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"Die Presse" - Leitartikel: Und Heinz-Christian Strache garantiert Rot-Schwarz, von Rainer Nowak
Ausgabe vom 25.08.2012
Utl.: Ausgabe vom 25.08.2012=
Wien (OTS) - Der von Kärntner Parteifreunden, Frank Stronach und
organisatorischen Schwächen geplagte FPÖ-Chef hat seine Chance
vertan, ernst genommen zu werden.
Lang hat es so ausgesehen, als würde ausgerechnet die FPÖ von den
Korruptionsvorwürfen gegen Selbstdarsteller der Ära Schwarz-Blau und
folgender profitieren. Doch auf die Kärntner war in der FPÖ schon
immer Verlass, spätestens mit Uwe Scheuch und seinen Telefonaten zur
reibungslosen Vergabe von Staatsbürgerschaften war klar, die volle
Distanzierung vom System Jörg Haider kann und wird Heinz-Christian
Strache nicht mehr gelingen. Dazu kamen Fälle in den eigenen Reihen:
Martin Grafs sonderbare Geschäfte für eine alte Dame passten nicht
zum Bild einer Partei der Anständigen, Ehrlichen und Witwentröster.
Auch wenn die Aufregung über Grafs finanziell erfolgreiche Teestunde
in Wien-Döbling gewaltig war, schwerer wiegt die organisatorische
Schwäche der FPÖ: Ausgerechnet die Wiener Landespartei, Heimat und
Schatztruhe Straches, versagte und überließ den Parkpickerlaufstand
kampflos der kleinen Wiener ÖVP. Auch beim Thema direkte Demokratie
war es die ÖVP in der Gestalt des jungen Sebastian Kurz, die mit
frischen - zum Teil noch unausgegorenen - Vorschlägen punkten
konnte. Strache reagiert auf die Unbill der vergangenen Monate
menschlich verständlich: Er ging auf Urlaub auf die Insel, die er
als Leidenschaft mit Wolfgang Fellner teilt, und verriet via
Facebook vor allem Details seines glücklichen Privatlebens auf
Ibiza. Zu Hause bahnte sich inzwischen eine weitere Katastrophe an:
Mit Frank Stronach betrat ein Populist die Bühne, der Strache in
jedem Fall Stimmen kosten wird und noch lustiger formuliert als
Herbert Kickl. Stronachs scharfe Anti-EU-Linie und die Forderung
nach der Rückkehr zum Schilling wären wohl die Wahlkampflinie der
FPÖ gewesen. Die Partei reagierte kopflos, unterstellte Stronach
vorerst wirtschaftspolitischen Realitätsverlust, um wenig später die
Urheberschaft aller Eurokritik für sich selbst zu deklarieren.
Straches FPÖ war kurz genau das, was sie ist: eine Altpartei.
Natürlich kann in einem Jahr alles ganz anders sein und der
austrokanadische Glanz Stronachs schon wieder verblichen sein.
Immerhin wurde Strache wie sein Bedarfsvorbild Jörg Haider schon
mehrmals abgeschrieben, dank der Performance der Regierung ging es
immer wieder bergauf. Aber das ist völlig egal, denn Strache hat es
verabsäumt, die Weichen zu stellen und sich weiterzuentwickeln.
Selbst die begeisterten Sozialistenverzehrer in der ÖVP - so wenige
sind das nicht - treten nicht mehr offen für Schwarz-Blau ein. Das
liegt weniger an Straches lauter Kritik am Milliardengeldregen für
Europatienten und wackelnde Banken, die formulieren viele
Konservative nur stichhaltiger. Nein, es ist die Mischung aus
inhaltlicher Leere hinter den Attacken einerseits und dem
Eingeständnis, dass er Getriebener seiner Partei, oder besser
bestimmter Kreise seiner Partei ist, andererseits. Gelang es Jörg
Haider letztlich, einen Ewald Stadler als Klubobmann loszuwerden,
müht sich Strache mit Martin Graf sogar ab, wenn der intern unter
Druck steht. Auch sonst ist es Strache kaum gelungen, Mitstreiter zu
rekrutieren oder Talente zu fördern. Von seinem Wiener Statthalter
Johann Gudenus hört man wenig bis nichts. Auch Rhetorik- und
Textberater Kickl dürfte mehr Freizeit haben, als er benötigen
würde.
Inhaltliche Gegenentwürfe zur groß-koalitionären Suada vermisst
man ebenso wie eine Idee, wohin und mit wem eine rechte Regierung
das Land führen würde. Das soll hier nicht nach Krokodilstränen
klingen. Aber 18 Prozent aller Stimmen nur als Auftrag zu verstehen,
im Parlament lauter als die anderen zu sein und sonst in den Clubs
der Stadt Jungwähler zuzuwinken, zeugt von allzu großer Liebe für
guten Lebensstil und lange Wochenenden. (Haider erreichte einst 26,9
Prozent, das nur zum Potenzial Straches.) Vielleicht ist es genauso
das Schicksal Heinz-Christian Straches: Er ist und bleibt der
unterbeschäftigte und stets erwartbar bös-provokante
Oppositionschef, seine Auftritte, die dadurch automatisch
ausgelösten Empörungen und Warnungen vor dem Aufstieg des Faschismus
sind nur Teil eines gut eingespielten österreichischen Rollenspiels
und gehören zum Lokalkolorit. Strache regiert nicht. Er bellt nur.
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