• 07.07.2012, 19:04:13
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"Kleine Zeitung"-Kommentar: "Verräterische Häme" (Von Hubert Patterer)

Ausgabe vom 8.7.2012

Graz (OTS) - Warum dem Land zu einem wie Frank Stronach kein
entspanntes Verhältnis gelingt.

Sonderbar zwiespältig ist das Verhältnis der Hiesigen zu Menschen,
die es in der Fremde zu etwas gebracht haben und vermögend und
durstig nach Anerkennung heimkehren. Das Verhältnis pendelt zwischen
überspannter Bewunderung und Feindseligkeit. Es ist leicht
neurotisch.

Das Unterwürfige mag eine Projektion sein. Man blickt auf zu jenen,
die Träume, die man selbst auch einmal träumte, spektakulär wirklich
machten. Das jähe Umschlagen ins Gehässige rührt von der eigenen
Nicht-Erfüllung des Ersehnten. Es wuchert im Land eine eigentümliche,
nicht sehr anmutige Form spießiger Missgunst. Das Land tut sich
schwer mit Respekt vor Erfolg. Und wenn dieser Erfolg dann auch noch
materialisiert sichtbar ist, bläht sich der Neid und paart sich mit
antikapitalistischem Ressentiment. All das lässt sich wunderbar
illustrieren an Studienobjekten wie Mateschitz, Schwarzenegger oder
eben Frank Stronach. Zu ihm sagen sie nicht entspannt
Wirtschaftstreiber, sondern abfällig "Opa" wie der schneidige Josef
Cap, oder sie identifizieren ihn als Milliardär wie die
Zukurzgekommenen.

Stronach gab diese Woche der Zeit im Bild II ein Interview. Weil er
auf einen kritischen Filmbericht umgehend replizieren wollte, ohne
die Frage der Moderatorin abzuwarten, wurde er in den Medien als
bizarres Exotikum verhöhnt. Rede nur, wenn du vorher gefragt wirst,
das war der Imperativ, über den sich Stronach hinweggesetzt hatte. Er
verstieß gegen ein Gebot aus der Schulzeit und aus dem ORF. Das tut
man nicht. Häme, setzen.

Stronach möchte seinen Erfahrungsschatz als Arbeitgeber
vergemeinschaften und eine Bewegung gründen. Er findet, dass
Österreich schön, aber erstarrt ist. Der Befund und das Bemühen,
daran etwas zu ändern, verdienen Billigung und ein Grundmaß an
Wertschätzung. Auch wenn sie noch kein konzises wirtschaftsliberales
Konzept ergeben: Die Forderungen zur Entschlackung des Staates und
Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit klingen vernünftig. Wo sich
Widersprüchliches auftut, wird man Stronach behelligen müssen: Warum
einer, der in globalen Maßstäben denken und handeln gelernt hat, im
Wiener Boulevard nationalistischen Eigensinn bewirbt. Warum er "das
System" schmäht, wo er jahrelang Akteure des Systems in die Firma
schleuste. Oder: Warum die Zuneigung zum Land an den Pforten der
umfassenden Steuerpflicht stockt.

Hier sind Anfragen an Stronach zu richten, spottfrei. Ihn als senilen
Egomanen herabzuwürdigen, ist unwürdig; erst recht, wenn das
Establishment daran lustvoll mittut. Aus dem Spott spricht Furcht. Da
könnte einer die Kreise stören. Soll er nur. ****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at

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