- 22.06.2012, 12:10:39
- /
- OTS0152 OTW0152
Bildung: BZÖ-Bucher: Jeder will mitreden, aber niemand Verantwortung übernehmen!
Wien (OTS) - "Jeder will mitreden, aber niemand Verantwortung
übernehmen": Mit diesem Satz fasst BZÖ-Chef Klubobmann Josef Bucher
das derzeitige Bildungsdilemma in Österreich zusammen. Die
Zukunftsakademie Österreich hatte Donnerstag Abend zu einer
hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion mit dem Titel "Bildung neu
leben - für ein gscheites Österreich!" in die diplomatische Akademie
geladen. Unter der Moderation des Wirtschaftsjournalisten Ronald
Barazon diskutierten neben Josef Bucher, der ehemalige Wiener
Stadtschulratspräsident Kurt Scholz, der Gründer der "Sir Karl Popper
Schule" Günter Schmid, der Präsident des Bundesverbandes der
Elternvereine an mittleren und höheren Schulen Österreichs Theodor
Saverschel und Heidi Schrodt, die Vorsitzende von Bildung grenzenlos.
Der Direktor der Zukunftsakademie und BZÖ-Bündniskoordinator Markus
Fauland begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste und betonte, dass
die Veranstaltung nicht nur live gestreamt wurde, sondern dass die
Zuseher sich auch direkt via mail interaktiv mit Fragen an der
Diskussion beteiligen können, was auch intensiv genutzt wurde.
Allgemeiner Tenor der Diskutanten war die Kritik an der derzeitigen
Schulpolitik - einerseits am Stillstand, andererseits an der höflich
formuliert mangelhaften Umsetzung der wenigen Reformen im Bereich der
Bildungspolitik. Hier waren Zentralmatura und Neue Mittelschule
zentrale Punkte der Diskussion. Beide Reformen wurden in der
Intention großteils begrüßt, aber die Umsetzung massiv kritisiert.
Das Thema AHS dominierte jedoch den Abend. Heidi Schrodt beklagte die
festgefahrene Diskussion. Das heutige System habe keine Zukunft. Sie
plädierte für eine gemeinsame Schule bis zum Ende der
Pflichtschulzeit. Danach solle es eine Oberstufe mit Kurssystem
geben. Günter Schmid bedauerte, dass die AHS ausgehungert werde,
obwohl gerade die AHS beim PISA-Test, dem er grundsätzlich kritisch
gegenüberstehe, im Spitzenfeld liege. Die Bildungsdebatte sei aber
leider nur mehr eine Ideologiedebatte. Es gehe letztlich nicht um
Schüler, sondern um Politik. Schmid appellierte, aus den wenigen
bestehenden Bildungsinseln endlich ein großes Festland zu machen.
Kurt Scholz betonte, dass die AHS die bei den Eltern beliebteste
Schulform sei. Das Problem sei nicht die AHS, sondern die Tragödie
sei die soziale Zuordnung, nämlich der Zugang zu diesem Schultyp. Die
städtische Mittel- und Oberschicht schicke ihre Kinder in die AHS,
die alleinerziehende Mutter im ländlichen Bereich habe oft diese
Möglichkeit aber nicht. Scholz kritisierte massiv Fehler und
Ankündigungspolitk im Schulbereich und analysierte, dass wer das
Totenglöckchen für die AHS läute, am Irrweg sei.
Elternvertreter Saverschel sah in der 2009 erfolgten Kürzung von
Werteinheiten bei den AHS eine Zäsur. Danach sei die Überschreitung
der Klassenschülerhöchstzahl de facto zum Standard geworden. Für die
neue Mittelschule gebe es aber im Gegensatz zur AHS ausreichend
Mittel. Er trat für ein standortbezogenes Förderkonzept ein, hier
fehle aber der Wille zur Umsetzung.
BZÖ-Chef Bucher betonte, dass aus wirtschaftlicher Sicht Bildung am
Puls der Zeit elementar für den Erhalt des Wohlfahrtsstaates sei.
Derzeit lehne man sich zurück und glaube es reicht aus, den Status
Quo zu bewahren. Dies sei aber ein massiver Fehler. Denn nicht die
Lehrer seien wie oft behauptet die Alleinschuldigen, sondern die
Politik müsse endlich handeln. "Es gibt im Bildungsbereich eine
schleichende Verschlechterung. Österreich fällt jedes Jahr
international weiter zurück. Wenn andere billiger sind, müssen wir
besser sein. Aber in Österreich will bei der Bildung zwar jeder
mitreden, aber niemand handeln. Die Zukunft Österreichs entscheidet
sich aber im Klassenzimmer".
Rückfragehinweis:
Pressereferat Parlamentsklub des BZÖ
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | BZC






