- 24.07.2012, 10:15:14
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NÖ Ärztekammer: 100 Millionen Euro Einsparpotenzial pro Jahr im NÖ Gesundheitssystem machbar
Geschickte Verlagerung ärztlicher Leistungen vom Spital in den niedergelassenen Bereich hat enormes Potenzial
Wien (OTS) - 2,9 Millionen ambulante Behandlungen an Patientinnen
und Patienten werden in Niederösterreich jährlich in den Spitälern
durchgeführt. Ein Großteil davon ließe sich aus medizinischer Sicht
auch bei niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten durchführen. Die
Behandlungen werden jedoch deshalb in den Ambulanzen durchgeführt,
weil das Angebot im Bereich der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte
zum Bedarfszeitpunkt nicht ausreichend ist. "Volkswirtschaftlich
gesehen eine enorme Verschwendung", kritisiert Dr. Christoph Reisner,
Präsident der NÖ Ärztekammer. "Leider jedoch Realität, die sich
aufgrund der unterschiedlichen Geldflüsse zur Finanzierung der
Spitäler und niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte im Laufe der Jahre
eingeschlichen hat. Was man jedoch leicht beheben könnte."
Der Ärztekammerpräsident rechnet vor: "Eine ambulante Behandlung
im Spital kostet nach offiziellen Zahlen 78 Euro. Die vergleichbare
Behandlung im niedergelassenen Bereich schlägt laut
Abrechnungsstatistik mit 26 Euro zu buche. Rein rechnerisch werden
hier 150 Millionen Euro unserer Steuergelder pro Jahr unnötig
vernichtet, weil wir bisher nicht in der Lage waren, die
Patientenströme vernünftig zu lenken. Dabei wäre das problemlos
möglich."
Geld muss vom Spital in den niedergelassenen Bereich fließen
Um eine Verlagerung gewährleisten zu können, muss man einen Teil
des Geldflusses verschieben. "Das von uns entwickelte Modell basiert
auf der Grundannahme, dass 75 Millionen Euro jährlich vom Spital in
die Niederlassung fließen. Damit könnte man zusätzliche 40 volle
Facharztstellen sowie 100 volle Stellen für Allgemeinmediziner
finanzieren. Damit könnte man einen Großteil des medizinischen
Bedarfs zur üblichen Wochenarbeitszeit abdecken", so Präsident Dr.
Reisner.
Um den Bedarf an den Wochenrandzeiten bzw. in den Abendstunden
abdecken zu können, schlägt er vor, zusätzliche 40 Gruppenpraxen im
fachärztlichen Bereich bzw. 100 allgemeinmedizinische Gruppenpraxen
(ohne Honorarabschläge) zu etablieren. "Und für die Nachtstunden bzw.
am Wochenende sind in unserem Modell 52.000 zusätzliche, fair
honorierte 12-Stunden-Dienste niedergelassener Ärztinnen und Ärzte
vorgesehen." Abgerundet wird die Kalkulation durch Werbemaßnahmen, um
die Bevölkerung auf das neue optimierte Angebot aufmerksam zu machen.
100 Millionen Euro Sparpotenzial jährlich, plus enormer
medizinischer Nutzen
Die Gesamtrechung kann sich sehen lassen: "Durch diese Maßnahmen
ließen sich rechnerisch 135 Millionen Euro pro Jahr einsparen. Wenn
wir gewisse "Reibungsverluste" einkalkulieren, ist man mit 100
Millionen Euro auf der sicheren Seite", so Präsident Dr. Reisner
weiter. Und nicht nur das: "Der medizinische Nutzen, den dieser Umbau
durch die Verbesserung der wohnortnahen Versorgung für die
Bevölkerung brächte, ist enorm." Für den Ärztekammerpräsidenten ist
diese Berechnung jedenfalls beispielhaft, in welche Richtung eine
sinnvolle Gesundheitsreform zu gehen hat. "In solche Maßnahmen ist
das Geld allemal besser investiert, als in medizinisch sinnlose
EDV-Milliardengräber."
Natürlich ist das ein Modell, für dessen vollständige Umsetzung es
Jahre bräuchte. "Hand in Hand müsste der Leistungskatalog im
niedergelassenen Bereich modernisiert und an den aktuellen Stand der
medizinischen Möglichkeiten angepasst werden, die Bürokratie muss
massiv zurückgefahren werden. Damit die Tätigkeit als niedergelassene
Ärztin bzw. niedergelassener Arzt im Kassensystem wieder attraktiv
wird", so der Ärztekammerpräsident abschließend.
Die Kalkulation
Derzeitige Kosten Spitalsambulanzen 225.000.000 "Extramuraler Ausgleich" 75.000.000 Zusätzliche niedergelassene Fachärzte 11.000.000 Zusätzliche niedergelassene Allgemeinmediziner 19.000.000 Zusatzkosten Gruppenpraxen Fachärzte 7.500.000 Zusatzkosten Gruppenpraxen Allgemeinmediziner 13.500.000 Zusätzliche 12h-Dienste NGL 19.000.000 Werbemaßnahmen 5.000.000 Wert der zusätzlichen ärztlichen Leistungen 70.000.000 Ersparnis dadurch im Spital 210.000.000 Restkosten Ambulanzen 15.000.000 Kosten "Extramuraler Ausgleich" 75.000.000 Gesamtkosten im Spital nach Auslagerung 90.000.000 Gesamtersparnis 135.000.000
Rückfragehinweis:
Pressestelle der Ärztekammer für Niederösterreich
Michael Dihlmann
Tel.: 0664/144 98 94
mailto:[email protected]
www.arztnoe.at
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