• 14.06.2012, 12:00:49
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Studie zeigt Wege für Bildungserfolg für junge Menschen mit Migrationsgeschichte

Gemeinsame Pilotstudie von IV, Integrationsstaatsekretariat, BMUKK, AMS und Caritas - Migranten fehlt häufig Wissen um das Funktionieren des österreichischen Bildungssystems

Wien (OTS/PdI) - Menschen mit Migrationshintergrund, sowohl in
bildungsnahen als auch in bildungsfernen Familien, sind sehr an
Bildung und Bildungsaufstieg interessiert, gleichzeitig fehlt ihnen
oft das Wissen um das Funktionieren des Bildungssystems,
insbesondere, dass Bildungserfolg im österreichischen Bildungssystem
die Mitwirkung der Eltern und Familie voraussetzt. Dies zeigt eine
Pilotstudie, die vom Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft
(ibw) im Auftrag der Industriellenvereinigung (IV) gemeinsam mit den
Kooperationspartnern Integrationsstaatssekretariat im
Bundesministerium für Inneres, Bundesministerium für Unterricht,
Kunst und Kultur (BMUKK), Arbeitsmarktservice Österreich (AMS) und
der Caritas Österreich mit Unterstützung der ERSTE Stiftung
durchgeführt wurde. Im Rahmen der empirischen Untersuchungen,
beruhend auf Interviews mit Expertinnen und Experten aus Schule und
Jugendarbeit sowie Gruppengespräche mit Jugendlichen zum Thema
Bildungserfolg in der Migration, zeigt sich auch, dass sich
traditionelle Geschlechterrollenbilder eher negativ auf den
Bildungsaufstieg auswirken - dies sowohl bei jungen Männern, als auch
bei jungen Frauen. Darüber hinaus ist ein weiteres Kernergebnis, dass
vor allem bei jungen Männern das "Schulschwänzen" äußerst
bildungsschädlich ist, da die Schulabstinenz den "Einstieg in den
Bildungsausstieg" darstellt.

Die Handlungsempfehlungen des Studienautors Prof. Bernhard
Perchinig liegen daher in der Schaffung eines verbesserten
Schnittstellenmanagements und in der Einrichtung eines schultypen-
und berufsübergreifenden, individualisierten Bildungscoachings, in
der Elternarbeit und darin, einen besseren rechtlichen Rahmen für
Schulabsentismus zu finden.

Eltern über Funktionsweisen des österreichischen
Bildungssystems unterrichten

Hinsichtlich der Elternarbeit empfiehlt Perchinig, die Eltern über
die Funktionsmechanismen und den Aufbau des österreichischen
Bildungssystems besser zu unterrichten. Aufsuchende Elternarbeit
solle darüber hinaus die Geschlechterrollenbilder in der Erziehung
thematisieren. Das individualisierte Bildungscoaching sollte von
Schnittstellenmanagern im Rahmen eines schultypen- und
berufsübergreifenden Bildungscoachings erfolgen. Diese
Schnittstellenmanager sollten ab der Sekundarstufe I Kinder und
Jugendliche über Bildungswege und Berufsausbildungen informieren und
mit ihnen gemeinsam Bildungspläne ausarbeiten. Wesentlich sei dabei,
dass der Bildungscoach den Übertritt in die Sekundarstufe II begleite
und als Ansprechperson so lange zur Verfügung stehe, bis der/die
Jugendliche eine gefestigte Position in der jeweiligen
Bildungseinrichtung erarbeitet habe. Durch den Aufbau einer
langfristigen Beziehung zu einer Person sollte insbesondere auch die
Resilienz der Jugendlichen gefördert werden, so Perchinig. Als
Maßnahme zum Thema Schulabsentismus wird die verpflichtende
Einschaltung von Schulsozialarbeitern nach mehrmaligem,
unentschuldigtem Fernbleiben von der Schule angeregt.

Die Industriellenvereinigung sieht ihrerseits die Notwendigkeit
verstärkt in die Präventionsarbeit zu investieren, um
Bildungsabbrüche gerade dort zu vermeiden, wo es nur um Mangel an
Informationen, um Bildungswege und Berufsorientierung geht und regt
die Schaffung eines Buddy-Systems sowie ein individuelles
Kompetenz-Portfolio für Jugendliche an. Es müssen die bereits
vorhandenen Qualifikationen junger Erwachsener mit
Migrationsgeschichte hervorgehoben werden. Aufgrund eines
individuellen Kompetenz-Portfolios können die Stärken jeweils
herausgestrichen werden; damit kann bereits in der
Lehrlingsausbildung begonnen werden. Nur so bilden wir motivierte und
selbstbewusste junge Menschen aus, die sich engagieren und
partizipieren. "In einer hochentwickelten Gesellschaft sinken die
Beschäftigungschancen gering qualifizierter Personen. Bildung ist
nicht nur der Schlüssel zur Integration, insbesondere für Menschen
mit Migrationsgeschichte, sondern gleichfalls ist sie auch Türöffner
für den Zugang und die Platzierung am Arbeitsmarkt", betonte Mag.
Georg Kapsch, Präsident der IV Wien.

