• 12.06.2012, 12:18:53
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Mitterlehner: Jugendbeschäftigungsbericht zeigt Erfolge, aber auch Handlungsbedarf

Wirtschafts- und Jugendminister legte im Ministerrat Bericht zu Jugendbeschäftigung und Lehre vor - Österreich gut aufgestellt, aber Demographie erhöht Handlungsdruck

Wien (OTS/BMWFJ) - Wirtschafts- und Jugendminister Reinhold
Mitterlehner hat am Dienstag im Ministerrat den aktuellen "Bericht
zur Situation der Jugendbeschäftigung und Lehrlingsausbildung in
Österreich 2010-2011" vorgelegt. "Trotz der internationalen Finanz-,
Schulden- und Wirtschaftskrise zählt Österreich bei der
Jugendbeschäftigung zu den besten Ländern Europas. Unser
international renommiertes duales Ausbildungssystem ist dafür ein
Schlüsselfaktor. Durch den demographischen Wandel und den stärkeren
Wettbewerb mit den weiterführenden Schulen steht dieses Modell aber
zunehmend unter Druck", betont Mitterlehner. "Um den Fachkräftebedarf
der Wirtschaft langfristig zu decken, müssen wir daher die
Berufsausbildung attraktiv halten, neue Zielgruppen für die Lehre
erschließen und die Zahl der Ausbildungsabbrüche verringern", betont
Mitterlehner unter Verweis auf die Maßnahmen des
Berufsausbildungspakets 2012.

Eine besondere Herausforderung ist laut dem Bericht die Integration
von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in das Ausbildungs- und
Beschäftigungssystem. "Es kann davon ausgegangen werden, dass rund
ein Drittel bis maximal die Hälfte der Jugendlichen mit
Migrationshintergrund nach der Pflichtschule ohne weiterführenden
Bildungsabschluss aus dem Bildungssystem ausscheiden", schreiben die
Studienautoren vom Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft
(ibw) und dem Österreichischen Institut für Berufsbildungsforschung
(öibf). "Angesichts des bis 2016 zu erwartenden deutlichen Rückgangs
der jungen Berufseinsteiger und dem Anstieg der Berufsaussteiger bis
2025 müssen wir dieses Fachkräftepotenzial stärker nutzen. Dazu
kommt, dass Mehrsprachigkeit ein Wettbewerbsvorteil ist und die
Exportstärke der österreichischen Wirtschaft unterstützt", so
Mitterlehner. Eine wichtige Maßnahme für die stärkere Einbindung von
Jugendlichen mit Migrationshintergrund sei das 2012 anlaufende
Coaching-Programm für Betriebe und Jugendliche. Darüber hinaus
spricht sich Mitterlehner für eine verpflichtende Berufsorientierung
in der 7. und 8. Schulstufe aus.

Die zentralen Ergebnisse des Berichts im Überblick

- Österreich weist im Vergleich der EU 27-Länder in allen im Rahmen
des Berichts untersuchten Indikatoren vergleichsweise günstige Werte
auf. Beispielsweise betrug die Jugendarbeitslosenquote gemäß EUROSTAT
im Vorjahr 8,3 Prozent, in den EU-27-Ländern aber im Schnitt 21,4
Prozent. Österreich lag damit 2011 innerhalb der EU an
zweitgünstigster Stelle knapp hinter den Niederlanden.

- Als ein wesentlicher Grund für die vergleichsweise gute Integration
der Jugendlichen in das Beschäftigungssystem gilt insbesondere das
österreichische System der beruflichen Erstausbildung
(Lehrlingsausbildung, berufsbildende mittlere und höhere Schulen). In
Österreich sind dabei sowohl die Ausbildungsbeteiligung als auch der
Anteil der beruflichen Bildung in der Sekundarstufe II relativ hoch.
Unstrittig ist, dass insbesondere das duale System eine gute Position
im internationalen Vergleich schafft. Nicht zuletzt ist die duale
Ausbildung (durch die Ausbildungsbeteiligung der Betriebe) jene
Ausbildungsform in der Sekundarstufe II, die mit großem Abstand die
geringsten öffentlichen Mittel erfordert.

- Gezielte Förderung der betrieblichen Lehrlingsausbildung: Für die
betriebliche Lehrstellenförderung (Basisförderung, qualitätsbezogene
Förderungen für Ausbildungsverbundmaßnahmen, Weiterbildungen für
Ausbilder/innen, Nachhilfekurse, Lehre mit Matura, Vorbereitungen auf
die Lehrabschlussprüfung, gleichmäßiger Zugang von Männern und Frauen
zu Lehrberufen) wurden 2011 für 146.741 Förderfälle ein Fördervolumen
von insgesamt 156,22 Millionen Euro aus Mitteln des
Insolvenz-Entgelt-Fonds (IEF) ausbezahlt. Für 2012 sind
prognostiziert 164,7 Millionen Euro für Zwecke der betrieblichen
Lehrstellenförderung verfügbar.

