Wadani: "Die SPÖ will uns in Reih und Glied mit Wehrmacht und Waffen-SS stellen!"

Wehrmachtsdeserteure wehren sich gegen Vereinnahmung in der Krypta am Heldenplatz

Wien (OTS) - Das Personenkomitee "Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz" verwehrt sich mit aller Vehemenz gegen die offenbar geplante Integration der Wehrmachtsdeserteure in einen nationalen Denkmalpark am Äußeren Burgtor. Eine Verquickung des Projekts Krypta-Umgestaltung mit der Errichtung eines Deserteursdenkmals ist für das Personenkomitee inakzeptabel. Letzteres ist ein konkreter Bestandteil des rot-grünen Wiener Koalitionsübereinkommens, Ersteres ein noch sehr unpräzises Versprechen des Verteidigungsministers.

Es ist völlig unverständlich, dass Heidemarie Uhl nun die Variante eines "gemeinsamen Gedenkens" präferiert. Sollte dies tatsächlich ihre Meinung als Historikerin sein, hat sie offenbar die Debatten der letzten zehn Jahre verschlafen. Deserteure wandten sich - aus welchen Gründen auch immer - bewusst vom Angriffs- und Vernichtungskrieg der Wehrmacht ab und haben dafür sehr häufig mit dem Leben bezahlt. Ein "gemeinsames Gedenken" wäre ein gewaltiger vergangenheitspolitischer Rückschritt, würde das nationale Opferkollektiv der Achtzigerjahre rekonstruieren und die symbolische Vollendung des Ausspruchs von Adolf Hitler bedeuten: "Der Soldat an der Front kann sterben, der Deserteur muss sterben."

Während die wenigen noch lebenden Deserteure seit Jahrzehnten für einen angemessenen Ort des Gedenkens kämpfen, ist der Nazi-Marinerichter und ehemalige SPÖ-Justizminister Otto Tschadek, der zumindest vier Todesurteile gegen Wehrmachtsdeserteure verhängt hat, nach wie vor Ehrenbürger seiner Heimatstadt Bruck an der Leitha und 24 weiterer niederösterreichischer Gemeinden und hängt in Öl in der Ehrengalerie des Justizministeriums.

Das Personenkomitee vertritt die Auffassung, dass die Abwendung der Deserteure vom Konsens des Krieges im Zuge der Denkmalsgestaltung auch symbolisch-räumlich sichtbar werden sollte, weshalb sich ein Standort auf der anderen Seite des Heldenplatzes anbieten würde. "Dort wäre ein würdiger Ort für uns", sagt dazu der Ehrenobmann des Personenkomitees Richard Wadani, selbst ehemaliger Wehrmachtsdeserteur. "Aber uns nach fast 70 Jahren wieder in Reih und Glied mit Wehrmacht und Waffen-SS stellen zu wollen, wie es die SPÖ offenbar vorhat, wäre die größte anzunehmende Provokation. Im Tod sind eben nicht alle gleich!"

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