"Um etwas leisten und seinen Weg in Österreich machen zu können,
ist die Ausbildung entscheidend", sagte Integrationsstaatssekretär
Sebastian Kurz. "Und gerade hier haben wir die Probleme:
Schulpflichtverstöße von schulpflichtigen Kindern im Alter von 6 bis
15 Jahren nehmen stark zu, 8.000 Schüler jährlich brechen die Schule
ab, 75.000 Jugendliche sind ohne Ausbildung und Job. Wir investieren
sehr viel Geld ins Reparieren dieser Probleme, tun aber wenig, um die
Ursachen zu bekämpfen. Ich arbeite daher an Maßnahmen gegen die
Ursachen: an einem Gesetz gegen Schulpflichtverstöße - auch Strafen,
Maßnahmen gegen Schulabbruch sowie an einem offensiven
Hausbesuchsprogramm für bildungsferne Migranteneltern, um
Bildungsbewusstsein zu schaffen", so Kurz. "Mit Projekten wie der
Neuen Mittelschule, dem Ausbau der ganztägigen Betreuung, der
Individualisierung im Unterricht und der Qualitätssicherung in Bezug
auf Lernen und Lehren setze ich auf präventive Maßnahmen. Ich bin der
Überzeugung, dass die kompensatorische Bildung eine wichtige Aufgabe
der öffentlichen Schule darstellt - die Studie liefert wesentliche
Erkenntnisse dazu", so Unterrichtsministerin Dr. Claudia Schmied.

Für Franz Küberl, Präsident der Caritas Österreich, hat ein Ausbau
der Schulsozialarbeit an jedem Schulstandort Priorität: "Ich bin
zutiefst überzeugt: Ein Bildungssystem, das alle Kinder
miteinschließt und fördernd herausfordert, kommt allen Mitgliedern
der Gesellschaft zugute. Es hilft den Kids zu einem guten Zustieg in
die Zukunft. Und es leistet nebenbei einen nachhaltigen Beitrag zur
Armutsbekämpfung." Um wirklich alle Kinder in Österreich auf die
Bildungsreise mitzunehmen, fordert er die Einführung von
Schulsozialarbeit an allen Schulen, die Aufstockung von Ressourcen
für die Elternarbeit und eine vom Bund initiierte Qualitätsoffensive
in den Kindergärten.

"Grundsätzlich gilt: Je besser die Ausbildung, desto besser die
Chancen am Arbeitsmarkt. Arbeitslosigkeit betrifft daher vor allem
Personen mit geringer Ausbildung. Während die Arbeitslosenquote von
Pflichtschulabsolventen derzeit bei knapp 17 Prozent liegt, sinkt sie
bei Personen mit Lehrabschluss bereits auf 5 Prozent. Bildung ist
somit DER Schlüssel zum Erfolg am Arbeitsmarkt", betonte AMS-Vorstand
Dr. Johannes Kopf.

"Die ERSTE Stiftung hat diese Studie unterstützt, weil wir uns
ganz konkrete Hinweise für die tägliche Arbeit in den Projekten
versprechen", so Boris Marte, Vorstandsmitglied der ERSTE Stiftung.
Durch die Studie "gibt es jetzt Inhalte, die wir für die Wahrung von
Bildungschancen von Menschen aller Altersgruppen in Zentral- und
Osteuropa brauchen." Das Ziel sei schließlich ein Schulsystem in
allen Ländern der Region, "das junge, kreative Menschen hervorbringt,
die früh eine Chance bekommen haben, ihre eigenen Gedanken und ein
Bewusstsein ihrer Fähigkeiten und Stärken zu entwickeln und damit
ihre Gesellschaften gestalten können."

Die Studie ist in der Kurz- und Langfassung auf der Homepage der
Industriellenvereinigung abrufbar:
http://www.iv-net.at/publikationen/g98p591/

Rückfragehinweis:
IV-Newsroom
Tel.: +43 (1) 711 35-2306
mailto:[email protected]
www.iv-net.at/medien

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