- 24.05.2012, 18:15:31
- /
- OTS0296 OTW0296
WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Der Griechenexit und die Büchse der Pandora - von Wolfgang Tucek
Europa sollte alles tun, um den Austritt noch zu verhindern
Wien (OTS) - Leider war es den Menschen in der griechischen
Mythologie nicht vergönnt, nur einmal kurz unbeschadet in die Büchse
der Pandora hineinzuschauen. So schnell konnte sie gar nicht wieder
geschlossen werden, sämtliches Unheil war schon über die Welt
gekommen. Ganz ähnlich könnte es der Eurozone beim Austritt ihres
Sorgenkinds Griechenland ergehen. Schnell rückgängig zu machen wäre
das nicht und die Auswirkungen trauen sich nur ganz wenige Experten
in Zahlen zu fassen. Über den Daumen schätzen sie dann bis zu eine
Billion Euro Schaden, der sich nach Erstrundeneffekten durch den
unmittelbaren Zahlungsausfall der Griechen aus angenommenen
Abschreibungen, Ansteckungseffekten und den Konsequenzen für die
Realwirtschaft ergibt. Die meisten Ökonomen halten die Folgen
schlicht für unabsehbar - vom politischen Desaster wie dem möglichen
Scheitern der gesamten Europäischen Währungsunion ganz zu schweigen.
Natürlich haben auch die Befürworter des Griechen-Exit
nachvollziehbare Argumente nach dem Motto "Besser ein Ende mit
Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende". Es klingt verlockend, den
größten Unsicherheitsfaktor der Eurozone abzutrennen und dann das
Vertrauen der Märkte mit einer gestärkten Währungsunion
zurückzugewinnen. Andere schwächere Länder wie Portugal, Irland,
Spanien und Italien haben sich bei der Umsetzung ihrer Spar- und
Reformprogramme unter dem Druck der Troika aus EU-Kommission, EZB und
IWF oder vorauseilend als wesentlich konsequenter und zuverlässiger
erwiesen. Voraussetzung für ein Gelingen ist aber, dass diese Staaten
auch wirklich vor einem Übergreifen des griechischen Pleitevirus
bewahrt werden können. Denn trotz der Beschwörung Griechenlands als
Ausnahmefall könnten die Märkte einen gefährlichen Präzedenzfall
annehmen. Neben dem neuen Rettungsschirm ESM müsste auch die EZB den
dortigen Banken massiv unter die Arme greifen, um einen Bankenrun
verhindern oder zumindest abfangen zu können.
Ausgeschlossen ist dieses Szenario wegen des politischen Chaos in
Athen ohnehin nicht mehr. Aber bis dahin sollte die Eurozone alles
tun, um es doch noch zu verhindern. Denn auch den Menschen in der
griechischen Mythologie gefiel am Ende nicht so gut, was sie in
Pandoras Büchse fanden.
Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PWB






