- 10.08.2012, 17:00:01
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"KURIER"-Kommentar von Martina Salomon "Hat Österreich noch Weltklasseniveau?"
Nur mit Spezialisierung und Leistungsbereitschaft sind Stockerlplätze erreichbar.
Wien (OTS) - Angesichts des heimischen Katzenjammers über die
Olympischen Spiele vergisst man beinahe deren Grundprinzip. Und das
lautet ja nicht: "Alles ab dem vierten Rang ist wertlos", sondern
"Dabei sein ist alles". So gesehen ist es natürlich ungerecht, die
beiden fünftplatzierten Kanutinnen sowie die Segler und den Schwimmer
Dinko Jukic, die Platz vier und damit "Blech" errangen, als Verlierer
abzustempeln.
Trotzdem ist niemandem gedient, wenn nun heimische
Sportfunktionäre das Debakel beschönigen: Denn Österreich hat bei
diesen Olympischen Spielen so schlecht abgeschnitten wie seit einem
halben Jahrhundert nicht. Daraus muss Sportminister Darabos
ernsthafte Konsequenzen ziehen. Im KURIER-Interview (Freitag-Ausgabe)
hat er angekündigt, weniger auf die Gießkanne und mehr auf
"Prime-Sportarten" zu setzen.
Sein Wort in Gottes Ohr. Denn wo kann ein kleines Land wie
Österreich international erfolgreich sein? Natürlich nur in Nischen.
So ist zum Beispiel die Vorarlberger Firma Doppelmayr bei den
Seilbahnen Weltmarktführer. Wir sind auch Spitze bei Wein, bei der
Musik (wobei die Stars meist aus Osteuropa importiert werden) und
beim Slalom-Skifahren.
Spitze und Breite Womit wir wieder beim Sport wären. Wer "schneller,
höher stärker" sein will (das olympische Motto), muss auch für Breite
sorgen. Aber hier liegt ebenfalls vieles im Argen. So hat die
angebliche Sportstadt Wien zwar einige Event-Highlights. Aber die
Infrastruktur für Schwimmer ist mehr als jämmerlich. Es gibt kein
echtes Ballsport-Zentrum, nicht einmal ein international herzeigbares
Stadion. Beim Fußball wird viel Geld in die Haus- und Hofvereine der
regierenden Stadtpartei gesteckt. Aber angesichts der unterklassigen
Ergebnisse dürfte es sich nicht um die "Nische" handeln, die Darabos
meint.
Mensch-Maschinen Man kann ruhig auf das amerikanische Bildungswesen
schauen, wo der College-Sport eine überaus wichtige Rolle spielt. Bei
uns hingegen hat man jahrelang den Sport (wie auch handwerkliche und
musische Fächer) als quasi minderwertige Stunden aus dem
Unterrichtsplan gedrängt. Niemand will "asiatische Zustände", bei
denen Kinder schon im Vorschulalter für den Spitzensport selektiert
werden und als zu trainierende Mensch-Maschine betrachtet werden.
Aber die Frage muss erlaubt sein, ob eine Gesellschaft, die Leistung
immer mehr verachtet, auch in Zukunft erfolgreich sein kann. Da geht
es nicht nur um Olympische Spiele, sondern auch um Wissenschaft und
Wirtschaft, und damit um die soziale Absicherung aller. Denn
Letztere fällt ja nicht vom Himmel (wie immer mehr Bürger in ihrer
postmaterialistischen Bequemlichkeit glauben), sondern muss
erarbeitet werden.
Gelegentliche vierte Plätze zeigen: Wir halten in wenigen
Teilbereichen noch mit der Weltelite mit. Aber wenn wir jetzt nicht
schnell wieder "anzahn", wird der Sinkflug weitergehen. Und zwar in
allen Bereichen.
Rückfragehinweis:
KURIER, Innenpolitik
Tel.: (01) 52 100/2649
mailto:[email protected]
www.kurier.at
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