- 31.05.2012, 11:24:57
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AKNÖ-Jugendwertestudie 2011: Karriere statt Familie
Jugend in Niederösterreich zeigt sich überdurchschnittlich leistungsorientiert
Wien (OTS) - Österreichweit blicken die 14-29-Jährigen wenig
optimistisch in die Zukunft. Das gilt auch für die Jugendlichen in
Niederösterreich. Aber im Unterschied zu anderen Bundesländern zeigen
sich die jungen Menschen hier weitaus karriereorientierter. Um im
Beruf weiter zu kommen, würden sie auf Bezahlung und Freizeit
verzichten, heißt es in der Studie. Eine weitere Auffälligkeit: Bevor
an die Gründung einer eigenen Familie gedacht wird, wollen sich die
Jugendlichen beruflich etablieren und finanziell absichern. "Die
Bereitschaft auf Familie, Bezahlung und Freizeit zu verzichten ist
ein alarmierendes Signal", stellt AKNÖ-Präsident Hermann Haneder
fest. "Die Gefahr durch Ausbeutung in prekäre Verhältnisse
abzurutschen ist dadurch sehr hoch."
Hohe Karriereorientierung
Leistungsorientierung und individuelle Selbstbestimmung sind zentrale
Begriffe für die jungen Menschen. Laut aktueller Jugendwertestudie
würden 21 Prozent (bundesweit 17 %) der niederösterreichischen
Jugendlichen weniger Freizeit in Kauf nehmen, wenn sie dafür
schneller im Beruf vorwärts kommen. Der Leistungsgedanke ist bereits
sehr früh ausgeprägt. Denn ein erheblicher Anteil an SchülerInnen
arbeitet neben der Ausbildung. Mehr als 40% tun dies während der
Schulferien, 12 % sogar ganzjährig neben der Schule. Praktika werden
von den Jugendlichen als gute Möglichkeit für den Berufseinstieg und
als nützlich für die Karriere angesehen. Problematisch wird es für
die Befragten erst dann, wenn sie sich durch das Praktikum großteils
ausgenutzt fühlen, ohne in irgendeiner Art und Weise davon zu
profitieren.
Familiengründung - bitte warten
Als wichtige Stütze im Leben der Jugendlichen haben Freunde und
Familie einen sehr hohen Stellenwert. Die Gründung einer eigenen
Familie ist zwar als Ideal in den Köpfen der Jugendlichen stark
verankert, aber die Realisierung scheint für viele schwierig.
Aufgrund der Flexibilitätszwänge am Arbeitsmarkt erscheint die
Zukunft nicht planbar. Bevor an die Gründung einer eigenen Familie
gedacht wird, wollen sich die Jugendlichen beruflich etablieren und
finanziell absichern.
Hilf dir selbst, sonst hilft die keiner
Generell lässt der Druck der Leistungsgesellschaft die Jugendlichen
in NÖ wenig optimistisch in die Zukunft blicken. Rund ein Drittel der
Jugendlichen sieht die gesellschaftliche Zukunft eher düster, 45 %
"mal so, mal so" und 51 % stimmen der Aussage zu: "Hilf dir selbst,
sonst hilft dir keiner." Zukunft scheint immer weniger planbar und
viele fühlen sich auf sich alleine gestellt. Dass immer mehr das
Gefühl haben, in einer Welt der Entsolidarisierung zu leben, lässt
bei AKNÖ-Bildungsexperten Stefan Schober die Alarmglocken läuten:
"Angesichts der seit Beginn der Wirtschaftskrise gestiegenen
Jugendarbeitslosigkeit ist es umso dringender nötig, noch mehr
Maßnahmen zu setzen, um für sozial und finanziell abgesicherte
Beschäftigungsverhältnisse zu sorgen und damit auch eine langfristige
Zukunftsperspektive zu schaffen."
Politisches Engagement
Obwohl nach Ansicht der Jugendlichen der Einfluss der Politik auf die
Gesellschaft schrumpft, geben 54 % an, sich für Politik zu
interessieren. Die Bereitschaft, sich politisch zu engagieren ist
stark vom Bildungsstand der Eltern beeinflusst, wodurch den Schulen
im Bereich der "Politischen Bildung" eine enorme Verantwortung
zukommt. "Oft richtet sich der Fokus noch sehr stark auf die
klassische Staatsbürgerkunde. Aspekte wie Demokratieverständnis,
Partizipationsmöglichkeiten und eigenständige Meinungsfindung kommen
vielfach zu kurz", erklärt Schober. Diese Einschätzung teilen auch
die befragten Jugendlichen. Ein derzeit laufendes Projekt der AKNÖ
zeigt, dass junge Menschen durchaus zur politischen Partizipation zu
bewegen sind. "Beim AKNÖ-Schulpreis für Politische Bildung entwickeln
SchülerInnen kreative Ideen und Beiträge, die von einem modernen und
aufgeschlossenen Umgang mit Politischer Bildung im Unterricht
zeugen", so der Bildungsexperte.
Rückfragehinweis:
AKNÖ-Bildungsexperte Stefan Schober, 01/58883-1884
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