- 23.07.2012, 13:24:24
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Frühpensionen: "Die Presse" zeigt Interesse an Richtigkeit
Wien (OTS) - In den letzten Wochen habe ich mich mehrmals
konfrontativ gegen "Klatsch" und "Bullshit" im Zusammenhang mit
Medien-Berichten über angebliche Privilegien der Wiener
Gemeindebediensteten zu Wort gemeldet. So wurden etwa über die
Frühpensionierungen der Wiener Beamten Aussagen getätigt, die
inhaltlich unhaltbar, für die allermeisten Betroffenen kränkend und
verkaufsfördernd skandalisierend waren.
In der heutigen Ausgabe der Tageszeitung "Die Presse" berichtet
Herr Karl Ettinger über die Vergleichbarkeit von Bundesbediensteten
und Wiener Gemeindebediensteten. Dabei ist eindeutig erkennbar, dass
er an einem Verstehen der Unterschiede interessiert ist. Dieses echte
Interesse an der Richtigkeit der Darstellung macht den Unterschied zu
einer Bullshit-Einstellung aus, wo man eben nicht an der Richtigkeit,
sondern an der Erhöhung der Verkaufszahlen der Zeitung oder der
Vermehrung von Stimmen bei Wahlen interessiert ist.
Für dieses Interesse möchte ich an dieser Stelle Herrn Ettinger
meine Anerkennung und meinen Dank aussprechen.
Da es an dieser Stelle aber um das Bemühen um Richtigkeit geht,
möchte ich einige Anmerkungen anschließen, die meiner Meinung nach
trotzdem noch nicht wirklich passend gegenübergestellt werden:
Das Anführen der Gesamtzahl der Bediensteten in Bund und Gemeinde
Wien lässt keinen genauen Vergleich zu, da in dieser Zahl die
Vertragsbediensteten enthalten sind und darüber wiederum keine
Durchschnittszahlen betreffend der Frühpensionierungen existieren.
Die normalerweise gegenüber gestellten Zahlen der Frühpensionierungen
beziehen sich auf pragmatisierte Beamte, für die Bund und Gemeinde
Wien Pensionsleistungen zu tragen haben.
Bis Mitte der 80er-Jahre wurden in Wien Berufsgruppen
pragmatisert, die in belastenden Bereichen beschäftigt wurden und für
die sich die Gemeinde keine adäquate Besoldung leisten konnte. Für
diese künstliche "Aufblähung" des Pragmatisierungsanteils liegen aber
leider keinerlei Zahlen vor, womit ein Vergleich zwischen Bund und
Gemeinde Wien sehr schwierig ist.
Wenn also Gemeinde Wien und Bund hinsichtlich der Anteile an
belastenden Berufen im Zusammenhang mit den Frühpensionierungen
verglichen wird, dann muss man bei den Beamten bleiben und dabei dann
die Berufsgruppen mit besonderen Belastungen vergleichen. Der
Rechnungshof hat in seiner Erhebung in Wien ca. 26.000 Beamte gezählt
und hat rund 6.000 davon den Verwaltungstätigkeiten zugeordnet. Damit
wäre - entgegen der Berechnung des Presse-Redakteurs - doch der
Anteil an "Nicht-Verwaltungspersonal" in Wien deutlich höher.
Herr Ettinger verweist in seinem Beitrag beispielsweise auch auf
den großen Anteil an pädagogischem Personal im Bund und erwähnt den
Bildungsbereich der Gemeinde Wien - entsprechend den Auskünften aus
Ministerium und Stadtratsbüro. Bei dieser Gegenüberstellung bleibt
aber unterbelichtet, dass in dem einen Bereich überwiegend
Akademiker/innen junge Menschen unterrichten - was bestimmt ein sehr
schwieriger Job ist, im anderen Bereich die Kolleg/innen aber mit
Kleinkindern arbeiten. Das heißt z. B., dass Kindergärtner/innen über
Jahrzehnte unter Lärmbelastungen arbeiten, die in Betrieben zum
Einschreiten des Arbeitsinspektorats führen würde - was übrigens
arbeitsmedizinisch bestens dokumentiert und praktisch nur durch viel
kleinere Gruppen verbesserbar wäre. Zusätzlich ist durch das Arbeiten
auf "Augenhöhe" mit den kleinen Menschen eine Belastung der
Wirbelsäule verbunden, die bei sehr vielen Kolleg/innen zu einem
frühzeitigen Ausscheiden aus dem Beruf führt.
Ich möchte an dieser Stelle noch einmal klarstellen, dass wir über
viele dieser Unterschiede zu wenig Informationen haben und deshalb
all diese Vergleiche nur Annäherungen an "die Richtigkeit" sind. Ich
möchte auch keiner Berufsgruppe im Bund oder in der Privatwirtschaft
Belastungen oder Engagement absprechen. Bevor aber eine Neid- und
Privilegiendebatte geschürt wird, sollte man bessere Daten
erarbeiten.
Andererseits sind machbare Verbesserungen für eine gesündere
Arbeitswelt, wie z.B. kleinere Gruppen in Kindergärten,
alternsgerechte Arbeitsplätze in der Pflege, ein professionelles
Betriebliches Eingliederungsmanagement, oder gute Bildungsangebote
für Umstiegsmöglichkeiten von Beschäftigten in Schwerarbeitsjobs
endlich umzusetzen - was natürlich nicht nur für Pragmatisierte gilt,
sondern selbstverständlich für alle Arbeitnehmer/innen.
Dies würde natürlich Kosten verursachen - langfristig rechnet sich
dies aber auf alle Fälle. Hier sollten Bürgermeister Häupl und
Stadträtin Frauenberger ansetzen und nicht bei einer entbehrlichen
Kritik an den Amtsärzt/innen der Gemeinde Wien, die auch einen guten
Job machen.
Rückfragehinweis:
Kurt Obermülner, MAS (Mediation) Vorsitzender Fraktion Christlicher Gewerkschafter in der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten, Kunst, Medien, Sport, freie Berufe - Wien 1090 Wien, Maria Theresien Strasse 11 Homepage: www.fcg-gdg-kmsfb.at Tel.: (01) 31316-83682, Handy: 06767068511
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