- 30.05.2012, 09:00:48
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Ware Gesundheit - das Ende der klassischen Medizin
Österreichischer Hausärzteverband lädt am 26. Juni zum Vortragsabend mit Prof. Dr. Paul U. Unschuld ins Wiener RadioKulturhaus
Wien (OTS) - Zwei Jahrhunderte lang, vom frühen 19. bis in das
späte 20. Jahrhundert, war die Gesundheitspolitik der
westeuropäischen Nationen von dem Bewusstsein geleitet, dass ein
effektives Gesundheitswesen Grundlage wirtschaftlicher und
militärischer Stärke eines Staates sei. Diese Zeit findet nun ihr
Ende. Auf Grund weltpolitischer Umwälzungen verringert sich der Druck
auf die Politik, sich mit allen Mitteln für die Gesundheit der
Gesamtbevölkerung, unabhängig von Bildung, Einkommen und sozialer
Schichtzugehörigkeit einzusetzen.
Das Gesundheitswesen ist somit nicht länger die Grundlage der
Wirtschaftskraft eines Staates; das Gesundheitswesen ist selbst Teil
der Wirtschaftskraft geworden. Als Folge kommt es zu einer
Neudefinition der bisher im Gesundheitswesen beteiligten Kräfte. Die
Politik zieht sich zurück und beschränkt sich mehr und mehr auf die
finanziellen Rahmenbedingungen. Auch die Krankenkassen haben ihre
Rolle verändert. Sie sind nicht länger neutrale Mittler zwischen
Beitragspflichtigen und medizinisch Aktiven. Sie haben eigene
kommerzielle Interessen und Verhaltensweisen übernommen, die mit
ihrer ursprünglichen Aufgabe kaum vereinbar sind.
Schließlich die Ärzte. Sie stören als Entscheidungsträger in einer
Gesundheitswirtschaft, da sie an den Universitäten und in der
klinischen Praxis ausgebildet werden, nach bestem
medizinisch-fachlichem und medizinisch-ethischem Wissen und Gewissen
der Gesellschaft und ihren Kranken zu dienen. Das Renditedenken
gehört nicht zu ihren ureigenen Aufgaben. Hier konkurrieren
kommerzielle mit medizinischen Werten. Als Folge werden die Ärzte
zunehmend aus den Entscheidungszentren verdrängt und als Erfüller
ökonomischer Interessen übergeordneter Investoren auf die Funktionen
beschränkt, für die sie unabdingbar sind.
Diese Entwicklung gilt vielen Beteiligten als begrüßenswert;
andere bedauern den unumgänglichen Wandel. Der Preis, den die
Gesellschaft, und insbesondere diejenigen entrichten müssen, die auf
medizinische Leistungen angewiesen sind, ist hoch. Es ist der Verlust
des Vertrauens. Ungeachtet der Tatsache, dass auch weiterhin viele
Ärztinnen und Ärzte ihr Bestes geben, kann schon heute keiner mehr
sicher sein, dass das, was ihm an Therapie und Ratschlag in einer
Arztpraxis, in einer Klinik oder seitens der Gesundheitsbehörden
empfohlen wird, tatsächlich seinen besten medizinischen Interessen
entspricht und nicht vorrangig den Renditeforderungen der Investoren.
Vortrags- und Diskussionsabend des Öster. Hausärzteverbandes "Ware
Gesundheit. Das Ende der klassischen Medizin"
Referent: Prof. Dr. Paul U. Unschuld
Autor des Buches "Ware Gesundheit"
(Verlag C.H.Beck, 2. Auflage 2011)
Direktor des Horst-Görtz-Stiftungsinstitutes
Moderation: Dr. Christian Euler
Präsident des Österreichischen Hausärzteverbandes
Weitere Informationen unter www.hausaerzteverband.at
Datum: 26.6.2012, um 19:00 Uhr
Ort: RadioKulturhaus
Argentinierstraße 30A, 1040 WienRückfragehinweis:
PR-Büro Halik, Sparkassaplatz 5a/2, 2000 Stockerau
Tel.: 02266/674 77-0,
mailto:[email protected]
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