt. Mit Ende 2012 werden voraussichtlich bereits 33
Schulgebäude fertig saniert sein, wobei die einzelnen
Sanierungsinvestitionen je Standort von 18.000 EUR bis 4 Mio EUR
reichen.

Sieben neue Ganztagsschulen

Ab Herbst 2012 wird es in der Kolonitzgasse in Wien-Landstraße,
Florian-Hedorfer-Straße in Simmering, in der Diesterweggasse in
Penzing, in der Wichtelgasse in Hernals, in der Mannagettagasse in
Döbling, am Campus Donaufeld in Floridsdorf und am Brioschiweg in
der Donaustadt neue Ganztagsvolksschulen geben. Damit hat Wien ab
Herbst 36 Ganztagsvolksschulen, vier Ganztagshauptschulen und drei
Ganztags-AHS-Standorte.

Tag der Wiener Schulen

Eine wichtige Informationsmöglichkeit für alle Eltern bei der
Wahl der richtigen Schule für ihr Kind ist der "Tag der Wiener
Schulen", der am 5. Oktober 2012 zum vierten Mal in über 700 Wiener
Schulen stattfinden wird. Hierbei präsentieren sich die Schulen in
ihrer alltäglichen Praxis und mit ihren unterschiedlichen Konzepten.
So individuell wie die verschiedenen Schultypen, Schwerpunkte und
Menschen, so vielfältig und abwechslungsreich ist auch das Programm
am Tag der Wiener Schulen. Brandsteidl lud abschließend "alle Eltern
und jeden Interessierten ein, diesen Tag zu nutzen, um sich ein
persönliches Bild von der Qualität der Wiener Schulen zu schaffen."
(Schluss) ssr

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NRK

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