- Lehrlingszahlen: Während die Gesamtzahl der Lehrlinge krisenbedingt
und aufgrund des demographischen Wandels eine rückläufige Tendenz
aufweist, ist die Zahl der betrieblichen Lehrlinge im ersten Lehrjahr
zuletzt wieder leicht (um 1,5 Prozent) gestiegen. Ende 2011 befanden
sich 35.638 Lehrlinge im ersten Lehrjahr.

- Überbetriebliche Lehrausbildung: Die Zahl der Teilnehmer/innen an
überbetrieblichen Ausbildungen im Auftrag des AMS im Ausbildungsjahr
2010/11 betrug insgesamt 12.702 Personen und ist damit von 2010 bis
2011 in etwa gleich geblieben bzw. leicht gestiegen. Im
Ausbildungsjahr 2010/11 waren es insgesamt 12.702 Teilnehmer/innen
(Personen im Programm), im Ausbildungsjahr 2009/10 12.432. Die Zahl
der Jugendlichen, die mit einer überbetrieblichen Ausbildung
beginnen, ist aber bereits deutlich rückläufig.

Neues Maßnahmenpaket 2012

Das Wirtschaftsministerium hat in Abstimmung mit dem
Sozialministerium ein neues Berufsausbildungspaket erarbeitet, das
zusätzliche Unterstützungen für die betriebliche Ausbildung bringt:

- Mit dem neuen Programm "Coaching und Beratung für Lehrlinge und
Lehrbetriebe" werden vorerst in einer Pilotphase ab Herbst 2012
sowohl die Jugendlichen als auch die Ausbilder/innen in den Betrieben
bei Bedarf unterstützt und begleitet. Die Coaches stehen individuell
abgestimmt für kurze Zeit oder, wenn erforderlich, bis zum
Ausbildungsabschluss ("Case Management") zur Verfügung. Durch diese
Maßnahme soll die Drop-Out-Quote von Jugendlichen aus der
Lehrausbildung gesenkt werden.

- Zur Unterstützung der Ausbilder/innen in den Betrieben werden
(zunächst für zehn zentrale Lehrberufe) Ausbildungsleitfäden als
praxistaugliche Unterlage zur Gestaltung der Ausbildung, Hilfsmittel
zur Reflexion und Handhabung der Vermittlung von Berufsbildpositionen
erstellt. Der erste Leitfaden für den Lehrberuf "Bürokaufmann" wird
demnächst fertig; im Herbst wird der Leitfaden für den
"Gastronomiefachmann" erstellt.

- Die Prüfungsfragen und Beispiele für Lehrabschlussprüfungen werden
zukünftig durch eine "Clearingstelle" im BMWFJ einer
Qualitätskontrolle unterzogen und bei Bedarf ergänzt. Heuer liegt der
Überprüfungsschwerpunkt auf den touristischen Lehrberufen.

- Unternehmen, die ihren Lehrlingen Auslandspraktika ermöglichen,
werden verstärkt unterstützt, indem die Lehrlingsentschädigung, die
während des Auslandsaufenthaltes anfällt, ersetzt wird (ergänzend zur
Förderung der Anreise- und Aufenthaltskosten der Lehrlinge durch das
EU-Programm Lebenslanges Lernen/Leonardo da Vinci).

- Nachholen eines Lehrabschlusses: Mit der am 1.1.2012 in Kraft
getretenen neuen Bestimmung des § 23 Abs. 11 Berufsausbildungsgesetz
wurde die Möglichkeit geschaffen, dass informell und non-formal
erworbene Kenntnisse und Fertigkeiten im Rahmen von
qualitätsgesicherten Qualifizierungsprojekten bei Personen ab dem 22.
Lebensjahr auf die Lehrabschlussprüfung angerechnet werden können.
Dadurch wird das Nachholen von Lehrabschlüssen (und somit das
Erreichen der Qualifikation und des Status einer Fachkraft)
strukturell erleichtert werden. Zur Umsetzung dieser Bestimmung in
ganz Österreich gab es am 6. Juni 2012 eine Informationsveranstaltung
im BMWFJ.

Rückfragehinweis:

Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend
   Pressesprecher des Bundesministers:
   Mag. Waltraud Kaserer
   Tel.: +43 (01) 71100-5108 / Mobil: +43 664 813 18 34
   mailto:[email protected]
   www.bmwfj.gv.at
   
   Mag. Volker Hollenstein
   Tel.: +43 (01) 71100-5193 / Mobil: +43 664 501 31 58
   [email protected]

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