- 22.08.2012, 12:44:16
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Liebentritt (bOJA) in Alpbach: "Jugendliche sind keine Probleme, die man lösen muss!"
Offene Jugendarbeit schafft fachlich fundierte Angebote und stärkt die Orientierungsmacht junger Menschen.
Utl.: Offene Jugendarbeit schafft fachlich fundierte Angebote und
stärkt die Orientierungsmacht junger Menschen.=
Wien (OTS) - Die Geschäftsführerin von bOJA (Bundesweites
Netzwerk für Offene Jugendarbeit), Mag.a Sabine Liebentritt,
zeichnet beim diesjährigen Europäischen Forum Alpbach 2012:
"Erwartungen - Die Zukunft der Jugend" ein für alle Anwesenden sehr
eindrückliches Bild über "die Lebenswelten junger Menschen." Was
sich daraus ganz klar ableitet ist die Botschaft "Jugendliche sind
keine Probleme, die man lösen muss." Liebentritt erläutert, dass
gesellschaftliche Probleme keine "Jugendprobleme" sind und ein
kleiner Teil der jungen Menschen vielleicht ernsthafte Probleme
haben, für die sie Unterstützung brauchen. Die Expertin betont aber
im Besonderen, dass alle jungen Menschen Zutrauen und Vertrauen
brauchen, das ihnen seitens der Gesellschaft entgegen gebracht
werden müsse. Liebentritt fragt provokant in die Runde: "Wer traut
jungen Menschen heute tatsächlich noch etwas zu? Viele sind doch mit
der Haltung da, dass etwas nicht stimmt und wollen etwas für die
jungen Menschen verändern. Was es tatsächlich braucht sind
Perspektiven- und Paradigmenwechsel und die Bereitschaft jungen
Menschen mehr Macht zukommen zu lassen." Dass Jugendminister
Reinhold Mitterlehner (BMWFJ) bei der Erarbeitung der
österreichischen Jugendstrategie wesentlich die Expertise von bOJA
und der jungen Menschen aus der Offenen Jugendarbeit berücksichtigt
hat, sei ein wichtiges Signal an alle EntscheidungsträgerInnen junge
Menschen als ExpertInnen ihrer Lebenswelten und der daraus
resultierenden Herausforderungen ernst zu nehmen.
Handlungsbedarf: Was jungen Menschen gut tut
Gerade deshalb sieht Liebentritt Handlungsbedarf im Bereich
Offene Jugendarbeit. "Vor allem vor dem Hintergrund, dass sich
75.000 Jugendliche zwischen 16 und 24 Jahren außerhalb des
Ausbildungs- und Erwerbssystems befinden, müssen wir mit
bedürfnisorientierten und nachhaltigen Angeboten ansetzen. Nur ein
niederschwelliger, lebensweltorientierter Zugang, wie eben Offene
Jugendarbeit, erreicht auch jene Jugendliche, die sich außerhalb des
Schul- und Erwerbssystems befinden", sagt die
bOJA-Geschäftsführerin.
"Und wenn wir also darüber sprechen wollen, was jungen Menschen
überhaupt gut tut und ihrer Entwicklung und Entfaltung ihrer
Möglichkeiten und Potentiale förderlich ist, dann gibt es folgende
drei Schlüsselbegriffe, die dem Rechnung tragen: FREIRÄUME,
WAHLFREIHEITEN UND EXPERIEMTNIERFELDER - dies gilt es zu
ermöglichen. Das bedeutet Orientierungsmacht für junge Menschen", so
Liebentritt weiter.
Bildungsperspektiven - Lebensperspektiven
Liebentritt weist darauf hin, dass eine neue hier in Alpbach
präsentierte Umfrage der WKÖ der Mehrzahl der Jugendlichen eine
"positive Zukunftssicht" attestiere. Gleichzeitig habe WKÖ-Präsident
Christoph Leitl auch eingeräumt, dass zwar "mehr als die Hälfte" der
15- bis 25-jährigen "optimistisch" sei, aber "ein Viertel" sich
"jedoch Sorgen" mache. Liebentritt: "Die Perspektiven der
zurückgelassenen Jugendlichen sind dramatisch schlecht. Unser Ziel
muss daher sein, die Chancengleichheit im Schulsystem und die
verbesserte Nutzung der Möglichkeiten, die die Offene Jugendarbeit
insbesondere in Bezug auf die informelle/non-formale Bildung bietet,
zu heben." Damit unterstreicht bOJA die Forderung von Minister
Reinhold Mitterlehner nach mehr Anerkennung informeller und
non-formaler Bildung.
Keine Ausbildungspflicht - Ein Recht auf gute (Aus)Bildung
für alle!
"Es ist zu begrüßen, dass alle jungen Menschen, Chancen für eine
gute berufliche Entwicklung erhalten sollen. Doch auch hier geht es
um einen drastischen Haltungswechsel: Es ist nicht die Pflicht der
jungen Menschen. Das System bzw. die Gesellschaft muss den jungen
Menschen das Recht und damit einhergehend die Möglichkeiten
einräumen. Offene Jugendarbeit ist gerne bereit ihr Know-How für
Maßnahmenentwicklungen zur Verfügung zu stellen", so Liebentritt
abschließend.
Offene Jugendarbeit bedeutet professionelle freizeit- und
lebensweltbezogene Angebote mit und für junge Menschen entwickelt,
die in Jugendtreffs, Jugendzentren oder der mobilen Jugendarbeit in
ganz Österreich freiwillig von allen jungen Menschen angenommen
werden können. "Diese Freiräume gilt es auszubauen und nicht laufend
einzuschränken. Das würde die realen Perspektiven von Jugendlichen -
und damit auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt - gerade auch
mittelfristig dramatisch verbessern", sagt Liebentritt.
Über bOJA
bOJA ist das Bundesweite Netzwerk für Offene Jugendarbeit, dient
als Plattform für Wissens- und Informationsaustausch und vernetzt
Menschen, Ideen, Projekte, Einrichtungen - national und
international. bOJA unterstützt das Erwachsen werden für Jugendliche
in Österreich, indem es mit seinen Partnern im Handlungsfeld der
Offenen Jugendarbeit (soziale Einrichtungen, Wirtschaft, Verwaltung,
Bildungswesen, etc.) zusammenarbeitet und als Sprachrohr und
Interessensvertretung für die Bedürfnisse von jungen Menschen aus
der Offenen Jugendarbeit agiert. bOJA hat sich zur Aufgabe gesetzt,
die Qualitätsstandards in der Offenen Jugendarbeit voranzutreiben
und das Bewusstsein für die Bedeutung von Offener Jugendarbeit zu
heben. Geschäftsführerin von bOJA ist Mag.a Sabine Liebentritt. bOJA
wird gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und
Jugend. www.boja.at
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